Von Damian Zimmermann, 13.08.08, 18:53h, aktualisiert 13.08.08, 18:53h
Mit einer 8-x-10-Großformatkamera hat Harper Langzeit- und Mehrfachbelichtungen vom Mond und den Sternen gemacht. Teilweise wurde ein einziger Filmabschnitt Wochen und Monate belichtet, so dass der Betrachter nicht nur Lichtpunkte, sondern -bahnen zu sehen bekommt, die sich seinem Auge und seinem natürlichen Blick ansonsten verschließen.
Auf einer weiteren Ebene widerlegt Harper mit ihren extremen Langzeitbelichtungen die Behauptung, die Fotografie stelle bloß das Sichtbare dar - und stellt gleichzeitig neue Fragen nach der Verwendung und dem Umgang mit Fotografie: Geht man in der bildenden Kunst meist von der Sichtweise des Künstlers und des Betrachters aus, kommt in der Fotografie eben noch die ganz besondere Sichtweise der Kamera hinzu, die ebenfalls berücksichtigt werden muss, da sie manchmal einfach mehr sehen kann als der Mensch (Preise 3650 bis 6500 Euro).
Andere Sichtweisen präsentiert auch die Galerie Priska Pasquer mit ihrer Gruppenausstellung japanischer Fotografen wie Daido Moriyama, Nobuyoshi Araki, Issei Suda, Asako Narahashi und dem Shootingstar Rinko Kawauchi. Damit gibt die Galerie einen ersten wirklichen Überblick über das eigene Programm zur japanischen Fotografie, die Priska Pasquer bereits seit der Gründung in regelmäßigen Einzelausstellungen zeigt - und mit denen sie ihr gutes Gespür beweist. Zu erwähnen sei allein die Ausstellung von Rinko Kawauchi vor zwei Jahren, deren Rückansicht eines Kindes den Katalog der Internationalen Photoszene Köln zierte und das gleichzeitig Titelbild der diesjährigen Messe Paris Photo sein wird. In ihrer Heimat gehört die 36-Jährige mittlerweile zu den wichtigsten Künstlern ihrer Generation - auch oder vor allem wegen ihrer zahlreichen Fotobücher, die längst zu beliebten Sammlerobjekten geworden sind. Im Westen wurde sie durch die Unterstützung des britischen Fotografen und Sammlers Martin Parr bekannt und öffnete dadurch gleichzeitig erst den Markt für die japanische Fotokunst der Gegenwart.
Längst bekannt ist hingegen Araki, dem wegen seiner zahlreichen Aufnahmen von Prostituierten und gefesselten Frauen in Europa aber ein gewisses Schmuddel-Image anhaftet. Der 1938 geborene Moriyama hat hingegen erst in den vergangenen Jahren Bekanntheit erreicht. „Als wir ihn 2001 ausgestellt haben, hat sich noch niemand für die Bilder interessiert“, erinnert sich Ferdinand Brüggemann, bei Pasquer für japanische Fotografie zuständiger Experte. Vor einem Jahr widmete ihm die Kölner SK-Stiftung Kultur bereits eine große Einzelausstellung.
Ebenfalls mit Asien beschäftigt sich zurzeit die Designer's Gallery in der Südstadt. Unter dem Motto „East meets West“ zeigt Inhaberin Gabrielle Ammann Arbeiten von meist asiatischen Künstlern, die nach westlichen Kriterien schwer in Schubladen zu stecken sind. Zaha Hadids drei Meter lange „Moraine“ ist per se ein Kunstwerk, das mit seinem kardinalroten Ponyfellbezug jedoch auch zum gemütlichen Liegen einlädt. Weniger gemütlich, dafür aber sehr ausgefallen ist der „Flower Offering Chair“ aus Keramik des Inders Satyendra Pakhalé, in dem zwei Blumenvasen integriert sind. Und majestätisch-kühl wirken die vier Edelstahl-Felsbrocken „Rock off“ von Zhan Wang, die als Hocker oder Beistelltische genutzt werden könnten - wären sie nicht auf acht Exemplare limitiert und würden sie nicht 210 000 Euro kosten.
„Wir verstehen uns seit jeher als Schnittstelle für Architektur, Design und Kunst“, erklärt Ammann. Dennoch brauchte es seine Zeit, um auch tatsächlich als eine solche wahrgenommen zu werden: In diesem Jahr war die Galerie auf der Art Cologne und damit zum ersten Mal überhaupt auf einer reinen Kunstmesse vertreten. Ansonsten findet man die Objekte auf Designmessen, wo sie allerdings ein wenig deplatziert wirken können - schließlich sollte man nicht alles, was nach einem Stuhl oder Sessel aussieht,
wirklich als einen solchen benutzen. „Use on your own risk“, sagt Ammann den Kunden im Zweifelsfall immer - oder verbietet es ihnen ganz. Dieser etwas unsichere Umgang des Westens mit dieser Art von Kunst hat dann auch zur Kreation des etwas umständlichen Hilfsbegriffs „Designart“ geführt. Aber selbst dies dürfte vor allem bloß eine weitere Schublade sein, die der Westen dringend braucht, um mit diesem Phänomen besser umgehen und ihm den entsprechenden Stellenwert einräumen zu können (Preise 8000 bis 210 000 Euro).
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