Von Tobias Peter, 04.08.08, 15:54h, aktualisiert 05.08.08, 08:01h
Vesper stärkte damit IOC-Präsident Jacques Rogge den Rücken, der sein Versprechen zurückgenommen hatte, Journalisten erhielten während der Sommerspiele freien und unzensierten Zugang zum Internet. Laut Rogge wird es jetzt nur noch einen „größtmöglichen“ Zugang geben – wobei die Führung in Peking bestimmt, was größtmöglich ist. „Wir betreiben nicht das chinesische Internet“, so Rogge. Vesper sagte weiter, natürlich gebe es „jetzt auch so etwas wie eine Nervosität im Zuge der Olympischen Spiele und auch zum Teil wird die Schraube wieder schärfer angezogen.“ Man müsse aber den langfristigen Prozess der Öffnung sehen, den die Olympischen Spiele bedeuteten.
Vespers Vergleich gesperrter Internetseiten in China und Deutschland rief große Empörung hervor – auch vonseiten der Grünen, deren Mitglied der frühere Bauminister des Landes Nordrhein-Westfalen ist. „Ich halte jede Gleichsetzung deutscher Verhältnisse mit chinesischen Verhältnissen für aberwitzig“, sagte der Kölner Bundestagsabgeordnete Volker Beck ksta.de. Es sei nicht im Mindesten vergleichbar, wenn in Deutschland gegen kinderpornographische oder volksverhetzende Seiten vorgegangen werde, in China aber Regime-Kritiker mundtot gemacht würden. Der grüne Fraktionsgeschäftsführer setzte hinzu: „Einige Sportfunktionäre des IOC, aber auch des Deutschen Olympischen Sportbundes haben angefangen, die Argumentation der chinesischen Staatführung zu übernehmen. Das ist teils eins zu eins chinesische Staatspropaganda.“ Beck betonte: „Solches Verhalten macht mich ratlos bis wütend.“
Vesper: Polemik aus der untersten Schublade
Michael Vesper dagegen erklärte auf Anfrage von ksta.de, er verstehe die Aufregung nicht - "das ist ein Sturm im Wasserglas." Vesper betonte, er habe lediglich darauf hingewiesen, dass es in allen Ländern der Welt Internet-Seiten gebe, die gesperrt oder vom Netz genommen werden. "Das ist eine Tatsache", sagte er. "Ich setze mich bei meiner Arbeit konsequent für Pressefreiheit und Recherchefreiheit ein - das ist für mich selbstverständlich", so der DOSB-Generalsekretär weiter. Vesper: "Ausgerechnet mir chinesische Staatspropaganda zu unterstellen, ist bloße Polemik aus der untersten Schublade."
Doch auch Journalisten-Organisationen zeigten sich verärgert über Vesper. Der Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbandes, Hendrik Zörner, nannte Vespers Äußerungen „politisch außerordentlich instinktlos“. Die Geschäftsführerin der deutschen Sektion von „Reporter ohne Grenzen“, Elke Schäfter, erklärte, Vesper habe zumindest recht damit, dass Journalisten Zugang zu allen wichtigen Informationen bräuchten. „Aber welche Informationen dies sind, müssen sie selbst entscheiden können – und nicht die chinesische Regierung.“
China rudert zurück: Interviews doch erlaubt
Kommentar - Vesper: Absurder Vergleich
wahr oder unwahr
06.08.2008 | 13.57 Uhr | juenger
Ist denn die Aussage von Vesper unwahr? Oder liegt das Falsche - und damit die auch Aufregung - in den Interpretationen des Gesagten? Eva Hermann…
Meint er das wirklich?
05.08.2008 | 10.27 Uhr | PeterCologne
Wenn Herr Vesper sagt, dass die Journalisten Zugang zu allen wichtigen Internetseiten bekommen müssten, gleichzeitig aber duldet, dass China Seiten…
Zensur? Natürlich!
05.08.2008 | 09.51 Uhr | Dave
Aber natürlich werden wir hier in Deutschland zensiert!
Auch dürfen wir hier nicht alles sagen, was wir denken.
Über manche Themen darf hier nicht…
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