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Nach Katrina

New Orleans: teuer saniert oder verfault

Von Sebastian Moll, 27.08.08, 20:38h

Drei Jahre nach Katrina liegt vieles immer noch brach oder wird bewusst vernachlässigt. Die Viertel außerhalb des nicht gefluteten Streifens entlang des Mississippi wirken noch immer wie nach einem Flächen-Bombardement.

Katrina
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New Orleans in den Tagen der Flut (Archivbild vom August 2005, rtr)
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New Orleans in den Tagen der Flut (Archivbild vom August 2005, rtr)
Eigentlich sind es unter schwarzen Musikern die Hip-Hopper, die für den Zorn zuständig sind. Doch auf seinem neuesten Album bricht auch der New Orleaner Blues-Musiker Mac Rabennack alias Dr. John aus jener Melancholie aus und lässt seiner Wut freien Lauf. „City that Care Forgot“ heißt die Platte, und die Stücke darauf sind eine bittere Anklage dessen, was mit seiner Stadt geschieht: Drei Jahre nach der Verwüstung durch Hurricane Katrina gibt es in großen Teilen von New Orleans noch immer kaum sichtbare Fortschritte beim Wiederaufbau. Die Viertel außerhalb des nicht gefluteten Streifens entlang des Mississippi, des „Sliver on the river“, wirken noch immer wie nach einem Flächen-Bombardement. Kilometerlang reihen sich verfaulende, verlassene Häuser aneinander. Die Welt, so kommt es Dr. John vor, hat die Stadt aufgegeben.

Der Kampf um die Zukunft von New Orleans ist auch ein Kampf der armen schwarzen angestammten Kern-Bevölkerung der Stadt gegen die Verdrängung durch die gut situierte weiße Oberschicht. Der „Sliver by the River“ mit seinen historischen Kolonialbauten wurde nach Katrina im Handumdrehen so teuer, dass ihn sich nur noch Besserverdienende leisten konnten. Bezahlbarer Wohnraum ist praktisch nicht mehr vorhanden, die zumeist schwarze Unterschicht wurde de facto verdrängt. Zwei Drittel der weißen Bevölkerung ist laut offiziellen Statistiken nach New Orleans zurückgekehrt, aber nur 43 Prozent der Schwarzen.

Dass die schwarze Unterschicht, die vor Katrina die große Mehrheit stellte, überhaupt wieder da ist, ist indes ein Wunder. Der New Orleaner Schriftsteller Tom Piazza sagt: „Die Menschen kämpfen gegen unüberwindbare Widerstände. Aber sie vermissen New Orleans, es ist ihre Heimat.“ Die starken kulturellen Traditionen, die gewachsenen sozialen Strukturen und das besondere Lebensgefühl der Stadt sind laut Piazza Dinge, auf die man nicht verzichten kann, wenn man hier aufgewachsen ist. Jedenfalls nicht, „ohne einen hohen psychologischen Preis zu bezahlen“.

Gezielte Ausgrenzung

Der Preis für die Rückkehr ist jedoch nicht minder hoch. Ein ursprünglicher Plan nach Katrina sah vor, die zerstörten ärmeren Viertel komplett einzureißen. Das war aber politisch nicht durchsetzbar. Einen Wiederaufbauplan gibt es jedoch auch nicht. Buchautor Douglas Brinkley sagt: „Die Bundesregierung will diese Viertel nicht wieder aufbauen, und diese Politik wird jetzt umgesetzt, indem man einfach nichts tut. Man sagt den Leuten, sie könnten gerne wieder im Lower Ninth Ward einziehen, aber es gibt dort keine Elektrizität, kein Wasser, keine Müllabfuhr, keine Schulen.“

Wie Brinkley sehen die Bremer Sozialwissenschaftler Christian Jakob und Friedrich Schorb, die eine Studie über die sozialen Folgen von „Katrina“ angefertigt haben, in der Ausgrenzung der armen schwarzen Bevölkerung eine gezielte Politik. Am deutlichsten sei dies beim Abriss von Sozialwohnungen für mehr als 20 000 Menschen in New Orleans zutage getreten. Auf den Grundstücken entstehen jetzt subventionierte Mustersiedlungen mit teuren Apartments. „Vieles spricht dafür“, schreiben Schorb und Jakob, „dass Katrina ein Katalysator für eine von den funktionalen Eliten des Landes verfolgte soziale Neugestaltung von New Orleans ist.“ Der Titel ihrer Studie, „soziale Säuberung“, drückt dies noch pointierter aus.



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