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Mülheim

Wo Trüffelöl auf Currywurst trifft

Von Johanna Heckeley, 31.07.08, 22:38h

Sie ist nicht besonders groß und teilt deshalb das Los vieler, die leicht übersehen werden und im Schatten ihrer Umgebung stehen. Doch ein genauer Blick lohnt sich: Mülheim hat eine Menge zu bieten. Die Stadt feiert einen runden Geburtstag.

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Hoch hinaus geht es auf den Wasserturm mit dem Museum Aquarius.
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Hoch hinaus geht es auf den Wasserturm mit dem Museum Aquarius.
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Traditionelle Ausfahrt: mit der Weißen Flotte auf der Ruhr BILDER: ARTON KRASNIQI
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Gut erhaltene mittelalterliche Kulisse: Schloss Broich
Mülheim - MÜLHEIM - Ohnehin ist jetzt ein guter Zeitpunkt, der Stadt an der Ruhr mal einen Besuch abzustatten: Die Mülheimer feiern dieses Jahr das 200-jährige Bestehen ihrer Stadt mit einer Reihe großer Veranstaltungen. Übelgesinnte behaupten hämisch, das rotweiß gestreifte Jubiläumslogo weise auf die zahllosen Straßensperren in der Innenstadt hin - sie wird zurzeit kräftig renoviert.

Mülheim an der Ruhr - das ist im Zentrum momentan ein wenig wie Aschenputtel: die zukünftige Prinzessin ist erst in Ansätzen erkennbar. Aber drum herum gibt es Sehenswürdigkeiten, die es zu entdecken lohnt. Zuallererst der Fluss, der Mülheim zu dem machte, was es ist: Schon Mitte des 17. Jahrhunderts ließen sich die ersten Ledergerber im Ruhrtal nieder, die das Wasser des Flusses nicht nur für die Lederbearbeitung brauchten, sondern es auch zum Transport nutzten.

Damit war der Grundstein für die spätere Lederstadt Mülheim gelegt. Während der Industrialisierung nahm die Nachfrage nach Leder enorm zu - für die Sitzpolster in Eisenbahnzügen, Gepäckstücke und auch für Arbeitsschutzkleidung. Zu Hochzeiten arbeiteten hier 2100 Arbeiter in 52 Betrieben, damit war Mülheim die Lederstadt Nummer eins in Deutschland.

Heute gibt es nur noch wenige Lederfabriken in Mülheim, doch im Leder und Gerbermuseum, das in der backsteinernen, ehemaligen Produktionsstätte der Lederfabrik Abel untergebracht ist, ist die Vergangenheit buchstäblich greifbar: „Wir legen viel Wert darauf, dass wir Exponate zum Anfassen ausstellen. Bei uns steht der haptische Sinn im Vordergrund, der Besucher soll wortwörtlich be-greifen“, erklärt Melanie Rimpel, Leiterin des Museums, das Konzept. „Für Sehbehinderte haben wir daher zusätzlich alle Ausstellungsstücke in Braille- und Pyramidenschrift erläutert.“

Vom Museum aus sind es nur wenige Schritte bis zur Ruhr. An ihren Ufern kann man wunderbar Spaziergänge unternehmen. Gerade die „hinreißende Flusslandschaft“ ist es, die der Mülheimer Künstler Peter T. Schulz jedem Besucher Mülheims wärmstens empfiehlt: „Man muss kein Zen-Mönch sein, um sich hier nach zwei Stunden wie neu zu fühlen“, weiß der auch als „Petoschu“ bekannte Maler, Dichter und Fotograf.

Am Fluss entlang geht es angenehm zu Fuß zum „Wasserbahnhof“ - seinen Namen verdankt das Haus der Ruhrschiff-Anlegestelle. Schon alte Postkarten ziert die geschwungene Frontansicht mit der „Blumenuhr“, dem großen bepflanzten Zeitmesser davor. Die Schiffe der „Weißen Flotte“ bieten sich an, hier eine Ruhrrundfahrt zu starten und dabei das grüne Ruhrtal zu erkunden. Wer die Ruhr aufwärts bis zur Anlegestelle Witthausbusch fährt, findet nach einem kurzen Fußweg den gleichnamigen Park. Kinder werden den großen Spielplatz lieben, dazu ein Streichelgehege, in dem man Schafe und Ziegen füttern darf, ein Wildgehege und viele große Liege- und Spielwiesen.

