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Klimawandel

Abkürzung über den Nordpol

Von Roland Knauer, 28.08.08, 20:14h

Erstmals seit Jahrzehnten sind die Nordwest- und Nordostpassage nahezu eisfrei. Die Folgen des Klimawandels wecken Begehrlichkeiten bei Reedern: Durchs getaute Eis wären Transportwege kürzer.

Das Eis am Nordpol
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Eis am Nordpol. (Bild: dpa)
Das Eis am Nordpol
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Eis am Nordpol. (Bild: dpa)
KÖLN - Der Weg scheint frei. Das Eis auf dem Nordpolarmeer ist in den letzten Tagen so weit abgeschmolzen, dass Schiffe von Europa an Skandinavien und Sibirien vorbei nach Japan und China fahren können. Auf den tagesaktuellen Karten aus dem Institut für Umweltphysik der Bremer Universität blockiert auch auf der anderen Seite des Globus das Eis die Route von New York an der Nordküste Kanadas vorbei nach Tokio oder Südkorea nicht mehr. Die Nordost- wie auch die Nordwestpassage sing gleichzeitig frei - ein Zustand, de seit Jahren nicht mehr herrschte.

Für Reedereien sind das gute Nachrichten, weil diese Routen viel kürzer und damit billiger sind als die übliche Fahrt durch den Panama- und den Suez-Kanal. Wenn der Klimawandel das Eis der Arktis schmilzt, treibt das zwar Klimaforschern Sorgenfalten auf die Stirn, öffnet aber Wirtschaftsunternehmen neue Möglichkeiten.

Allerdings gilt das nur für den Sommer, erklärt Georg Heygster vom Bremer Institut für Umweltphysik, der jeden Tag eine aktuelle Weltkarte über das Eis auf den Meeren veröffentlicht. In der Polarnacht friert im Winter das Wasser im Nordpolarmeer rasch zu einer mehrere Meter dicken Eisdecke. Im März schwimmt dann auf rund 15 Millionen Quadratkilometern (das ist dreimal so groß wie die EU) eine fast geschlossene Eisschicht.

Im Frühjahr und Sommer knabbern Sonne und warme Winde am Eis, bis es im September auf gut die Hälfte der maximalen Ausdehnung im März schmilzt. Seit den 1970er Jahren beobachten Satelliten die Eisdecke der Arktis und messen in jedem Jahrzehnt weniger Eis. Obendrein scheint der Klimawandel das große Schmelzen seit der Mitte der 1990er Jahre zu beschleunigen.

Im Vierteljahrhundert zwischen 1979 und 2004 schrumpfte das Sommereis über dem Nordpolarmeer jedenfalls in jedem Jahrzehnt um 7,7 Prozent. Dieser Wert passt gut zum Klimawandel, in dem Treibhausgase vor allem aus Motoren und Kraftwerken die Lufttemperaturen besonders über der Arktis kräftig steigen lassen.

Wetter recht veränderlich

Genau wie über Mitteleuropa ist aber auch über dem Nordpolarmeer das Wetter recht veränderlich. Blasen dann wie 2007 kräftige Südwinde warme Luft vom Pazifik direkt auf das Eis, schmilzt die weiße Decke stärker als in Jahren mit nur schwachen Südwinden. Diese Abhängigkeit vom Wetter erschwert Prognosen enorm.

2007 war die Nordwestpassage von New York an der kanadischen Nordküste vorbei nach Japan und China weitgehend eisfrei. Während Schiffe von Rotterdam nach Tokio durch den Panama-Kanal 23 300 Kilometer fahren müssen und durch den Suezkanal 21 100 , verkürzt diese Nordwestpassage die Verbindung auf nur noch 15 900 Kilometer.

Noch kürzer wird die Strecke Tokio - Rotterdam mit 14 100 Kilometern durch die Nordostpassage entlang der Küste Sibiriens. Dort aber gab es im Sommer 2007 eine Eiszunge, die vom Nordpol bis zum hohen Norden Sibiriens an der Taimyr-Halbinsel reichte und diese Route blockierte. 2008 aber ist alles anders, seit dem 25. August sind die Nordwest- und die Nordostpassage gleichzeitig offen - aber noch längst keine „Schnellstraßen“ für normale Schiffe.

Christian Melsheimer vom Institut für Umweltphysik der Bremer Universität erläutert: Die Nordwestpassage führt im Norden von Kanada durch ein Gewirr von Inseln und Buchten und ist für normale Frachtschiffe kaum geeignet. Obendrein lässt sich die Eisbedeckung auf beiden Routen langfristig kaum vorhersagen. Die über viele Monate planenden Reedereien müssten daher immer einen kostenträchtigen Eisbrecher reservieren - und könnten die Strecke auch nur acht Woche im Jahr nutzen.



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