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Fahrradklau Köln

73 verschwundene Räder pro Tag

Von Thorsten Moeck, 18.08.08, 19:17h, aktualisiert 18.08.08, 22:19h

Rund 9.000 Räder sind 2007 als gestohlen gemeldet worden. Nach Schätzungen der Polizei wird jedoch nur jeder dritte Diebstahl angezeigt. Auf Flohmärkten suchen die Beamten gezielt nach gestohlenen Fahrrädern und verteilen Pässe. Auch eine Liste verdächtiger Personen wurde bereits angelegt.

Fahrraddiebstahl Köln
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Eine Beamtin sucht die Rahmennummer eines Fahrrads. (Bild: Krasniqi)
Fahrraddiebstahl Köln
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Eine Beamtin sucht die Rahmennummer eines Fahrrads. (Bild: Krasniqi)
Köln - Seine „Hitliste“ trägt Kommissar Hermann-Josef Schmitz in einer schwarzen Mappe unter dem Arm. Das Dossier besteht aus Namen und Fotos verdächtiger Personen. Wie es bei Razzien üblich ist, haben er und seine Kollegen ihren Zivilwagen in einer Seitenstraße abgestellt. Jetzt schlendern sie unauffällig über den Severinskirchplatz in der Südstadt und mustern die Händler und ihre Ware. Sie brauchen kein Spezialeinsatzkommando zur Unterstützung, schließlich jagen die Beamten keine Drogenhändler oder Waffenschmuggler, sondern Fahrraddiebe.

Die Polizei hat in den vergangenen Wochen bei zahlreichen Fahrradflohmärkten Präsenz gezeigt und die Ware der Händler buchstäblich auf den Kopf gestellt. Denn nur wenn die Räder umgedreht sind, lässt sich die unterhalb des Tretlagers eingestanzte Rahmennummer ablesen. Per Handy werden die Nummern aller Räder an die Leitstelle übermittelt und mit der Liste der gestohlenen Räder abgeglichen. Den ersten Treffer landen die Beamten bei einem Händler aus dem Bergischen. Er bietet ein grünes Damenrad für 110 Euro an. Minuten später beseitigt er frustriert das Preisschild und gibt seine Personalien preis. Denn bei dem Rad handelt es sich um Diebesgut.

Neulich hat die Polizei bei einem Händler gleich elf gestohlene Räder beschlagnahmt. Es sind die vermeintlich kleinen Straftaten wie Fahrraddiebstähle, die der Polizei ein wenig die Kriminalitätsstatistik verhagelt haben. Rund 9.000 Räder sind im vergangenen Jahr als gestohlen gemeldet worden, ein Anstieg von fünf Prozent. Schmitz geht davon aus, dass die Zahl der Diebstähle wesentlich höher liegt, weil schätzungsweise nur jeder dritte Diebstahl angezeigt werde. „Wir können Diebstähle natürlich nicht verhindern, aber wir wollen dazu beitragen, es den Dieben so schwer wie möglich zu machen“, sagt Frank Hoever, Leiter des Kriminalkommissariats 5. Derzeit verteilt die Polizei massenhaft Fahrradpässe, in denen die Rahmennummer notiert wird. Nur wenn die Nummer bekannt ist, lassen sich gestohlene Räder auch identifizieren.

Jedes Jahr werden in Köln rund 1500 Räder sichergestellt, die keinem Besitzer zugeordnet werden können. Irgendwann werden diese Räder dann versteigert. Bei der Jagd nach Fahrraddieben begibt sich die Polizei auf ungewohntes Terrain. Auf Telefonüberwachungen und ähnliche Methoden müssen die Ermittler verzichten - bei den Raddieben handelt es sich nicht um Mitglieder krimineller Banden, die im Auftrag eines skrupellosen Fahrradbarons auf Diebestour geschickt werden. Zum Täterkreis gehören in erster Linie Junkies.

Viele Gelegenheitsdiebe

„Die Drogenabhängigen wollen schnell an Geld gelangen. Die denken nur daran, wie sie den nächsten Schuss bezahlen können“, sagt Schmitz. Auffällig sei darüber hinaus die große Zahl von Gelegenheitsdieben, die am Wochenende nach einem Kneipenbummel möglichst schnell nach Hause wollen. „Viele Räder werden nur deshalb gestohlen, weil sie schlecht gesichert sind. Es gibt eine gewisse Grundnaivität, was die Sicherheit von Fahrradschlössern angeht“, hat Hoever festgestellt. Oft werde ein kleines Vermögen für ein Fahrrad ausgegeben, an einem vernünftigen Schloss werde dafür dann gespart.

Bei der Wahl ihrer Ermittlungsstrategien setzt die Polizei auf Grundlagenarbeit. Zeitungsannoncen und Internetauktionen werden nach Diebesware durchforstet. Und die Polizei besucht Fahrradflohmärkte und Geschäfte von Gebrauchtradhändlern. „Diese Kontrollen habe ich jahrelang vermisst. Es wäre gut, wenn ertappte Händler nicht mehr auf Märkten stehen dürften“, sagt ein Rad-Anbieter aus Rösrath. Er wird die Beamten in Zukunft wohl noch öfters zu Gesicht bekommen.

Zur Sicherung von Fahrrädern empfiehlt die Polizei massive Bügel- oder Panzerkabelschlösser. Ungeeignet seien Speichenschlösser, weil das Rad weggetragen werden könne. Auch dünne Spiralschlösser seien riskant, denn diese seien einfach zu durchtrennen. Die Rahmennummer sollte in einem Fahrradpass notiert werden. Die Nummer befindet sich am Lenkerkopf, am Rahmensitzrohr unterhalb des Sattels, auf der Unterseite des Tretlagers oder auf der Gepäckträgerplatte. Als Eigentumsnachweis gilt jedoch nur der Kaufbeleg des Rades. Fahrräder können auch codiert werden. Die Codierung enthält Kraftfahrzeugkennzeichen, Gemeindeschlüssel, Straßenschlüssel, Hausnummer und Initialen. Die Codierung führt zur Wohnanschrift des Besitzers. Im Fachhandel kann zudem eine individuelle Kennzeichnung in den Rahmen eingestanzt werden. Gestohlene Räder sollen auf jeden Fall bei der Polizei angezeigt werden. Nur so sei es möglich, Diebstahl-Brennpunkte zu identifizieren. Der Verlust eines Fahrrads kann auch per Internet angezeigt werden.



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