Schriftgröße

Landesregierung

Eifeler Protest gegen Waldverkauf

Von Johannes Puderbach, 11.09.08, 22:05h, aktualisiert 12.09.08, 17:33h

Die Umweltschutzverbände laufen Sturm gegen das Vorhaben: Die Landesregierung will fast ihre gesamten Waldflächen im Kreis Euskirchen an private Investoren verkaufen, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Waldflächen
Bild vergrößern
Zu den Waldflächen, die das Land verkaufen will, gehört auch der Salchenbusch, durch den der Nonnenbach fließt (Bild: Puderbach)
Waldflächen
Bild verkleinern
Zu den Waldflächen, die das Land verkaufen will, gehört auch der Salchenbusch, durch den der Nonnenbach fließt (Bild: Puderbach)
Kreis Euskirchen/Blankenheim - Insgesamt werden sechs große Wälder mit zusammen rund 2800 Hektar Fläche angeboten, der Mindestpreis beträgt laut Wertschätzung rund 22,5 Millionen Euro. Angepeilt ist ein Verkaufserlös von 25 bis 30 Millionen Euro. Große Teilflächen stehen unter Naturschutz oder sind sogar besonders geschützte FFH-Flächen.

Seit die Verkaufspläne öffentlich bekannt geworden sind, rollt in der Eifel eine Protestwelle an. Bürgermeister der betroffenen Kommunen verfassen Protestnoten, der Gemeinderat der besonders betroffenen Kommune Blankenheim will eine Resolution verabschieden. „Der Wald bietet auch eine wichtige Schutzfunktion für unsere Umwelt und dient darüberhinaus der Erholung der Menschen“, so Bürgermeister Rolf Hartmann (CDU). Wald in privater Hand könne diesen hohen Ansprüchen nicht gerecht werden, dort ständen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. So verabschiede sich der Staat aus seiner Verantwortung für die Umwelt.

Besonders enttäuscht äußerten sich die großen Umweltverbände des Landes in Blankenheim. „Uns wurde vom Ministerium mehrfach zugesichert, dass keine großen Waldflächen zum Verkauf angeboten werden“, erklärte Paul Krötges, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), zuletzt noch im August. „Doch plötzlich platzte die Bombe, und die wertvollsten Flächen der Eifel sollen verscherbelt werden.“ Alle Naturschutzverbände seien sich einig, dass man sich gegen diesen „Wortbruch mit allen Mitteln wehren“ müsse. „Es ist Gefahr im Verzug, das Land nimmt den Naturschutz nicht ernst“, so Krötges. „Der Wald muss in öffentlicher Hand bleiben“, fordert er. Wenn die Landesregierung den Forst verkaufen wolle, solle sie ihn nicht privaten Investoren anbieten, sondern zum Beispiel der NRW-Stiftung übertragen. Der Naturschützer befürchtete sogar, asiatische Investoren, etwa aus dem rohstoffhungrigen China, könnten in der Eifel auf Einkaufstour gehen.

„Die Vorwürfe der Umweltschutzverbände sind völlig aus der Luft gegriffen“, erklärte auf Nachfrage Markus Fliege, Pressesprecher im NRW-Umweltministerium. Für die Nutzer der Wälder werde sich durch den Verkauf nichts ändern. Die Verpflichtungen des Naturschutzes gingen auf die neuen Eigentümer über und würden im Grundbuch abgesichert. Das Vorgehen sei mit dem Bundesamt für Naturschutz abgestimmt. Sein Schlusswort: „Es bleibt dabei: Alle angebotenen Flächen werden verkauft.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Anzeige




Bildergalerien


Extra


Aktion


Das Musik-Event 2011



Die Bahnhofsreporterin


WAS.WANN.WO.


Aktuelle Verkehrsinfos


Neue ksta.tv-Videos aus der Region


RHEINLAND WETTER


Aktion


Twitter


Top-Links (Anzeige)


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste