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Kunst

Gewaltige Wellen aus Farbe

Von Jürgen Kisters, 08.09.08, 13:48h

Eine Doppelausstellung im Sülzer Lichthof lenkt den Blick auf Unbekanntes. Hardy Biermann und Letitia Gaba stellen Malerei und Grafik aus.

Ausstellung Biermann
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Biermanns Malerei verbindet Schwung mit großer Präzision. (Repro: Kisters)
Ausstellung Biermann
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Biermanns Malerei verbindet Schwung mit großer Präzision. (Repro: Kisters)
Lindenthal - Dass die Natur die größte Malerin ist, steht allemal fest. Viele Jahrhunderte haben Künstler sich mit viel Sorgfalt daran gemacht, durch die Abbildung der Natur diesem malerischen Geheimnis auf die Spur zu kommen. Spätestens seit der künstlerischen Moderne gehen sie noch einen Schritt weiter, indem die Maler versuchen, es ihr gleichzutun. Nicht mehr das Abbild von Landschaften oder Pflanzen interessiert seitdem, sondern das Gespür für den Prozess, in dem die Natur ihre Formen in unendlicher Vielheit und Komplexität hervorbringt. Genau das ist der Prozess, auf den der Maler Hardy Biermann mit kräftigen Farben auf der Leinwand zielt.

Bewegt und wildwüchsig wie die Natur ihre atemberaubenden Gestalten hervortreibt, lässt der Kölner Künstler (Jahrgang 1962) seine Bilder entstehen. Mit vollem Schwung malt er mit einer Palette aus vielen Grün, Blau- oder Rottönen Strukturen, die auf Anhieb an Schlingpflanzen und Blütengewirre erinnern. Er lässt sie wachsen und wuchern und filigrane Muster bilden, in denen die Malerei der Natur tatsächlich ganz dicht auf der Spur ist. In anderen Bildern werden die Farbwirbel zu gewaltigen Wellen, deren Unberechenbarkeit ebenso schön wie bedrohlich erscheint.

Der gelernte Steinbildhauer, studierte Sozialwissenschaftler und Kunstlehrer reiht sich damit ein in die solide Tradition abstrakt-expressiver und informeller Maler, die mit radikaler Entschlossenheit den Prozess des Malerischen über die Darstellung von Motiven setzt. In einer Ausstellung im Lichthof zeigt er die beständige Aktualität dieses Ansatzes, bei dem das Malen grundsätzlich zu einer Entdeckung im Unbekannten wird.

Zu Entdeckungen im undurchsichtigen Bereich nicht bewusster Fantasien und längst vergessener Erinnerungen führen auch die kleinformatigen Bilder und Grafiken von Letitia Gaba, die ebenfalls dort zu sehen sind. An Kleinteiligkeit und Sorgfalt sind die Arbeiten der gebürtigen Rumänin (Jahrgang 1969), die seit 1979 in Köln lebt, kaum zu übertreffen. So kombiniert sie meisterlich Linolschnitte mit malerisch-zeichnerischen Akzentuierungen. Die kraftvolle Kontrastierung des flächigen Drucks wird durchkreuzt von unzähligen Fransen und tückischen Spuren, die von der Vielteiligkeit und Verwirrung unserer Erfahrung erzählen.

„Fallende Masken nähern sich dem Mittelpunkt, dem Wesentlichen“, „Viele Gedanken ... Selbstauflösung“, „Körpererinnerungen“ und „Wurzeln durch das Kind zum Erwachsenen“ lauten einige Titel der Künstlerin. Beharrlich tastet Gaba sich in der Schwebe zwischen figürlicher und abstrakter Darstellung in einen Bereich unterhalb der Oberfläche, in dem alle unsere Erfahrungen seit unserer frühesten Kindheit in der Gegenwart unseres gelebten Lebens fortdauern. Solche diffusen Lebenstendenzen und unbewussten seelischen Wirksamkeiten aufzuspüren und zum Ausdruck zu bringen, war seit jeher die Domäne der abstrakt-expressiven und informellen Malerei. Die Malerei im Stile von Biermann und Gaba übernimmt die Aufgabe, daran zu erinnern, dass es auch eine andere Realität gibt als die unserer alltäglichen zweckbestimmten Wahrnehmung. Eine, die der Natur näher ist als der rational beherrschten Alltagswirklichkeit.

Lichthof, Lotharstraße 14-18, Mi,Fr 16-19 Uhr, bis 12.9.



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