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Kriminalitäts-Studie

Leichte Straftaten ganz normal

Erstellt 11.09.08, 20:31h

Drei von fünf Jugendlichen begehen mindestens ein Delikt vor dem Erwachsenwerden. Wesentlich häufiger als schwere Kriminalität seien kleinere Diebstähle. Bei den meisten Jugendlichen gehe es um das Ausprobieren von Grenzen.

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Drei von fünf Jugendlichen begehen mindestens ein Delikt vor dem Erwachsenwerden. (Bild: dpa)
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Drei von fünf Jugendlichen begehen mindestens ein Delikt vor dem Erwachsenwerden. (Bild: dpa)
DUISBURG - Der Wert liegt nach Angaben der Forscher um ein Mehrfaches höher als die bisher bekannten Zahlen zu registrierten Straftaten: Drei von fünf Jugendlichen begehen einer Langzeitstudie zufolge mindestens eine Straftat vor dem Erwachsenwerden. Wissenschaftler der Universitäten Münster und Bielefeld hatten in der Dunkelfeldstudie seit dem Jahr 2002 in Duisburg jährlich wiederkehrend 3400 Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren zu ihrem Kriminalitätsverhalten befragt.

Ähnlich großangelegte Studien zum Dunkelfeld der Jugendkriminalität gebe es in Deutschland bisher nicht. Die hohe Zahl sei allerdings nicht in allen Belangen besorgniserregend. Schwere Kriminalität - etwa Handyraub mit Waffengewalt oder Körperverletzung - mache mit knapp einem Drittel den geringeren Teil der Straftaten aus. Wesentlich häufiger seien kleinere Diebstähle. „In der Jugendphase sind leichte und mittlere Straftaten nicht ungewöhnlich“, sagte Prof. Jost Reinecke von der Uni Bielefeld. Bei den meisten Jugendlichen gehe es um das Ausprobieren von Grenzen. Ein Problem seien allerdings Intensivtäter. Die Gruppe sei mit fünf Prozent aller Befragten zwar klein, begehe aber mehr als die Hälfte aller Taten. Allerdings gehe der Anteil der Vergehen mit 16 Jahren schon deutlich wieder zurück und damit viel früher als bislang angenommen. Rechtzeitig pädagogische Maßnahmen durch Familie, die Jugendhilfe und die Justiz hätten durchaus ihre Wirkung. Wichtig seien beispielsweise ein Täter-Opfer-Ausgleich, der Aufbau eines Rechtsbewusstseins und soziale Bindungen neu zu gestalten.

Ausländische Jugendliche fallen in der Studie nicht mehr auf als deutsche. Lediglich bei der Gewaltkriminalität liege die Rate leicht über der deutscher Jugendlicher. Bei anderen Kriminalitätskategorien liegen ausländische Jugendliche dagegen deutlich unter den Vergleichswerten deutscher Altersgenossen. Grund seien das stärkere Beachten von traditionellen Werten, die Religiosität und der geringere Alkoholkonsum.

Offizielle Kriminalitätsstatistiken legen nach den Ergebnissen der Studie mitunter falsche Schlussfolgerungen nahe. Beispielsweise würden Mädchen sechsmal seltener angezeigt als Jungen, und Ausländer mehr als Deutsche. Die Forscher werden den Weg der Befragten bis zu ihrem 30. Lebensjahr weiter verfolgen. (dpa)



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