Erstellt 27.07.08, 17:32h, aktualisiert 27.07.08, 17:35h
Die Stipendien, die ab diesem Montag ausgeschrieben werden, sind ein Teil der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung. Über weitere Maßnahmen will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten auf dem "Bildungsgipfel" Ende Oktober in Dresden reden. Schavan sagte, besondere Begabungen in Schule, Beruf und Studium müssten "gleichermaßen anerkannt und gefördert werden". Die Stipendien sollten dazu beitragen, die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung zu vergrößern. Zugleich wolle man angesichts des drohenden Fachkräftemangels "zusätzliche Potenziale erschließen".
Bewerber für ein "Aufstiegsstipendium" müssen mindestens zwei Jahre Berufserfahrung haben und herausragende Leistungen vorweisen können. Das Stipendium für ein Vollstudium umfasst 650 Euro monatlich plus 80 Euro Büchergeld sowie eine Betreuungspauschale von 113 Euro für ein Kind unter zehn Jahren. Das Stipendium muss nicht zurückgezahlt werden. Studierende in einem berufsbegleitenden Studiengang können jährlich 1700 Euro erhalten.
Im Vergleich mit 22 anderen EU-Staaten belegt Deutschland in Sachen Hochschulzugang für Berufstätige einen der hinteren Plätze. 2006 hatten etwa 83 Prozent der Studenten Abitur, 13 Prozent die Fachhochschulreife. Etwa vier Prozent hatten den Zugang zur Hochschule über einen anderen Weg geschafft - nur ein Viertel davon über besondere Qualifizierung im ausgeübten Beruf oder über eine Begabtenprüfung. Anders in Schweden: Dort haben 36 Prozent der Studenten kein klassisches Abitur.
Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD) forderte eine bundeseinheitliche Studienzulassungsregelung für Nicht-Abiturienten. "Wer sich als erfolgreich Berufstätiger für ein Studium entscheidet, braucht Verlässlichkeit und Transparenz und keine 16 unterschiedlichen, oft willkürlichen Landesregelungen", kritisierte Burchardt. "Die neue Freiheit der Länder und der Hochschulen bei der Studienzulassung hat für die Betroffenen einen Bürokratiedschungel gebracht."
Schavan warb in der "Berliner Zeitung" (Samstag) auch für mehr private Stipendien zur Studienfinanzierung. Man könne zum Beispiel ehemalige Studenten als Sponsoren gewinnen. Zudem wünsche sie sich "mehr Mut in der Wirtschaft". Ein gutes Stipendienwesen könne bei der Akzeptanz von Studiengebühren helfen. Einen größeren finanziellen Beitrag des Bundes zum Aufbau eines nationalen Stipendienprogramms für allgemeine Studenten lehnte Schavan dagegen ab. Der Bund zahle bereits 95 Prozent aller Stipendien. "Nun sind einmal andere dran."
Schavan reagierte damit auf Forderungen des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP). Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe prüft derzeit sein Modell eines nationalen Stipendienprogramms. Neben Schavan reagierten auch andere Länder bisher zurückhaltend. (dpa)
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