Von Wolfgang Rau, 05.08.08, 15:38h
Bereits im vorigen Jahr hatte die Universität bei ihm angeklopft, ob er, der in den 70er Jahren bei Joseph Beuys und Gerhard Richter in Düsseldorf studiert hatte, nicht in Salt Lake City lehren wolle. 25 000 Studenten können dort unter 125 Fächern auswählen, jährlich kommen alleine 200 Millionen Dollar an Sponsoren-Geldern zusammen. Latzke sah sich den Betrieb an, war begeistert. Die Greencard war kein Problem, der „Michelangelo der Eifel“ enterte den Lehrstuhl. Nun soll er dem Department Bedeutung verleihen, Sponsoren-Gelder an Land ziehen, Studenten ausbilden und der Universität ein weltweit einzigartiges Fresco erstellen, das ihren Ruhm noch mehrt.
Patentierte Technik
Latzke wäre nicht Latzke, wenn er nur diese eine „Baustelle“ hätte. Deshalb, und nicht nur wegen des „trockenen Klimas“ in Utah, weilte er kürzlich für einige Wochen in seiner Heimatstadt Euskirchen. Seit geraumer Zeit arbeitet der polyglotte Maler an einer neuen Technik, die er sich patentieren ließ. Latzke hat Tausende Fresken in aller Welt geschaffen, für Scheichs, Mercedes, Regierungen, Milliardäre. Dabei sind ungezählte Motive entstanden, fast immer aus einer heilen, längst vergangenen Welt. „Ich hänge halt an der alten, blöden Renaissance“.
Die Idee: Alle diese Motive wurden im Computer gespeichert. Mit dem Fresco-Master-System, einer speziellen Software, lassen sie sich beliebig kombinieren, zu einem neuen Kunstwerk zusammensetzen, einzigartig, original Latzke, aber dennoch individuell. Das Oeuvre lässt sich anschließend auf eine Kunstleinwand drucken. Derzeit maximale Größe: Fünf mal zehn Meter. Diese riesigen „Lappen“ wiederum lassen sich kombinieren, die Möglichkeiten sind unendlich.
Nun hat der Maestro nicht nur die „Demokratisierung der Königskunst“ (gemeint ist die Wandmalerei) vor Augen, sondern er will damit auch Geld verdienen. Fresco-Master-Partner will er haben. Zielgruppe sind wohlhabende Leute, meist deren Ehefrauen, die die Software für rund 2000 Euro erwerben und sich in der Kunst der digitalen Wandmalerei schulen lassen wollen.
Und weil er mit zunehmendem Alter verstärkten Drang in die alte Heimat verspürt, hat Latzke unlängst in Euskirchen die Fresco-Master-Academy gegründet.
Er baute das alte Säuglingsheim in der Saarstraße hinter dem einstigen Waisenhaus, in dem heute die Musikschule angesiedelt ist, zur Schulung der Fresco-Master um. Latzkes Eltern sind mittlerweile verstorben, doch das Künstlerehepaar hatte noch zehn weitere Kinder, von denen die meisten ebenfalls mit Kreativität ihr Geld verdienen. Mehrere dieser Geschwister Rainer Maria Latzkes werden als Ausbilder an der „Akademie“ tätig sein. Diejenigen „Schüler“, die das Freco-Master-Diplom erreicht haben, können sich danach selbstständig machen. Sämtliche im Software-Paket enthaltenen Motive können sie kreativ nutzen und sich zum Beispiel in den eigenen vier Wänden eine „Traumwelt“ errichten.
Für Latzke ist wichtig, dass es etwas „mit Euskirchen zu tun hat“, aber natürlich erhofft er sich „Partner“ aus ganz Europa. Er wird die Akademie leiten, die Verantwortung tragen, allerdings „nicht immer da sein“. Im Herbst soll es los gehen.
Heutzutage greift Latzke, wenn es um Großprojekte in aller Welt geht, nur noch selten zum Pinsel. Denn das wird „sehr, sehr teuer“. Er versteht sich als Dirigent, der das Orchester leitet. Er, Vater dreier erwachsener Kinder und seit fast 30 Jahren verheiratet mit Ehefrau Doris, einem „Euskirchener Mädchen“, ist ein Perfektionist: „Für Schlamperei gibt es keine Entschuldigung“.
Luxus im Schloss
Dennoch: Auch er war und ist vor Untiefen nicht gefeit. Bereits Ende der 80er Jahre besaß er ein eigenes Schloss in Belgien. 1990 feierte er pompös auf Chateau Thal seinen 40. Geburtstag. Der Mann besaß zwei Rolls Royce, hatte Bedienstete (Chauffeur, Butler, Gärtner - ein Mann, drei Uniformen). Geld spielte keine Rolle, er hatte alles erreicht. Doch danach die Krise. Latzke packte alles Wichtige in zwei Container, samt Familie siedelte man nach Malibu Beach in Kalifornien um. Zwei Jahre „lungerte“ er am Strand rum, schrieb seine Kindheitserinnerungen, spielte Schlagzeug in diversen Bands, unter anderem mit seinen Freunden, den Scorpions. Damals kamen auch die Gerüchte auf, er sei als Freund des österreichischen Malers Gottfried Hellnwein unter die Scientologen gegangen. Doch Latzke dementiert: „Ich laufe keinem Guru nach. Wenn überhaupt, dann bin ich selbst der Guru“.
Die Kalifornien-Episode war nach zwei Jahren beendet, Latzkes zogen an die Cote d'Azur, auch heute noch ist seine „Residenz“ in Monaco angesiedelt. Latzke hat viel Geld verdient, doch jetzt ist er auf der Suche nach seinen Wurzeln, Er braucht, so sagt er, „die Herausforderung, muss neue Probleme, neue Horizonte haben, sonst macht es keinen Spaß“.
Mit Freunden wie Mario Moranelli in der Euskirchener Pizzeria „Pinocchio“ einen Trinken zu gehen, ist die eine Seite. Doch durch das „Fresco-Master-System unsterblich“ zu werden und „die Wandmalerei revolutioniert“ zu haben, ist die andere Seite. Für Latzke ist das, was er gestaltet, alles andere als die gute alte Fototapete: „Malerei versucht, die Seele eines Motivs in allen Facetten zu erfassen.“ Der Professor freut sich auf seine Studenten.
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