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Virtueller Stadtrundgang

Mit Google durch Köln

Von Tim Stinauer, 27.08.08, 21:27h, aktualisiert 28.08.08, 11:43h

Google lässt derzeit sämtliche Kölner Straßen fotografieren und setzt die Bilder zu einem virtuellen Stadtplan zusammen. Datenschützer haben Bedenken, dass persönliche Lebensumstände preis gegeben werden.

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Jede Straße in Köln wird fotografiert. (Bild: Google)
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Jede Straße in Köln wird fotografiert. (Bild: Google)
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Ein digitaler Spaziergang durch den Central Park in New York ist schon möglich. (Bild: Google)
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Köln - Es sind merkwürdige Gefährte, die seit einigen Tagen durch Köln rollen. Schwarze Kleinwagen mit Hamburger Nummernschild, auf dem Dach ein Teleskopmast mit einem wuchtigen Aufbau. Langsam, scheinbar ziellos kurven die Autos durch die Stadt. In Internetforen berichten Kölner, wo ihnen die seltsamen Fahrzeuge zuletzt aufgefallen sind. Manche Augenzeugen klingen so aufgeregt, als hätten sie ein Ufo gesehen. „Habe eben einen schwarzen Opel am Autobahnkreuz Köln-Ost beobachtet“, meldet einer. Ein anderer jubelt: „Hahaaa, ich stand gerade ganz lange vor nem streetview auto in köln. mal sehen ob ich wenns soweit ist, auch zu sehen bin.“

Auf den Teleskopstangen sind Spezialkameras montiert. Die Geräte nehmen 360-Grad-Rundumbilder auf. Alle paar Sekunden klicken die automatischen Auslöser - und mit jedem Mal kommt Google seiner Vorstellung von einem perfekten Stadtplan ein Stückchen näher. Denn für das Projekt „Street View“ fotografiert das US-Unternehmen derzeit deutsche Großstädte detailgenau ab: Straßen, Gebäude, Autos, Menschen, Tiere - eben alles, was den Kameras zufällig vor die Linse kommt. Die vielen hunderttausend Schnappschüsse werden später wie bei einem Puzzle zu einem kompletten Stadtbild zusammengesetzt. Wann „Street View“ in Deutschland startet, will Google noch nicht verraten. Vielleicht dieses, vielleicht erst nächstes Jahr. Für viele amerikanische, französische, japanische und australische Städte existieren die digitalen Panorama-Karten schon.

„In Köln sind wir mit mehreren Autos unterwegs. Sie filmen alle öffentlichen Straßen“, sagt Google-Sprecher Stefan Keuchel. „Allein das dauert Wochen.“ Und wozu der ganze Aufwand? „Mit »Street View« kann man in Zukunft zum Beispiel vor einer geplanten Urlaubsreise ein Restaurant in der Nähe des Hotels aussuchen“, sagt Keuchel. Wer einen Umzug plane, könne sich am Computer schon mal mit der Umgebung vertraut machen.

Viele Datenschützer sehen da allerdings ein Problem: Denn teilweise lassen sich Gebäude und Menschen derart nah betrachten, dass Hausnummern oder Gesichter erkennbar sind. „Da werden persönliche Lebensumstände intensiv ausgeleuchtet“, warnt der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. „Geodaten sollten nur nach vorheriger Einwilligung des Betroffenen genutzt werden dürfen.“ Schaar fürchtet, dass die Bewohner baufälliger Häuser mit Werbung von Renovierungsdiensten überschüttet werden könnten. Einbrecher könnten den nächsten Tatort am Computer ausspähen. Was, wenn ein Chef seinen Angestellten erkennt, der gerade eine Aids-Beratungsstelle betritt? Oder wenn das Auto eines Ehrenfelders vor dem Haus einer Lindenthalerin parkt, die definitiv nicht seine Ehefrau ist?

„Wir verstehen die Aufregung“, sagt Keuchel. „Wir machen eben etwas völlig Neues, aber nichts Illegales. Wir verstoßen gegen kein Gesetz.“ Dennoch: Wer sich auf den Bildern wiedererkenne und das nicht wünsche, möge Google bitten, das Foto zu löschen. Außerdem habe die Firma eigens eine Software entwickelt, die Gesichter und Autokennzeichen unkenntlich mache.

Eine gute Idee - wenn auch noch nicht ganz ausgereift. Im Netz kursiert eine Aufnahme aus dem New Yorker Central Park: Sie zeigt Jogger und ein Pferd. Die Sportler sind erkennbar, nur das Pferdegesicht ist vorbildlich anonymisiert.



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