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Jetzt ich!

Am Ende bin ich doch ihr Chef

Von Stephan Knieps, 29.08.08, 21:19h, aktualisiert 01.09.08, 20:22h

Immer mehr Frauen verlassen die Universitäten mit hervorragenden Abschlüssen. Wird es langsam bedrohlich für uns junge Männer? Immer mit der Ruhe: Die Führungsetagen sind nach wie vor Männerbastionen.

Stephan Knieps
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Stephan Knieps. (Bild: ksta)
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Stephan Knieps. (Bild: ksta)
Langsam wird es mir als aufstrebendem Studenten doch etwas mulmig. Noch nie haben so viele Menschen in Deutschland einen Hochschulabschluss gemacht wie im vergangenen Jahr. Das ist ja noch gut. Doch jetzt kommt's: Zum zweiten Mal nach 2006 haben mehr Frauen als Männer einen akademischen Abschluss erreicht.

Besonders deutlich kommt das Geschlechtergefälle bei den Lehramtsprüfungen zutage. Hier stehen 21 900 weiblichen Absolventen mickrige 7000 männliche gegenüber. Tendenz steigend.

Wo soll das nur hinführen? Unsere Kinder, gerade dem Kindergarten entwachsen, wo männliche Erzieher so häufig sind wie echte Brüste bei Misswahlen, kommen in eine Grundschule mit lauter Lehrerinnen. Und auch die weiterführenden Schulen werden bald zur Gänze in Frauenhand sein. Das hat Folgen: Der Biokurs-Ausflug geht nicht mehr ins Dinosauriermuseum, sondern auf den örtlichen Ponyhof. Der Diktattext handelt nicht mehr vom Fuß-, sondern vom Abschlussball. Statt „West Side Story“ wird „Sex and the City“ gezeigt und anstelle des „Werther“ werden die „Feuchtgebiete“ gelesen. Alles der Emanzipation wegen.

Nichts gegen dieses schöne Wort! Und nichts gegen den damit verbundenen gesellschaftlichen Wandel. Doch beschleicht mich langsam, aber sicher das Gefühl, dass das Pendel nun in die andere Richtung umzuschlagen droht.

Immer mit der Ruhe

Am Ende des weiblichen Bildungsstätten-Enterns stünde konsequent die Eroberung der Universitäten. Aber halt, immer mit der Ruhe: Zwar gibt es mehr Absolventinnen als Absolventen, das bedeutet aber noch lange keinen Trend hin zu mehr Professorinnen oder weiblichen Führungskräften. Wir Jungs mögen fauler sein und vielleicht weniger Lust auf universitäre Geistesanstrengungen haben. Womöglich müssen wir uns sogar manchmal den Vorwurf des Durchmogelns gefallen lassen. Aber: Die Führungspositionen in der Wirtschaft und den gesellschaftlichen Institutionen sind nach wie vor Männerbastionen. Die Mehrzahl der strebsamen Mädchen bleibt erfahrungsgemäß irgendwo zwischen der mit Bravour bestandenen Abschlussprüfung und der Chefetage auf der Strecke.

Ich kann mich also entspannt und ruhigen Gewissens zurücklehnen. Sollen all die fleißigen Studentinnen ruhig ihre Referate akribisch vorbereiten und schnörkellos vortragen. Sollen sie Wochen vor Prüfungsterminen den Stoff pauken und dann weiß Gott wie perfekte Klausuren schreiben. Ich weiß genau: Später werden sie doch nur meine Assistentinnen. Oder eben: Lehrerinnen.

Der Autor (22)gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Rhein-Sieg. Die Mitarbeiter gestalten in ihrer Freizeit die Jugendseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die jeden Donnerstag erscheint.



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