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Kommentar - Schalke

Bitte nicht lachen!

Von Frank Nägele, 28.08.08, 19:18h, aktualisiert 29.08.08, 00:03h

Bitterlich unterlag Schalke 04 mit 0:4 dem spanischen Club Athletico Madrid. Und dabei war die Mannschaft so siegessicher angereist. Aus der Schlappe können auch andere deutsche Mannschaften nur lernen.

Dem FC Schalke 04 ist am Mittwochabend im zweitgrößten Stadion von Madrid gegen den zweitbesten Klub des Stadt etwas passiert, worüber Schalke-Gegner in Deutschland besser nicht schmunzeln sollten. Gut, es sah sehr lustig aus, wie der deutsche Riese mit aufgeblasenen Backen ins Rückspiel der Champions-League-Qualifikation stapfte, bereit, einen Gegner zu zermalmen, der auch nach dem Hinspiel keine Vorstellung davon haben konnte, was es bedeutet, einem deutschen Riesen gegenüberzutreten. Und dann wurde der deutsche Riese von Atletico in seine Einzelteile zerlegt, aber dabei blieb es nicht. Die Einzelteile wurden in winzig kleine Stückchen geschnitten und zu lustigen neuen Förmchen zusammengebaut, ehe sich Atletico davorlegte und einfach alles wegpustete. Nur so zum Spaß.

Das passiert den Größen des deutschen Klubfußballs seit Jahren, wenn sie sich aus ihrem Universum herauswagen. Und jeden Sommer tun alle so, als gehörte dieses Phänomen ab sofort der Vergangenheit an. Man hat ja so viel getan: investiert, renoviert, fantasiert - auch auf Schalke; einen internationalen Trainer verpflichtet (Fred Rutten aus Eindhoven), für teuer Geld zwei internationale Stars eingekauft, die jetzt nur leider verletzt waren (Jefferson Farfan und Orlando Engelaar), insgeheim bisher nicht für möglich gehaltene Ziele benannt. In der Liga sah es auch super aus. 3:0 gegen Hannover und 1:1 gegen Bremen.

Aber die Liga ist ein Reagenzglas, in dem die Dinge des deutschen Fußballs oft wunderbar funktionieren. Brummende Stadien, singende Fans, Rekorde, wohin man schaut. Ein wahnwitziger Ehrgeiz, der inzwischen bis tief hinunter reicht zu Vereinen wie Hannover und Frankfurt. Aber alle zusammen machen dann denselben Fehler: Anstatt die Dinge unter Glas so schön funktionieren zu lassen, wollen sie hinaus in die richtige Welt, wo die Schwerkraft fünfmal so groß ist und Elemente toben, von denen sich hier keiner eine Vorstellung macht.

Lektion für die Liga

Ein Beispiel: Der Hamburger SV investiert nach dem Verlust seines Superstars Rafael van der Vaart 22 Millionen Euro in das Trio Marcell Jansen / Alex Silva / Thiago Neves und hält sich insgeheim jetzt wohl für Europas Bedrohung. Atletico Madrid hat vor zwei Jahren 23 Millionen Euro alleine für Sergio Agüero ausgegeben. Mit gutem Grund, wie man jetzt auch hier weiß. Deshalb ist das, was Schalke 04 gegen die Spanier passierte, eine Lektion, die die ganze Bundesliga angeht. Natürlich ist Schalke 04 nicht Bayern München. Aber Atletico Madrid ist auch nicht Real. Und nicht Chelsea. Und nicht Inter Mailand. Und nicht Manchester United.



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