Von Jan Sting, 02.09.08, 15:43h
Nachdem sie mehrfach auf den pummeligen Frantec angesprochen
LEUTE AN
RHEIN UND ERFT
worden war, ergriff die gebürtige Weimarerin die Initiative und kaufte sich ein Handbike, mit dem sie den Hund „bei seinem Fitnesstraining“ fortan begleiten wollte. Das Handbike ist vergleichbar mit dem Fahrrad oder Liegerad, wird aber nur mit den Armen angetrieben. Eskau hatte das Gerät keine zwei Wochen, da erfuhr sie vom Köln-Marathon, meldete sich an und merkte bald, dass sie in ihrem Element war.
„Wenn ich an der Erft entlang fahre, ist mir das Handbiking die größte Freude“, bekennt die 37-Jährige. Auch wenn das Training sie derzeit hart fordert. Seit Januar bereitet sie sich auf die Paralympics in Peking vor, trainiert täglich fünf Stunden, wenn sie von der Arbeit in Bonn nach Hause kommt. Private Aktivitäten bleiben da oft auf der Strecke - an Kino oder einen Restaurantbesuch ist eher selten zu denken.
Im August 2007 gewann sie sowohl das Zeitfahren als auch das Straßenrennen der Handbiker bei den Rad-Weltmeisterschaften in Bordeaux. Andrea Eskau leitet beim Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Bonn den Fachbereich Behindertensport. „Die Kombination von Praxis und Forschung ist ideal“, sagt die Spitzensportlerin. Die öffentliche Wahrnehmung des Behindertensports verbessere sich zwar. Allerdings: „In Deutschland wird immer noch viel Geld verschleudert, weil vorher keiner an Behinderte gedacht hat.“ Peking, wo sie für den USC Magedburg startet, sei die Krönung ihrer Karriere. Und eine Medaille will sie unbedingt mit nach Hause bringen. Anfang Juni gewann sie im hessischen Lorsch sowohl im Straßenrennen als auch im Einzelzeitfahren den Titel der Deutschen Meisterin. Doch die Konkurrenz hat sie trotzdem gut im Blick. Mit einer Niederländerin dürfte es in Peking ein Rennen Kopf an Kopf geben. Handbiker sind erst seit gut zehn Jahren auf Wettkämpfen vertreten, in Athen durften noch keine Frauen an den Start, und ein Wettbewerb in Peking ist mit mancher Unbekannten verbunden.
Ursprünglich war die olympische Radstrecke vorgesehen, erwies sich mit den starken Steigungen aber als zu schwer. Daher wollten die Chinesen ein Stück Autobahn für den Wettbewerb sperren. Das wäre wiederum zu flach gewesen. Jetzt wird die Strecke der olympischen Triathleten mit ein paar Variationen gefahren. Ende August hätte sie schon nach China fliegen können, wollte aber noch ein bisschen in Bergheim bleiben, da erst eine Woche vor den Paralympics vom 6. bis 17. September die Möglichkeit zum Training bestehe. Die hohe Luftfeuchtigkeit fürchtet sie, wisse nicht wie sie sich wappnen soll. „Ich kann ja schließlich nicht in der Sauna trainieren.“
Auf ihre Bestleistung von 36,5 Stundenkilometern ist sie stolz. Doch auch die Entwicklung im Handbiking sei rasant. „Die Technik wird ständig verfeinert“, sagt Eskau, die sich für Peking eigens ein neues Bike bauen ließ. Für Behinderte sei es ein ideales Gerät und werde intensiv genutzt. Die Klassifizierung nach Graden der Behinderung hält Eskau in manchen Situationen für problematisch. Denn es könne sein, dass niedrigbehinderte Teilnehmer eines Wettkampfs die Medaillen ernten, obwohl der Sport von starkbehinderten wie den Beinamputierten gefördert wurde.
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