Von Tobias Kaufmann, 12.08.08, 11:40h, aktualisiert 12.08.08, 14:16h
Für diese Gerüchte führen die Kritiker Teherans allerlei Indizien an. So zum Beispiel die Tatsache, dass es seit Gründung der islamischen Republik Iran keinerlei Wettkämpfe zwischen iranischen und israelischen Sportlern gab, weil der Iran dies als eine Quasi-Anerkennung des "zionistischen Regimes" ablehnt. Selbst iranische oder lediglich iranisch-stämmige Fußballer wie vor einiger Zeit der deutsche Junioren-Nationalspieler Ashkan Dejagah werden angesichts eines israelischen Gegners urplötzlich malade.
Parallele zu Olympia 2004
Gerne wird auch auf Olympia 2004 in Athen verwiesen. Damals überschritt der Weltklasse-Judoka Arash Miresmaeili, Fahnenträger seines Teams beim Einmarsch der Athleten, beim Wiegen das Gewichtslimit. Ausgerechnet vor dem Kampf gegen den zweitklassigen Israeli Ehud Vaks. Für dieses peinliche Versagen, das einem Spitzenathleten bei Olympia nie und nimmer passieren darf, wurde Miresmaeili aber nicht etwa kritisiert, sondern geehrt: Er erhielt im Iran dieselbe Prämie, die er für Olympisches Gold kassiert hätte.
Und nun Alirezaei, der nach hartem Training eigens zum Schwimmen nach Peking geflogen war, um dort dann nicht zu schwimmen. Das alles riecht aus Sicht der notorischen Teheran-Gegner nach Foul. Denn der systematische sportliche Boykott eines anderen Landes verstößt eindeutig gegen den olympischen Geist und alle Regeln des sportlichen Wettbewerbs - es gibt schließlich eine Menge Länder und Personen, gegen die man aus diesen oder jenen Gründen eigentlich nicht antreten müssen möchte. Zum Beispiel, weil sie besser sind.
Ein derart krasser Verstoß gegen die Regeln des Sports müsste nach den Regeln des Sports zu Konsequenzen führen. Etwa jener Konsequenz, dass das Olympische Komitee des Iran aus dem Weltverband fliegt, so wie andere nationale Verbände vor ihm, die nicht regierungsunabhängig handeln.
Aber all diese Gedanken sind ja glücklicherweise hinfällig, weil sie auf nichts anderem als anti-iranischen Gerüchten bestimmter Kreise beruhen. Der Schwimmer Mohammed Alirezaei hat seinen Wettkampf nicht aus politischen Gründen absagen müssen. Ihm war unwohl. Diese Darstellung hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) offiziell akzeptiert. Schließlich habe der Sportler sie schriftlich „bestätigt“. Für alle Iran-Feinde nochmal zum Mitschreiben: Der Verdächtige hat den Verdacht selbst ausgeräumt. Was wollen sie denn noch?
Man könnte jetzt einwenden, dass ein Prozedere, bei dem ein Verdächtigter den Verdacht durch Leugnen hinfällig machen kann, in anderen Fällen eher hinderlich wäre – sagen wir: im Kampf gegen Doping. Aber das wäre gemein. Die plötzliche Krankheit des iranischen Schwimmers ist nichts weiter als ein persönliches Drama, über das zu spotten sich verbietet. Das wiederholte Nicht-Antreten iranischer Sportler gegen Israelis ist eine tragische Verkettung unglücklicher Zufälle. Gut, dass wir das klären konnten.
gladbach - wolfsburg
13.08.2008 | 15.38 Uhr | Roland70
Ich freu mich schon auf dieses Spiel. Ich weiß, Herr Kaufmann ist FC-Fan (ich ja auch), aber ich bin schon sehr gespannt, wie's läuft, wenn Herr…
Das ständige Pech des Iran
13.08.2008 | 08.04 Uhr | ayla67a
Wen wunderts?? Solche Regime werden nicht müde, Ihr schräges Denken auch durch noch schrägeres Handeln zu bestätigen. In jedem diktatorisch geführten…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige

Frankfurter Rundschau
Tarifstreit: Umfrage stützt VerdiBundeswehr: Soldaten werden erniedrigt

EXPRESS
War das gestellt? - Mietkoch pinkelt in Kaffeetasse des GastgebersMit Video! - Soldo: Wenn nichts passiert, ist Podolski im Kader

Spiegel Online
Bundesgerichtshof: Namen der Sedlmayr-Mörder dürfen im Netz bleibenUkrainische Wahlverliererin Timoschenko: Präsidentin im Konjunktiv