Von Susanne Neumann, 22.08.08, 17:39h
„Frauen, die bei uns das Sportabzeichen ablegen, können zum Laufen einen BH anziehen“, räumt der Sportabzeichen-Beauftragte des
MEIN VEREIN
Vereins ein. Er will seinen Namen nicht veröffentlicht sehen. Schließlich sei er beruflich im „höheren Dienst“. Zwar habe er schon mal „Untergebene“ oder auch Vorgesetzte auf dem Vereinsgelände getroffen, dessen sämtliche Einrichtungen auch Nicht-Mitglieder nutzen dürfen. „Aber da wurde nicht drüber geredet.“ Überhaupt sei Diskretion das höchste Gebot. „Hier kommen auch Leute baden, die man aus dem Fernsehen kennt.“
„Unangezogen erkennt man die Leute manchmal gar nicht“, lacht Mitglied Theo Bungert. Er ist seit 25 Jahren im FSB und hat in dieser Zeit schon einige Bekannte hier angetroffen, die nur zu Besuch in das Strandbad kamen. Peinlich sei ihm das aber nicht. „Da stutzt man höchstens mal.“ Schon als junger Mann habe er die Erfahrung gemacht, dass es angenehmer sei, ohne Bekleidung zu schwimmen, erzählt der heute 50-jährige Familienvater. Und er habe die ruhige Atmosphäre an ausgewiesenen FKK-Stränden schätzen gelernt. „Man hat das Gefühl, man bewegt sich auf einem anderen Niveau“, fasst er seine Eindrücke unter Gleichgesinnten zusammen. „Man bekommt schnell Kontakt und niemand pöbelt rum.“
Keine Angeberei
„Diese spezielle Angeberei männlicher Jugendlicher findet hier nicht statt“, wird der Sportabzeichen-Beauftragte deutlich. Tatsächlich sieht man an diesem warmen Sommernachmittag Menschen allen Alters, Paare und Familien mit Kindern - nur keine größeren Gruppen von Teenagern. „Die wollen sich ungern ausziehen“, formuliert der Sportabzeichen-Beauftragte vorsichtig. „Man vermeidet hier vielleicht eher die Aufmerksamkeit“, erklärt sich Bungert das gesittete Verhalten der Zieselsmaar-Besucher. „Wenn ich was von meinem Sohn will, muss ich ja nicht nach ihm schreien, da gehe ich lieber zu ihm hin.“
Er nutze die Sportangebote auf dem Vereinsgelände aus zeitlichen Gründen kaum, doch sich textilfrei im Kreise seiner Vereinskollegen zu entspannen genieße er sehr, begründet Bungert seine Mitgliedschaft. „Hier treffe ich immer Bekannte.“ Auch sein Sohn habe viele Freunde hier und mache bei Kinderaktionen mit. Seine zweite Frau habe sich zunächst geziert mitzukommen, gesteht er. Doch mittlerweile komme sie sogar auch allein zum Baden und Entspannen. „Ich bin hier nicht unter Fremden, die wer weiß was denken könnten“, sagt seine jüngere Frau. „Ich fühle mich hier sicher.“
Seit der Verein das Gelände vor mehr als 30 Jahren übernahm, sind die Bäume rund herum hoch und dicht gewachsen und schirmen es gegen die nahe Autobahn (A1) ab. Natürlich komme es vor, dass sich Voyeure durchs Unterholz an den Maschendrahtzaun heranpirschten. „Da muss man immer mit rechnen“, räumt Wirtz ein. Aber es passiere eigentlich selten . „Wenn wir das selber nicht geregelt kriegen, holen wir die Polizei.“ An Sommertagen, vor allem, wenn das Strandbad gut besucht ist, macht die vereinseigene Geländeaufsicht mehrere Kontrollrunden um den See. Dabei achtet sie auch darauf, dass sich niemand außerhalb der vorgeschriebenen Bade- und Liegezonen am Ufer des Zieselsmaares zwischen Schilf und Bäumen ein Plätzchen gesucht hat.
Unbeobachtet soll sich hier niemand fühlen. Nicht einmal Strandmuscheln sind erlaubt - nur Sonnenschirme, unter denen man sich eben nicht verstecken kann. Fotohandys seien ein gewisses Problem. Aber die Vereinsmitglieder hätten einen Blick dafür, ob jemand verstohlen mit dem Handy hantiere oder sich sonst wie auffällig benehme, und informierten sofort die Aufsicht. Übrigens dürfen sich auch keine einzelnen Männer auf dem Spielplatz aufhalten, wenn sie nicht selbst Kinder haben. Manchmal muss Bungert seinen Sohn Jonas noch daran erinnern ein Handtuch unterzulegen, wenn sich der knapp Fünfjährige auf eine Bank am Kiosk oder auf die Schaukel auf dem Spielplatz setzt. Hygiene wird groß geschrieben in diesem grünen Refugium aus Natur und gepflegten Anlagen. Auf den Liegewiesen wird man keine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe finden. Und die Toiletten, die an sommerlichen Wochenenden bis zu 2000 Badegäste nutzen, sind jederzeit picobello sauber.
Ein gewisses Pensum an Arbeitsstunden für den Verein zählt zum Mitgliedsbeitrag. Die Vereinsmitglieder haben alle Einrichtungen auf dem Gelände selbst angelegt und pflegen sie auch selbst - unbekleidet natürlich. Zum Ausleeren der zahlreichen Mülleimer auf den Wiesen ziehen sie höchstens lange Schutzhandschuhe an.
An der Kasse
Er mähe schon mal die Wiesen oder befreie die Wege von überwucherndem Gestrüpp, um seine Stunden abzuarbeiten, nennt Bungert einige Beispiele dafür, was alles zu tun ist. „Ich kenne aber auch Leute, die machen die Sauna sauber.“
Vereinsmitglied Hans Bernards hat an diesem Nachmittag an der Eintrittskasse gesessen. Dem 67-jährigen Rentner und seiner gleichaltrigen Lebensgefährtin Renate Heuser macht es Spaß, auf dem Vereinsgelände mitzuarbeiten. Auch sie schätzen besonders den gepflegten Zustand der Anlagen und die Ruhe inmitten der Natur. Wie viele andere Mitglieder sind sie über die Lust am Baden zum Verein gekommen. Das Freibad zu Hause sei ihnen einfach irgendwann zu eng gewesen, berichtet das Paar aus Pulheim-Stommeln, das auch die Spaziergänge um den See sehr genießt. Dass man dafür nackig sein muss, mache ihnen nichts aus. Heusers Fazit: „Kein Stress, ordentliche Leute, keine Umzieherei.“
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