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Neues Album

Metallica ist zurück

Von Eric Pfeil, 11.09.08, 21:03h

Mit 100 Millionen verkauften Alben, sieben Grammys und riesigen Konzertticket-Absätzen gehört die Band Metallica zu den erfolgreichsten Bands der Rockgeschichte. Nun erscheint ihr neues Album „Death Magnetic“. Es ist eine Reise zurück in die späten 80er Jahre.

Metallica neues Album Hetfield
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Metallica-Sänger und -Gitarrist James Hetfield. (BILD: RAKOCZY)
Metallica neues Album Hetfield
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Metallica-Sänger und -Gitarrist James Hetfield. (BILD: RAKOCZY)
Lars Ulrich, Metallica-Schlagzeuger, mehrfacher Millionär und Kunstsammler, kann nicht mehr. Fluchend rennt er im Versammlungsraum der Band auf und ab. Seit einiger Zeit hält die Band tägliche Konferenzen ab, bei denen neben den Musikern auch der vom verzweifelten Metallica-Management angeheuerte Coach Phil Towle teilnimmt. Die Anwesenheit Towles ist bitter nötig: Die Gruppe - von einer zwischenmenschlichen Krise angeschlagen - befindet sich mitten in den Aufnahmen zu ihrem achten Studioalbum.

Die Kommunikation zwischen den Musikern erinnert an jene Stimmung, die sich gewöhnlich einstellt, wenn ein Kindergartenkind dem anderen ein Förmchen weggenommen hat. Während Ulrich auf und ab rennt, sitzt James Hetfield, Metallica-Sänger, seit kurzem trockener Alkoholiker, nur ruhig am Tisch und folgt seinem alten Freund mit den Augen. Plötzlich springt Ulrich dicht vor Hetfields Gesicht, zwischen die Nasen der beiden Männer passt jetzt kaum mehr ein Lufthauch. „Fuck!“ brüllt Ulrich wie von Sinnen. Ein weniger elaborierter, wenngleich von Herzen kommender Ausdruck lange aufgestauter Wut. Hetfield guckt nur weiter ungerührt.

Entlarvende Studie

Die Szene stammt aus dem berühmt gewordenen Film „Some Kind of Monster“ aus dem Jahr 2004. Ursprünglich sollte ein Kamerateam bloß Metallica bei den Aufnahmen ihres neuen Albums begleiten, doch der Film geriet zu einer so haarsträubenden wie komischen Studie über zwischenmenschliche Abgründe, peinliche Superstarallüren und aufgeblasene, verletzte Egos. Die Dokumentation, eine entlarvende Studie, begeistert in ihrer fast unangenehmen Intimität sogar Metal-Hasser. Nur für Metallica-Fans ist der Film eher unerfreulich: Dass die Anhänger der Band sehr harte Jungs sein müssen, ahnte man schon immer. Hier mussten sie aber wirklich Härte zeigen, galt es doch schmerzlich festzustellen, dass ihre Helden ein Haufen unsicherer Weichlinge waren. Doch letztlich gingen Metallica erhobenen Hauptes aus der Angelegenheit hervor. Das in mühsamer Arbeit entstandene Album „St. Anger“ wurde der erhoffte Millionenseller. Und auch wenn der Film zwar arg am Image der wilden Männer kratzte, musste man der Band doch massiven Respekt dafür zollen, dass sie einer Veröffentlichung überhaupt zugestimmt hatte.

Ein Schatten aber blieb, zumal Metallica bei vielen Fans schon vorher in Ungnade gefallen waren, nachdem man sich - allen voran der wutschäumende Lars Ulrich - in einem Anfall anachronistischer Kontrollsucht gegen die Musiktauschbörse Napster gestemmt und damit unzählige Fans verprellt hatte. Und selbst wenn „St. Anger“ den Band-Zustand jener Zeit perfekt abbildete, war es doch nicht das Album, das sich viele Fans der „größten Heavy-Band aller Zeiten“ (Metallica über Metallica) erhofft hatten.

Zwar ist die Band seit den frühen Neunzigern verblüffenderweise mit gut 100 Millionen verkauften Alben, sieben Grammys und den höchsten Konzertticket-Absätzen, die je eine Band verzeichnen konnte, zur erfolgreichsten Rockband ihrer Generation geworden. Dass sie aber noch mal an ihre frühen Jahre - jene Ära besinnungsloser Mosherei und hysterischen, unkommerziellen Riff-Meistertums - anknüpfen könnte, hatte kaum jemand mehr zu erwarten gewagt. Doch genau dies gelingt den Mittvierzigern nun mit „Death Magnetic“. Es ist das Album, dass das zuletzt vorherrschende Bild Metallicas als einer Truppe depressiver Berufsrocker endlich wieder korrigiert. Auf „Death Magnetic“ klingt die Gruppe wieder wie vier Rock-Raufbolde, denen man lieber keine Beule in den Band-Bus fahren sollte.

Von einem Riff zum nächsten

Gleich das Eröffnungsstück „The End Of The Line“ knüppelt sich von einem Riff zum nächsten und katapultiert den Hörer in die Härteregionen des Band-Frühwerks. Produzent Rick Rubin, der schon so unterschiedliche Künstler wie Johnny Cash, die Red Hot Chili Peppers und Neil Diamond zu ihren Gunsten musikalisch entschlankte, hat Großartiges geleistet: Er hat die Metallica der späten Achtziger mit der Zeitmaschine ins Heute geschossen, wo sie endlich wieder sichtbare Flurschäden hinterlassen können. Eine Pause gibt es nicht: Zehn lange Songs laden ein zum munteren Haareschütteln und Grimassieren; alle Bequemlichkeit ist dahin, und man kann nur den Hut ziehen vor soviel herrlichem Geprügel ohne falsche Rücksicht auf sensible Radioprogrammmacher. Lediglich die epische Single „The Day That Never Comes“ mit Ulrichs geradezu genial ungelenkem Neandertalgetrommel hat die Zugänglichkeit einer Neunziger-Rockdisco-Hymne.

Hat man freilich ein generelles Problem mit Metal, einem Genre, das sein Hohlbirnen-Image mit Stolz und Stil pflegt und ironisiert, dann dürfte „Death Magnetic“ ähnliche Reflexe auslösen wie ein Klumpen rohes Hack bei einem vegetarischen Strickkränzchen. Für den geneigten Hörer aber ist die Platte genau das, was das letzte Album nur vorgab zu sein: ein Niederwurf vor dem Altar der Wut. Als Nächstes wird die Band auf große Tour gehen. Damit es nicht wieder zu Streit kommt, haben die metallenen Besserverdiener eine eigene Lösung gefunden: Man reist in getrennten Privatflugzeugen.

Death Magnetic
Universal
Erscheinungsdatum: 12. September

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