Schriftgröße

Anti-Islamisierungskongress

Blockadetraining am Dom

Von Tim Stinauer, 10.08.08, 08:57h, aktualisiert 10.08.08, 17:11h

Ein breites Bündnis will im September mit kreativen Aktionen gegen den „Anti-Islamisierungskongress” von Pro Köln demonstrieren. 40 Jugendlich trainierten dafür am Samstag vor dem Kölner Dom verschiedene Techniken von Sitzblockade bis hin zu Tanz. Die Polizei hielt sich zurück.

Blockade-Training
Bild vergrößern
Blockade-Training auf der Domplatte (Bild: Worring)
Blockade-Training
Bild verkleinern
Blockade-Training auf der Domplatte (Bild: Worring)
Innenstadt - Ziviler Ungehorsam will gelernt sein - und muss gut geübt werden. Aus diesem Grund haben sich 40 zumeist Jugendliche am Samstagmittag auf der Domplatte zu einem öffentlichen „Blockadetraining“ verabredet. Die Sonne scheint, ein leichter Wind geht, die äußeren Bedingungen sind optimal. Die Gruppe will Techniken proben wie Hinsetzen, Sitzen-bleiben, Sich-weg-tragen-lassen, Verknoten, Aufstehen, Stehen-bleiben, Sich-durch-geschlossene-Polizeiketten-schlängeln und „Durcheinanderwuseln“. Zu dem Training hat die Antifa eingeladen. Die Veranstaltung ist ordnungsgemäß bei der Polizei angemeldet. Ein Motorradpolizist beobachtet das friedliche Treiben aus einiger Entfernung.

Sara Zavaree vom „Bündnis gegen Pro Köln“ ruft den Jugendlichen zu: „Setzt euch mal hin und bildet einen Block.“ Rücken an Rücken lassen sich je zwei Jugendliche in einer langen Reihe nebeneinander nieder und haken sich unter. „Super!“, lobt Zavaree. „Das ist die effektivste Methode, eine Straße zu blockieren. Da sieht die Polizei ein, dass sie keine Chance hat.“

Sitzblockade auf Hauptverkehrsstraßen

Nichts soll offenbar dem Zufall überlassen werden, wenn Rechtspopulisten in sechs Wochen in Köln ihren „Anti-Islamisierungskongress“ abhalten wollen. Zu der umstrittenen Veranstaltung der vom Verfassungsschutz unter dem Verdacht des Rechtsextremismus beobachteten Organisation Pro Köln werden nach deren Angaben unter anderem Vertreter vom Front National (Frankreich), der FPÖ (Österreich), der Lega Nord (Italien) und von Vlaams Belang (Beglien) als Redner erwartet. „Wir werden notfalls Hauptverkehrsstraßen mit Sitzblockaden sperren, um das Treffen zu verhindern“, sagt Reiner Schmidt vom „Bündnis gegen Pro Köln“. Mit 4000 bis 5000 Aktivisten aus ganz Europa rechne man im September, sagt Sara Zavaree, die auch beim Protest gegen den G8-Gipfel voriges Jahr Heiligendamm dabei war: „Alle Zufahrtsstraßen nach Köln müssen dicht sein.“

Es könnte aber sein, dass die Polizei etwas dagegen hat. Deswegen probt Zavaree mit ihren Schützlingen als nächstes das „Päckchen“, und das geht so: hinsetzen, Füße anziehen und die Arme um die Knie schlingen. „Sobald die Polizisten euch wegtragen wollen, verlagert ihr den Schwerpunkt in die Mitte eures Körpers und macht euch ganz schwer.“ Die Jugendlichen machen es ihr nach. Drei mimen Polizisten und tragen die „Päckchen“ weg. Schaulustige bleiben stehen, darunter auch die etwa zehn Teilnehmer eines Junggesellenabschieds in weißen T-Shirts. „Das ist ja wohl die Revolution in ganz großem Stil, die ihr hier probt. Respekt!“, ruft einer und reckt lachend seine Bierflasche in die Luft.

Aber die Gruppe um Zavaree lässt sich nicht provozieren - im Gegenteil. Die 25-Jährige animiert die Zuschauer zum Mitmachen. „Kommt alle her, macht mit, das tut nicht weh.“ Jedenfalls nicht hier und heute. Die Stimmung ist prächtig, es wird ein bisschen geschubst und viel gelacht. „Manche haben ja auch ein bisschen Scheu hier vor so vielen Menschen“, sagt Zavaree.

Als nächstes steht die „Wuselblockade“ auf dem Programm. Wieder spielen ein paar die Polizisten. Sie stellen sich nebeneinander auf, versuchen, die Demonstranten am Weitergehen zu hindern. „Lauft langsam auf die Polizeikette zu“, ruft Zavaree. „Tanzt und wuselt! Schlängelt euch irgendwie durch!“

Nach knapp einer Stunde ist das Training beendet. Normalerweise dauere das acht Stunden und finde drinnen statt, erklärt Zavaree. Die öffentliche Showeinlage vor dem Dom sollte nur Lust machen auf mehr. „Wir bieten die Trainings in den nächsten Wochen flächendeckend an.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige


Umfrage

Mehr autofreie Zonen für Köln?
Der Platz vor der Eigelsteintorburg ist schon autofrei, nun soll der Chlodwigplatz folgen. Auch für den Neumarkt schlägt der Masterplan vor, eine Seite für den Verkehr zu sperren. Ist das sinnvoll?


Special


Anzeige




Modisch aufgefallen


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Offene Schulen


Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Aktuelle Verkehrsinfos


Service


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste