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Nordrhein-Westfalen

Neues Modell gegen Jugendgewalt

Erstellt 29.07.08, 14:34h, aktualisiert 29.07.08, 14:36h

Falsche Freunde, Drogenkonsum, Probleme in Schule und Elternhaus - die Gründe, warum Jugendliche Straftaten begehen, sind vielfältig. Durch intensive Betreuung und Kontrolldruck will die Polizei die Jugendkriminalität bekämpfen. Gelsenkirchen hat Erfolg mit diesem Modell: Die Zahl der Mehrfachstraftäter sank um 22 Prozent.

Ingo Wolf
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NRW-Innenminister Ingo Wolf mit Polizeimeisterin Alexandra Hußmann (Bild: dpa)
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NRW-Innenminister Ingo Wolf mit Polizeimeisterin Alexandra Hußmann (Bild: dpa)
GELSENKIRCHEN - Mit Abschreckung und mehr persönlicher Ansprache wollen die 47 Kreispolizeibehörden in Nordrhein-Westfalen gezielt gegen jugendliche Gewalttäter vorgehen. Vorbild sei ein 2004 in Gelsenkirchen gestartetes Modellprojekt, sagte NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) am Dienstag bei der Vorstellung der Initiative in der Revierstadt. "Die Bekämpfung der Jugendgewalt ist ein wesentlicher Schwerpunkt der Polizeiarbeit", sagte Wolf. Knapp 1500 Kinder und junge Heranwachsende im Alter von bis zu 21 Jahren würden derzeit von der Polizei als Intensivtäter eingestuft. "Das ist eine Zahl, die uns besondere Probleme bereitet", so der NRW-Innenminister.

Durch das neue Konzept verringerte sich die Zahl der jugendlichen Mehrfachstraftäter mit fünf oder mehr Straftaten im Jahr in Gelsenkirchen deutlich, berichtete der zuständige Polizeipräsident Rüdiger von Schoenfeldt. Sie sank seit Projektstart 2004 um mehr als 22 Prozent. Auch die Rückfallhäufigkeit sei deutlich zurückgegangen: Derzeit liege die Erfolgsquote der anschließend nicht mehr bei der Polizei in Erscheinung tretenden Jugendlichen bei knapp einem Drittel (31 Prozent).

Ausführliche Gespräche

Zielgruppe des Gelsenkirchener Modellprojekts sind neben besonders auffälligen Jugendlichen auch Ersttäter, die bereits bei dem noch ungewohnten Kontakt mit der Polizei möglichst zusammen mit ihren Eltern zu einem ausführlichen Gespräch gebeten werden. Dabei würden die Jugendlichen bereits auf mögliche Strafen und negative Folgen für ihr weiteres Leben hingewiesen. Komme es trotzdem zu wiederholten Problemen mit der Polizei, würden die Maßnahmen intensiviert bis hin zur Einzelfallbetreuung, berichtete Carsten Berg von der Gelsenkirchener Polizei. Daneben kämen Beamte immer wieder zu Treffpunkten von Jugendgruppen und -banden, um den "Kontrolldruck" zu verstärken.

In einem aus Jugendschutzgründen vor dem Termin vorab aufgezeichneten Interview schilderte ein 16-jähriger Gewalttäter den frühen Start seiner kriminellen Karriere. "Ich hatte mit 14 oder 15 Jahren zum ersten Mal wegen Körperverletzung und Raub Kontakt mit der Polizei, am Anfang war das cool", meinte er. Schließlich sei die Hemmschwelle zur Anwendung von Gewalt immer niedriger geworden: "Mir war es völlig egal, ob ich auf Gesicht oder Körper geschlagen habe", sagte er.

Für seine kriminelle Karriere machte der 16-Jährige "falsche Freunde, Drogenkonsum, Probleme in der Schule und Geldnot" verantwortlich. Mit Unterstützung der Polizei sei es nun jedoch gelungen, den Kontakt zu seiner Familie wieder aufzubauen. Die ständige Beobachtung durch die Polizei bezeichnete er als "doof". Gleichzeitig sei es gut, dass sich jemand um ihn kümmere. (dpa)



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