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Neues Geschäftsidee

Na, so 'was, hier kommt die Kultur

Von Julia Hohenadel, 03.08.08, 17:48h

Eine Kneipe soll nach dem Willen seiner beiden Betreiber eine Schauspielstätte werden. Mit einem Balladenabend und dem Akteur Elmar Nettekoven ist die neue Veranstaltungsreihe am Lagerfeuer gestartet.

Balladenabend
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Schöngeistiges auch mal rustikal: Der Balladenabend mit Elmar Nettekoven fand am Lagerfeuer statt. Der Musiker, Dramaturg und Schauspieler nahm dabei die Zuhörer mit seinen Balladen gefangen. BILD: JKH
Balladenabend
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Schöngeistiges auch mal rustikal: Der Balladenabend mit Elmar Nettekoven fand am Lagerfeuer statt. Der Musiker, Dramaturg und Schauspieler nahm dabei die Zuhörer mit seinen Balladen gefangen. BILD: JKH
Kneipe „Na sowas“
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Die Kneipe „Na sowas“ sich als Kulturcafé etablieren. BILD: JKH
Kneipe „Na sowas“
Ruppichteroth - Elmar Nettekoven fängt sein Publikum ein:Die Ballade von den Heinzelmännchen sorgt für Lacher. Als der Schauspieler, Dramatiker und Musiker die Volksballade vom bettelarmen Kind vorträgt, das seine Mutter um Brot anfleht und doch noch vor der ersehnten Mahlzeit den Hungertod stirbt, macht sich betretenes Schweigen breit im Garten des Cafés „Na Sowas“. Die Geschichte von der hochmütigen Königin, die ihren Verehrer zur Belustigung in den Löwenkäfig schickt, um einen Handschuh zu holen, lässt die rund 50 Zuhörer gespannt den Atem anhalten.

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Das Ende überrascht: Der tapfere Ritter kehrt - mit der Trophäe in der Hand und ohne einen Kratzer - aus dem Zwinger zurück und schlägt stolz die Belohnung aus. Der Balladenabend mit Elmar Nettekoven, der bis 2007 am Berliner Ensemble tätig gewesen und zuvor viele Jahre am Bochumer Schauspielhaus gewirkt hat, geht auf eine neue Geschäftsidee der beiden Café-Betreiber Barbara Müller und Ralf Drittner zurück.

Denn in Zukunft planen sie für die kleine Gaststätte im Ortsteil Hambuchen große Veränderungen: Als Kulturcafé soll sich das denkmalgeschützte Gebäude, das bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Volksschule genutzt worden ist, bald etablieren. „Wir möchten das kulturelle Angebot in Ruppichteroth erweitern“, erklärt Inhaberin Barbara Müller. Bildende Kunst, Theater, Musik, Lesungen, Seminare - das alles soll dort künftig einen festen Platz haben.

Der Auftakt zum Imagewechsel ist getan: Neben einer Kunstausstellung mit dem Titel „Erotik in Bild und Form“ hat „Na Sowas“ mit dem Auftritt Elmar Nettekovens den ersten Kulturabend veranstaltet. Der Kontakt entstand durch Zufall: Der Bruder des gebürtigen Bölkumers machte mit einer Wandergruppe Rast in der kleinen Kneipe an der Landstraße 312. Die Café-Betreiber kamen mit dem Gast ins Gespräch und erwähnten ihren Plan vom Kulturprogramm - und die Idee zum Balladenabend war geboren. Elmar Nettekoven erklärte sich spontan bereit, in Ruppichteroth ein „Heimspiel“ zu geben - und sein Name lockt die Zuschauer schließlich so zahlreich in den kleinen Biergarten, das Barbara Müller und Ralf Drittner mit der Bestuhlung kaum noch nachkommen.

Vollkommen will das Duo den Ruf seiner kleinen Kneipe allerdings nicht umkrempeln - trotz des neuen Schwerpunktes auf Kultur- und Seminarveranstaltungen verstehen sich die Betreiber von „Na Sowas“ auch weiterhin als klassischer Anlaufpunkt für Motorradfahrer, Spaziergänger und Wanderer. „Ich liebe meine Jungs“, witzelt Barbara Müller in Anspielung auf ihre Stammkundschaft, die durchreisenden Biker.

Auch die Kulturabende verlaufen eher ländlich-rustikal als vergeistigt: Elmar Nettekovens Auftritt findet im Garten bei Lagerfeuer statt, die Gäste sitzen auf Bierbänken und Holzstühlen, serviert wird Kölsch. Wer friert, bekommt eine Wolldecke. Kultur zum Anfassen wünschen sich die Ideengeber des Konzeptes. Im alten Schulgebäude, in dem die Betreiber auch ihren Wohnsitz haben, sollen künftig Seminare ihren Platz finden. „Wir planen Vorträge über alles Mögliche, von Weinproben über Fotokurse und Malworkshops bis hin zu Feng-Shui-Seminaren“, kündigt Ralf Drittner an.

Mit dem neuen Konzept ist sich der 49 Jahre alte Drittner sicher, die passende Idee für seinen kleinen Betrieb gefunden zu haben. Der gebürtige Kölner kaufte die alte Schule 1989, fünf Jahre später stieg Barbara Müller mit ein. 2004 wurde aus dem früheren Pausensaal ein Raum für Cafégäste - „Na Sowas“ war geboren. Nun soll auch der alte Klassenraum nach mehr als 40 Jahren erstmals wieder Lernende beherbergen. Außergewöhnliche Ideen sollen Einheimische und Gäste künftig nach Hambuchen locken - als nächstes planen die Besitzer eine Kulturnacht im Mondschein. „Der Vollmond verschwindet in einer lauen Sommernacht hinter den Wolken, zu Harfenmusik“, schwärmt Ralf Drittner. Schöngeistiges, „Made in Ruppichteroth“. Auch für Motorradfahrer.



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