Von Martin Bochynek, 12.08.08, 18:21h
Schon der frühere Direktor Veit Loers öffnete das Haus manchmal wüst, aber doch konsequent nach allen Seiten. Krude Sammlerpräsentationen wechselten mit quicken Überblicken über die jüngste Szene und solide aufbereiteten Ausstellungen. Mit unkonventionellen Mitteln wuchs die Sammlung ohne bemerkenswerten Ankaufsetat selbst durch umfassende Schenkungen von Künstlerseite.
Keine gähnende Leere
Es herrscht also keineswegs gähnende Leere, nachdem die großen Sammler der 70er und 80er Jahre (neben Marx auch Reinhard Onnasch) ihre Werke abgezogen haben. Mit Polkes Biennale-Zyklus von 1986, Richters Serie grauer Bilder, Fontanas Bronzekugeln, mit Broodthaers, Buren, Matta-Clark, Weiner, Warhol, Rückriem, Palermo, Kippenberger ist man vorzüglich bestückt, weil sich die Museumspolitik in Bezug auf Ausstellungen und Sammlung eigentlich seit der ruhmreichen Zeit eines Johannes Cladders kaum verändert hat.
Auch Susanne Titz, die seit 2004 Direktorin in Mönchengladbach ist, orientiert sich stark an der Kunst der Gegenwart. Heute das Profil zu schärfen ist jedoch ungleich schwieriger als noch vor dreißig Jahren, als zeitgenössische Kunst noch ein relatives Randgruppenphänomen war. Und das Rheinland ist längst nicht mehr „Artpole of the World“. Die quantitativ sehr stark gewachsene Kunstszene, gepaart mit einer globalen Ausdehnung des Marktes, macht es nicht nur schwerer, allein den Überblick zu wahren, sondern auch sehr viel riskanter, eine gute Trefferquote in Sachen Qualität zu erzielen. Nicht zu reden von einem beschleunigten Pluralismus der Meinungen und Überzeugungen, die bisweilen auch noch schneller gewechselt werden, als sie entstehen. Um in dieser Situation ein Museumsprofil zu schärfen, auszubauen und auch noch überzeugend darzustellen, benötigt man mindestens eine deutliche Haltung, ein sicheres Gespür für das Außergewöhnliche und am besten auch verlässliche Berater. Wenn man dann auch noch zum richtigen Zeitpunkt immer wieder exakt die richtige Entscheidung trifft, haben wir die eierlegende Wollmilchsau, für die jede Kommune der Welt sofort eine Lebensstellung bereithalten würde. Bekanntlich gibt es sie nicht.
Klassischer Bildungsauftrag
Auf Mönchengladbach bezogen heißt das: Die glänzende Vorreiterrolle von einst kann das Abteibergmuseum heute gar nicht mehr ausfüllen. Deshalb besinnt sich Susanne Titz auf das Mögliche und auf den klassischen Bildungsauftrag des Museums. Allerdings ist das Haus zu jung, um substanziell aus dem reichen Füllhorn der Geschichte arbeiten zu können. Im Abteibergmuseum kann man sich nicht wegen der unerhörten Vielfalt der Bestände verlaufen oder verlieren, sondern eher, weil der Architekt Hans Hollein das Haus Anfang der 80er Jahre offen, vielschichtig, transparent, verspielt strukturiert hat. Hier will die Architektur auch Kunstwerk sein und erschwert dadurch die Präsenz der Artefakte und die Orientierung im Raum.
So führt geradezu zwangsläufig die Architektur zu einem weiteren Schwerpunkt in der musealen Strategie: dem Augenmerk auf das künstlerische Raumkonzept. Mike Kelleys „Confusion“ ist so ein schlüssiges Werk, das sich seiner Herberge verweigert. Daniel Buren wäre als Altmeister des ortsbezogenen Werks zu nennen. Aber den solidesten Antikörper liefert ein Lokalmatador mit internationaler Agenda: Gregor Schneider hat hier zwei Räume von spezifischer Beklemmung eingerichtet, die demnächst wieder eine Anverwandlung durch einen temporären Anbau erfahren.
Der Künstler aus Rheydt wird im Herbst vorübergehend einen zusätzlichen, rund 14 Metern hohen Eingang für das Museum bauen, der als dunkler Schacht direkt zu seinen Werken im Museum führen wird. Vielleicht ist das nützlich, dem Museum wieder zu einem Image als Ort für das Außergewöhnliche zu verhelfen.
Museum am Abteiberg, Mönchengladbach. Die aktuelle Ausstellung von Joanne Greenbaum („Painting“) läuft bis 24. August, Di.-So. 10-18 Uhr. Katalog 35 Euro.
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