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Gerd Ruge wird 80

„Neugierig, nicht rastlos“

Von Tilmann P. Gangloff, 08.08.08, 15:41h, aktualisiert 08.08.08, 21:28h

Gerd Ruge reist seit fast 60 Jahren schier unermüdlich durch die Weltgeschichte. Doch entgegen seines aufreibenden Berufs: Er ist kein rasender Reporter, sondern ein ruhiger. Und dieser Stil ist in seinen Filmen erkennbar. Ein Porträt.

Gerd Ruge
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Gerd Ruge ist einer der bekanntesten WDR- und ARD - Journalisten. (Bild: dpa)
Gerd Ruge
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Gerd Ruge ist einer der bekanntesten WDR- und ARD - Journalisten. (Bild: dpa)
Zwei Markenzeichen prägen seine Arbeit: die klare Analyse und sein Nuscheln.

Einer wie er würde beim Fernsehen heute nicht mal das erste Vorstellungsgespräch überstehen: Gerd Ruge nuschelt mitunter derart, dass man ihn kaum versteht. Aber er nuschelt mit Charakter. Achtzig Jahre wird er am heutigen Samstag alt, und wer ihn bloß flüchtig kennt, wird ihn für einen rastlosen Zeitgenossen halten: Ruge ist immer noch unterwegs.

Er machte jedoch nie den Eindruck, als würde er davonlaufen, obwohl es wahrscheinlich kein anderer Auslandskorrespondent auf eine derart imposante Anzahl an Stationen gebracht hat. Es sei, sagt er selbst, schlicht die Neugier, die ihn antreibe, „das Interesse zu sehen, was in einem Land passiert“.

Auch wenn es angesichts seiner kaum überschaubaren Anzahl an Begegnungen mit Politikern und einfachen Menschen absurd anmutet: Selbst nach sechzig Jahren Berufserfahrung hat Ruge eine gewisse Zurückhaltung im persönlichen Umgang nicht ablegen können.

Für WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn ist Ruge „gerade deshalb nicht nur Vorbild für seine eigene Generation, sondern auch für unsere jungen Reporter und Korrespondenten. Ich kenne keinen, der so offen und unvoreingenommen auf Menschen zugehen kann wie er“. Diese Haltung dürfte zudem Ruges Popularität erklären: Der Erfolg ist ihm nie zu Kopf gestiegen.

Seine Reisereportagen, die das „Erste“ auch nach seiner Pensionierung in schöner Regelmäßigkeit wenigstens einmal pro Jahr ausstrahlt, erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Ein zweites Erfolgsgeheimnis beschreibt WDR-Kollege Fritz Pleitgen, der mit Ruge die Begeisterung für das Reisen teilt: „Er lässt sich nie und nirgends aufhalten, weder durch Zensur noch durch Krieg oder Bürokratie.“

Lehrstücke der Reportage nennt Pleitgen Ruges Berichte über den Vietnamkrieg, die Ermordung von Martin Luther King und Robert Kennedy oder den Putsch in Moskau, den er 1991 aus dem Stegreif kommentierte: „Im Erfassen der Situation, in der Beschreibung des Vorganges, mag er noch so unübersichtlich erscheinen, und in der Deutung für die Zukunft ist Gerd Ruge unerreicht“.

Der Jubilar formuliert sein Erfolgsrezept in erwarteter Bescheidenheit: „Man muss die Bilder so lange stehen lassen, dass der Zuschauer ein Gefühl bekommt für das, was er sieht.“ Gefühle sind ein gutes Stichwort: Nicht eine Sekunde lang hatte man je den Eindruck, Ruge verstehe seine Arbeit bloß als Job, selbst wenn die Achtzigerjahre als Leiter von „Monitor“ oder Chefredakteur des WDR zum Teil eher Pflicht als Kür waren: „Das musste gemacht werden.“ Die Reportagen seit 1993 sind zudem geprägt von einer sympathischen Mischung aus Gelassenheit und Erfahrung. „Ich sammle Menschen und Geschichten. Erzähle, was ist und was sich verändert. Mehr soll man nicht von mir erwarten.“ Pleitgen wünscht ihm noch viele schöne Filme, schließlich sei achtzig kein Alter für Ruge: „»Weiße Haare im Bart, aber den Teufel noch in den Rippen«, wie die Russen sagen“.



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