Erstellt 29.07.08, 14:34h, aktualisiert 29.07.08, 14:36h
Durch das neue Konzept verringerte sich die Zahl der jugendlichen Mehrfachstraftäter mit fünf oder mehr Straftaten im Jahr in Gelsenkirchen deutlich, berichtete der zuständige Polizeipräsident Rüdiger von Schoenfeldt. Sie sank seit Projektstart 2004 um mehr als 22 Prozent. Auch die Rückfallhäufigkeit sei deutlich zurückgegangen: Derzeit liege die Erfolgsquote der anschließend nicht mehr bei der Polizei in Erscheinung tretenden Jugendlichen bei knapp einem Drittel (31 Prozent).
Ausführliche Gespräche
Zielgruppe des Gelsenkirchener Modellprojekts sind neben besonders auffälligen Jugendlichen auch Ersttäter, die bereits bei dem noch ungewohnten Kontakt mit der Polizei möglichst zusammen mit ihren Eltern zu einem ausführlichen Gespräch gebeten werden. Dabei würden die Jugendlichen bereits auf mögliche Strafen und negative Folgen für ihr weiteres Leben hingewiesen. Komme es trotzdem zu wiederholten Problemen mit der Polizei, würden die Maßnahmen intensiviert bis hin zur Einzelfallbetreuung, berichtete Carsten Berg von der Gelsenkirchener Polizei. Daneben kämen Beamte immer wieder zu Treffpunkten von Jugendgruppen und -banden, um den "Kontrolldruck" zu verstärken.
In einem aus Jugendschutzgründen vor dem Termin vorab aufgezeichneten Interview schilderte ein 16-jähriger Gewalttäter den frühen Start seiner kriminellen Karriere. "Ich hatte mit 14 oder 15 Jahren zum ersten Mal wegen Körperverletzung und Raub Kontakt mit der Polizei, am Anfang war das cool", meinte er. Schließlich sei die Hemmschwelle zur Anwendung von Gewalt immer niedriger geworden: "Mir war es völlig egal, ob ich auf Gesicht oder Körper geschlagen habe", sagte er.
Für seine kriminelle Karriere machte der 16-Jährige "falsche Freunde, Drogenkonsum, Probleme in der Schule und Geldnot" verantwortlich. Mit Unterstützung der Polizei sei es nun jedoch gelungen, den Kontakt zu seiner Familie wieder aufzubauen. Die ständige Beobachtung durch die Polizei bezeichnete er als "doof". Gleichzeitig sei es gut, dass sich jemand um ihn kümmere. (dpa)
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