Von Inga Beißwänger, 30.07.08, 12:40h, aktualisiert 30.07.08, 18:35h
Mitten drin findet sich das Kunstorchester Kwaggawerk aus Köln, dessen Gründer Reto Stadelmann die Veranstaltung unter dem Namen „Entlebuch und ein halbes Zebra“ initiiert und mitorganisiert hat. „Schon als Jugendlicher habe ich Guggenmusik gespielt. In meiner Schweizer Heimat hat diese Musikform große Tradition“, erzählt Reto Stadelmann. Guggenmusik entwickelte sich aus dem Brauch heraus, mit lautem Krach die Geister des Winters zu vertreiben. Ursprünglich zogen die Menschen dafür in der Fasnachtszeit mit Rasseln, Eimern, Trommeln und Pfeifen durch die Dörfer und Städte. Heute übernehmen Blechblasinstrumente die Funktion. Daher kommt auch der Name dieser Musikform: Das schweizerdeutsche Wort Gugge steht für alle Arten von Blechblasinstrumenten. Auch in den südwestdeutschen Raum ist der Brauch gewandert. Dort gehören während der schwäbisch-alemannischen Fasnacht Guggenmusiker zum ganz normalen Straßenbild.
Passend zu dieser Tradition haben die Musiker vom Kunstorchester Kwaggawerk ihren ersten Auftritt im Jahr 2007 im Geisterzug des Kölner Karnevals absolviert. „Bei den Leuten am Straßenrand kam unsere laute, leicht schräge Musik sehr gut an. Deshalb denken wir, dass dem Publikum auch »Entlebuch und ein halbes Zebra« gefallen wird“, zeigt sich Stadelmann zuversichtlich. Die Schweizer Gäste aus der ländlichen Region Entlebuch haben allein für die Veranstaltung schon früher als gewohnt mit den Proben angefangen. Eigentlich treffen sich die Musiker erst im November wieder, kurz vor Beginn der Fasnacht.
Musik - und viel mehr
„Auch, wenn uns die Wurzeln der Guggenmusik bewusst sind, möchten wir diese Musik weiterentwickeln und ihr neue Inhalte geben, Musik mit vielen weiteren Kunstformen zusammenbringen“, erklärt Reto Stadelmann. Das geschieht zum Beispiel dadurch, dass nicht nur Musiker, sondern auch andere Künstler, aber auch Studierende, Pädagogen und Handwerker dem Kwaggawerk angehören und ihre Ideen einbringen. So steuert der Objektkünstler Triloff für die kommende Veranstaltung mobile Kunstobjekte bei. Die Bildhauerin Julia Seidensticker und die Medienkünstlerin Katja Struif entwarfen die schrägen Kostüme. Am Samstag werden die Kwaggawerker unter dem Stichwort „Die Alpenaneignung“ mit Bergen aus Pappe durch Köln ziehen - die Städter schleppen sich also buchstäblich mit einer Natur-Landschaft ab. Die Gruppen aus den Schweizer Dörfern bekommen im Gegenzug typisch städtische Verkleidungen, zum Beispiel ordentliche weiße Hemden und Business-Anzüge. Die Guggenmusiker des Ensembles Änteguugge, bewegen sich zusammen mit der Improvisationstheater-Gruppe „Friends of Horst!“ als vermeintlich normale Touristen durch die Domstadt. Sie möchten dabei mit den Passanten ins Gespräch kommen, indem sie nach den Sehenswürdigkeiten, der Geschichte und anderen Besonderheiten der Stadt fragen.
Seit der Gründung vor rund zwei Jahren durch Reto Stadelmann ist das Kunstorchester Kwaggawerk auf 42 Mitglieder angewachsen, die der Spaß an lauter und energiegeladener Musik verbindet. Das Wort „Kwagga“ ist eine Abwandlung des französischen Worts „Quagga“, das die Bezeichnung für eine ausgestorbene Tierart ist - einer Mischung aus Zebra und Pferd. „Wir wollten gerne einen Namen haben, der keine festgelegten Assoziationen hervorruft, sondern einen witzigen und neuen Begriff, der noch mit Bedeutung gefüllt werden kann - parallel zur Weiterentwicklung des Kwaggawerks“, erläutert der Gründer.
Die Veranstaltung „Entlebuch und ein halbes Zebra“, die im Rahmen des SommerKöln 2008 stattfindet, ist die erste größere Zusammenarbeit des Kwaggawerks mit anderen Musikern. Dahinter steht die Absicht, die spezielle Blasmusikkultur nach Köln zu bringen und in der Öffentlichkeit in einem künstlerischen Rahmen zu präsentierten. „In Zukunft würden wir gerne öfter mit anderen Künstlern zusammenarbeiten und gemeinsam kunstübergreifende Projekte entwickeln und ausstellen - zum Beispiel auf den Gebieten Film, Foto oder Mode“, wünscht sich Reto Stadelmann. Dabei gefällt ihm der Gedanke, die Präsentation so zu gestalten, dass sie den Leuten entgegenkommt und sie „dort abholt, wo sie sind“ - entgegen der oft elitären Haltung der zeitgenössischen Kunst, die sich eher abschotte vor der großen Masse.
Musiker, die vorgestellt werden möchten, wenden sich an den „Kölner Stadt-Anzeiger“, Ruf 2 24-23 23, E-Mail: KSTA-Stadtteile@mds.de,M Anschrift: Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln.
Information: Sternmarsch zum Rheingarten
Linktipp: Entlebuch und ein halbes Zebra
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
Anzeige
Rösrather
Nur wenige Tage:
40 % Neujahrsrabatte
Anzeige