Schriftgröße

Kongress von Pro Köln

Alte Brühe in neuen Gefäßen

Von Aiman A. Mazyek, 16.09.08, 23:28h

Um den Islam geht es bei der Auseinandersetzung in Köln schon lange nicht mehr. Es geht schlicht und ergreifend um den Erhalt unserer freiheitlichen Demokratie und das Recht auf Selbstbestimmung.

Mazyek
Bild vergrößern
Aiman A. Mazyek, geb. 1969, ist Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland.
Mazyek
Bild verkleinern
Aiman A. Mazyek, geb. 1969, ist Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland.
Viele Demos, Kundgebungen und „Sit-ins“ gegen den sogenannten „Anti-Islamisierungs-Kongress“ sind um den 20. September in Köln gemeldet. Damit haben die fremden- und islamfeindlichen Triebtäter eines ihrer wichtigsten Ziele bereits verfehlt: Hass gegen eine Minderheit und Rassismus weiter salonfähig zu machen. Die geballte Gegenreaktion der Bürger demaskiert auf ihre so wunderbare kölsche Art „Pro Köln“ und Co. Lasst uns Muslime mit allen Kölnern friedlich, gesittet und demokratisch unseren Protest gegen die braunen Umtriebe zeigen, ohne uns provozieren zu lassen!

Durch die Einladung bekannter Nazigrößen und Holocaust-Leugner soll auch international Aufmerksamkeit erregt werden. Das Bild Deutschlands im Ausland, das nicht zuletzt von positiver Berichterstattung über die vom Innenminister einberufene Islamkonferenz herrührt, wird so beschädigt.

Die extrem Rechten wollen auch heute gerne nationalistisch marschieren, müssen aber auf ihre Symbolik von gestern verzichten. Also verstecken sie ihren Rassismus und sogar Antisemitismus hinter islamfeindlichen Parolen. Dies ist ein billiger und feiger Trick. Dies ist die alte Brühe in neuen Gefäßen. Gerade die Muslime und ihre Verbände - zumal als Betroffene - hätten diesen Trick früher durchschauen und der Öffentlichkeit kommunizieren müssen.

Aber es ist noch nicht zu spät. Wer vor den 2009 stattfindenden Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen mit Islam-Bashing auf Stimmenfang gehen will, spaltet die Gesellschaft. Doch nicht nur Nazis hetzen gegen Flüchtlinge, Asylsuchende oder Muslime. Dumpfe Parolen und gar konkrete Politik gegen diese Menschen werden - gewollt oder ungewollt - auch von dem einen oder anderen Politiker, Intellektuellen oder Medienvertreter vorangetrieben. Pauschale Sprüche wie Ralph Giordanos „Der Islam ist das Problem“ nähren jenen vergifteten Boden, den der Absender eigentlich bekämpfen will. Wer ein verzerrtes Bild vom Islam zeichnet, muss oft als Kronzeuge für Rechtsextreme herhalten. Lernen wir aus diesen Fehlern, und lassen wir sie in Zukunft nicht mehr zu!

Es ist gut, wenn Herr Giordano sagt, er werde sich „vor jeden Muslim“ stellen, der von Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit betroffen sei. Denn: Um den Islam geht es bei dieser Auseinandersetzung schon lange nicht mehr. Es geht schlicht und ergreifend um den Erhalt unserer freiheitlichen Demokratie und das Recht auf Selbstbestimmung. Sollen diese Errungenschaften einer Projektionsfläche für „Islamangst“ geopfert werden? Gegen alle, die so etwas vorhaben - ob ursprünglich Atheist, Muslim, Jude oder Christ, - werden wir uns „querstellen“.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige


Umfrage

Mehr autofreie Zonen für Köln?
Der Platz vor der Eigelsteintorburg ist schon autofrei, nun soll der Chlodwigplatz folgen. Auch für den Neumarkt schlägt der Masterplan vor, eine Seite für den Verkehr zu sperren. Ist das sinnvoll?


Special


Anzeige




Modisch aufgefallen


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Offene Schulen


Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Aktuelle Verkehrsinfos


Service


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste