Von Jan Sting, 08.08.08, 17:52h
„Das ist eine Schande, dass solch ein Geschäft schließen muss“, empört sich eine Kundin. Aber angesichts der Lage habe den Bastelladen auch keiner richtig wahrgenommen. „Das ist hier doch wie auf dem Friedhof“, stellt Frank Fleischer fest, der gegenüber der Post seinen Druckservice hat. Er sehe sich derzeit nach einem neuen Ladenlokal an der Fußgängerzone um. Auch Sonja Braun wünscht sich mehr Beachtung für ihren Jeansladen „timeless“ und hält ebenfalls Ausschau nach einem neuen Ladenlokal. Die Miete in der Grünen Ladenstraße sei zwar günstig. Aber die Option auf fünf Jahre wolle sie trotzdem nicht wahrnehmen.
Ein herber Rückschlag für die Geschäftsleute in der unteren Fußgängerzone dürfte zumal der Umzug der Postfiliale sein, der noch in diesem Jahr ansteht. Post-Pressesprecher Dieter Pietruck bestätigte, dass „wir Ende des Jahres eine neue Heimat finden.“ Vorgesehen sei eine neue Filiale im Kaufland-Komplex. Die Post war im April 2006 aus der Hauptstraße 23 ausgezogen. Das Gebäude wurde abgerissen und wich Kaufland. Die Ansiedlung der Post mit Postbank in der Grünen Ladenstraße sei nur ein Provisorium gewesen, erklärte Pietruck.
Dr. Volker Drechsler, Vorsitzender der Werbe- und Interessengemeinschaft (WIG), hält die Situation für „beängstigend“. Er fürchte, dass sich das Ladensterben in der unteren Fußgängerzone nach dem Wegzug der Post noch fortsetzen werde.
Beim Midnight-Shopping am Freitag, 22. August, wollen Drechsler und seine Vorstandskollegen im ehemaligen Ladenlokal der Stadttor-Apotheke einen Getränkestand einrichten. Wer Interesse an den Räumen habe, könne sich umsehen. Nichtsdestotrotz müsse ein Gesamtkonzept erstellt werden. Womöglich sei betreutes Wohnen eine Alternative. In den obereren Stockwerken der Ladenstraße liegen bereits Wohnungen.
„Wir bieten gerne unsere Hilfe an“, sagt Drechsler. Am Zug sei indes der Vermieter. Das ist die Treuda Immobiliengesellschaft, ein Tochterunternehmen der Rheinischen Treuhandstelle für Dauergrabpflege. Geschäftsführer Günter Bayer setzt seine Hoffnung angesichts der Leerstände in der Grünen Ladenstraße darauf, dass wieder zusammenhängende Einheiten entstehen, die für manchen Mieter womöglich attraktiver werden. Doch er bleibt skeptisch: „Der Markt ist verdammt schwierig“, sagt Bayer und verweist auf die derzeitige Situation von Hertie oder Sinn-Leffers. Da Immobilien nicht das Kerngeschäft der Treuda seien, bedeuteten die Leerstände nicht den Ruin. Allerdings: „Das war früher unsere beste Immobilie“, gibt Bayer zu bedenken.
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