Am Wasserbahnhof kann man bei „Franky's“ einkehren und sich bei gutem Wetter auf der Terrasse mit einer interessanten Spezialität stärken: „Franky's Special, das ist Spaghetti mit Trüffelöl und Currywurst - ein Hammer“, beschreibt Geschäftsführer Richard Reichenbach. „Erst mussten wir es den Leuten aufzwingen, aber wer es einmal gegessen hat, der will es immer wieder.“ Zur später Stunde eröffnet in der oberen Etage der „Cuba Club“, in dessen karibischem Flair man fruchtige Cocktails schlürfen und Zigarren paffen kann.

Wechsel auf die andere Ruhrseite

Ein Wechsel auf die andere Ruhrseite, vorbei an der Stadthalle, führt geradewegs in die „MüGa“, seit 1992 griffiges Kürzel für die damalige Landesgartenschau. Ein Gang durch den weitläufigen Park ist wie eine Zeitreise: Hier das mittelalterliche Schloss Broich, eine gut erhaltene Burgruine, Schauplatz für Konzerte, Theater oder auch Hochzeiten, nur einen Steinwurf entfernt der Ringlokschuppen, Zeuge der Industrialisierung und jetzt viel besuchtes Kulturzentrum mit Open-Air-Bühne, überragt vom zugehörigen Wasserturm, der seit der Gartenschau eine „Camera obscura“ beherbergt.

Von hier aus läuft man in einer guten Stunde zum „Aquarius“, einem weiteren ehemaligen Wasserturm, jetzt ein Museum rund um das kostbare Nass. Auf dem Weg gibt es zahlreiche Spielgeräte, die kleinen und großen Turnern die Strecke nicht lang werden lassen. „Im Wassermuseum Aquarius geht auch der Besucher den Weg des Wassers: Er fängt ganz oben im fast 50 Meter hohen Turm an und geht dann Etage für Etage wieder herunter“, erklärt Beate te Kloot vom Museum. „Auf den verschiedenen Ebenen des Wasserturms kann man sich interaktiv dem Wasser nähern und seine vielen unterschiedlichen Aspekte erkunden. Dazu erhalten alle Besucher beim Eingang eine Chipkarte, mit der sie bei jeder Station Punkte sammeln können. Zum Schluss drucken wir ihnen dann eine Urkunde aus.“

So können Groß und Klein vom sprechenden Globus etwas über interessante geographische Punkte erfahren, in der Aquasphäre audiovisuell in das Element Wasser eintauchen, sich den chemischen Aufbau des Wassers erklären lassen, auf dem Fahrrad virtuell an der Ruhr entlangfahren, einmal spielerisch ein Wasserwerk steuern oder erfahren, wie sich Verschmutzungen auf unser Trinkwasser auswirken. „Einen tollen Ausblick bietet die Panoramaebene ganz oben, hier sieht man das westliche Ruhrgebiet und bei gutem Wetter sogar Bottrop und Gelsenkirchen“, empfiehlt te Kloot.

Großartige Aussicht

Die Sicht von oben verdeutlicht auch, was für eine Bedeutung Mülheim mit seiner Lederindustrie und dem Kohlenhandel für die Region hatte und noch hat: Die Stadt an der Ruhr wurde so zum Standort für Unternehmen wie Stinnes, Thyssen, Mannesmann und die Friedrich Wilhelms-Hütte. Wenn man vom Turm aber herunterblickt, findet man direkt zu seinen Füßen das Schloss Styrum mit großer Parkwiese, auf der es sich schön picknicken lässt.

Wer lieber dem Shopping frönen möchte, findet im Rhein-Ruhr-Zentrum ein lohnendes Ziel: Die neudeutsch „Mall“ genannte Einkaufsmeile versammelt 200 Geschäfte, Dienstleister, Cafés, Kneipen und Restaurants unter einem Dach.

„Mülheim am Meer“, so heißt das Projekt des Theaters Mülheim an der Ruhr, das das Ensemble anlässlich des Stadtjubiläums präsentiert. Aus zuvor gesammelten Mülheimer Geschichten und Fotos wird ein „Labyrinth der Erinnerungen“; vor dem Hintergrund der vielen Aufzeichnungen beschäftigt sich das Ensemble darüber hinaus mit dem Thema „Erinnerung“. Daneben zeigt das Theater verschiedene Stücke aus seinem Repertoire, es gibt außerdem Konzerte und Kinofilme. Das besondere an den über die Stadtgrenzen hinaus beliebten „Weißen Nächten“: Sie finden unter freiem Himmel im Raffelberg statt, der Eintritt ist frei.



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