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Performanceprojekt

Von Köln nach Peking

Von Nicole Strecker, 27.08.08, 21:03h

Angie Hiesl und Roland Kaiser zeigen ihr Performanceprojekt im Kölner Bahnhofsviertel. Danach ist die „China-Hair-Connection“, ein interkontinentales Austauschprojekt in zwei Teilen, in China zu sehen.

Fast hätte man sie übersehen: die Chinesin, die vor einem Asien-Artikel-Laden auf dem Boden kauert und in einer Plastikschüssel im Nudelteig herumknetet. Dabei gehört sie zur Performance, die Angie Hiesl und Roland Kaiser im Kölner Bahnhofsviertel zeigen: „China-Hair-Connection Peking-Köln“, ein interkontinentales Austauschprojekt in zwei Teilen.

Teil eins also auf der Rückseite des Doms. Die Bögen neben dem Hauptbahnhof, sonst dunkle Siffecken und Treffpunkte für Junkies und Obdachlose, sind hell ausgeleuchtet wie Schaufenster. In der kalten Betonhöhle liegt ein Haufen rot leuchtender Riesenlampions. Eine Chinesin fährt mit einem alten Fahrrad im Kreis. Ein Mann singt ein wunderschön melancholisches Lied - eine Idylle: Chinatown im spätsommerlichen Köln. Bei Hiesl und Kaiser präsentiert sich das Chaos solcher Stadtteile hochästhetisiert. Erst auf den zweiten Blick offenbart die Schönheit ihre Schrecken. Im Bahnbogen zählt dann ein Chinese in Polizeiuniform Namen auf und hält dazu zusammengebundene Haarsträhnen triumphierend hoch - die abgeschnittenen Zöpfe der Kaiserzeit Chinas. Und in einem besonders dunklen Straßenabschnitt rennt ein Mann zwischen dröhnenden Megafonen auf und ab, prallt gegen Häuserwände, flieht panisch und wird doch unausweichlich von dem herrischen Sound verfolgt - die Omnipräsenz der Obrigkeit.

Teil zwei in Peking

Teil zwei dieser Performance wird das Künstlerduo nach Peking führen. Solche kritischen Anspielungen werden dann wohl entschärft werden müssen - zumal wenn sie wie in Köln von chinesischen Performern dargestellt werden. In der Wahrnehmung hierzulande sind sie allerdings weniger kritisch als politisch korrekt. Also mehr intellektuelles Dekor als künstlerische Rebellion auch bei Hiesl / Kaiser. Doch die Kunst der Straße eignet sich ohnehin nicht für analytische Tiefe. Dafür hat Hiesl in mehr als 30 Jahren Outdoor-Performances ihr Gespür für Charme und Chancen von bizarren Orten, auch ihre Steuerung der Zuschaueraufmerksamkeit perfektioniert. Wer in ihre Aktionen gerät, weiß nie, wo die Kunst aufhört und das Leben anfängt.

Haare in der Wanne

Bei Hiesl und Kaiser tauchen aus Badewannen, die randvoll mit Haaren sind, menschliche Gliedmaßen auf - so gruselig wie Grabesrebellionen von Untoten in Horrorfilmen. Und ein Chinese strampelt schwerfällig auf einem alten Fahrrad die unruhige Straße entlang. Hinter ihm steht auf einem Wagen ein deutsches Langhaarmodell, hebt ihren Kopfschmuck in die Luft - Europa lässt Asien arbeiten für seine Extensions, für die Verlängerungen des in den Industrienationen vergleichsweise dünn, schwach und formlos wachsenden Haars. Der Eigelstein in Köln - beim Performance-Duo verwandelt er sich in eine Märchen-Horror-Wunderwelt.

Aufführungen heute, 28. August, um 20 Uhr, sowie am 29. und 30. August um 20 Uhr. Treffpunkt Eigelsteintorburg.



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