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Niedecken

Menschenfeinde zeigen ihr Gesicht

Erstellt 15.09.08, 20:33h, aktualisiert 16.09.08, 12:35h

Vor dem von „Pro Köln“ organisierten „Anti-Islamisierungs-Kongress“ am Wochenende mehren sich die Aufrufe zum Protest. Wer Köln - bekannt für seine Warmherzigkeit, Toleranz und Liberalität - liebt, sagt Nein zu "Pro Köln" und seinen Helfern, sagt der BAP-Sänger. Ein Gastbeitrag von Wolfgang Niedecken.

Wolfgang Niedecken
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Wolfgang Niedecken (Bild: Brill)
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Wolfgang Niedecken (Bild: Brill)
Pro Köln“ - wer sollte zunächst etwas gegen diesen Namen haben, der an die Zuneigung der Kölner zu ihrer Stadt anknüpft? Aber leider kann kölsche Selbstverliebtheit auch blind machen. Zu lange tappten viele im Dunkeln über die wahren Beweggründe dieser Gruppe, die mit einer eigenen Fraktion im Kölner Stadtrat sitzt. Unter dem kölschen Deckmantel will sie menschenfeindliches und demokratieverachtendes Denken hoffähig machen.

Jetzt aber ist Schluss damit. Die selbst ernannten Kölner Biedermänner zeigen ihr wahres Gesicht. Auf ihrer Anti-Islam-Kundgebung am Wochenende fahren sie die Elite der europäischen Rechtsradikalen auf - ein wahres Gruselkabinett mit ansehnlichem Vorstrafenregister.

Es geht „Pro Köln“ nicht mehr nur um die Verhinderung einer Kölner Großmoschee. Die Ängste, Befürchtungen und Fragen der Anwohner und Einzelhändler in Köln-Ehrenfeld, ihre Vorschläge für eine bessere Verkehrsführung und ein kleineres Gemeindezentrum mit weniger Einkaufsgeschäften wurden von „Pro Köln“ ohnehin nur missbraucht. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Es geht am Wochenende darum, eine Allianz der europäischen Rechtsradikalen zu schmieden. Soll am kölschen Wesen Europa genesen? Wie widerlich!

„Pro Köln“ ruft auf seinen Flugblättern wieder einmal ein „stolzes Europa der Vaterländer“ aus. Eine Denkfigur aus der Hitler-Zeit, die für die Ideologie der NPD und der Neuen Rechten prägend ist. Jeder dorthin, wo er hingehört: Der Kölner bleibt in Köln und der Türke in der Türkei. Man muss Menschen hassen, wenn man so denkt.

Die Stadt, die für ihre Warmherzigkeit, Toleranz und Liberalität berühmt ist, darf das nicht zulassen. Die Stadt, in der das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen möglich ist, deren Fußballfans regelmäßig mit ihrem Viel-Völker-FC fiebern - diese Stadt muss sich wehren. Und die Stadt, die mit ihrer Aktion gegen Ausländerfeindlichkeit „Arsch huh, Zäng ussenander“ Geschichte geschrieben hat, kann sich auch wehren. Weil uns die Feinde der Freiheit und des humanen Zusammenlebens anekeln. Weil wir sie nicht in dieser Stadt haben wollen. Weil wir den rechtsextremen Biedermännern die Maske vom Gesicht reißen müssen, wo immer wir sie stellen. Damit sie nicht als Wölfe im Schafspelz die ernsthaften Sorgen und Nöte unserer Bürger für ihre Sache instrumentalisieren können. Solche Rattenfänger hatten wir in der deutschen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts schon genug.

Deshalb: Aus Liebe zu dieser Stadt und ihren Menschen - mit all ihrer Freundlichkeit, ihren Macken, Widersprüchlichkeiten, ihrer selbstverständlichen Vielfalt und ihrer Herzlichkeit - werde ich am Samstag „Nein“ zu „Pro Köln“ und seinen rechtsradikalen Helfern sagen.

Unser Autor, geb. 1951, ist Frontmann der Kölner Rockband BAP. Niedecken ist auch als Maler hervorgetreten. 1992 war er Mitinitiator der Anti-Rassismus-Kampagne „Arsch huh, Zäng ussenander.



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