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Moderne Männer

Kickern und wickeln im Väterzentrum

Von Thomas Gesterkamp, 19.09.08, 17:16h

Dank des Elterngeldes nehmen immer mehr Männer eine berufliche Auszeit, um sich intensiv um ihre Kinder kümmern zu können. In Väterzentren tauschen sie sich über Erziehung, aber natürlich auch über Fußball und andere Hobbys aus.

Väterzentren
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Väterzentrum in Berliner Viertel Prenzlauer Berg (BILD: AMIN AKHTAR)
Väterzentren
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Väterzentrum in Berliner Viertel Prenzlauer Berg (BILD: AMIN AKHTAR)
An der Marienburger Straße im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg herrscht trotz breiter Bürgersteige Kinderwagenstau. Vor einer Bio-Eisdiele warten Mütter, Väter und Kleinkinder. Andere Passanten, meist ebenfalls Eltern mit Buggys, kommen nicht mehr vorbei. „Wir haben hier die höchsten Geburtenzahlen in Deutschland“, sagt Eberhard Schäfer, der um die Ecke ein „Väterzentrum“ aufgemacht hat. „Die einzelnen Familien kriegen gar nicht so viele Kinder, doch im Stadtteil leben fast nur noch Leute zwischen 25 und 40.“ Mitten im gebärfähigen Alter also, und deshalb hat sich Schäfer die Lage seines Treffpunktes genau überlegt: „Wir wollten dahin, wo der größte Bedarf ist.“

Väterzentren liegen im Trend, nicht nur in Berlin. Forciert hat diese Entwicklung das neue Elterngeld, das mit der Zahlung einer Lohnersatzleistung von 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens Männern erstmals ein auch finanziell attraktives Angebot macht, sich um ihre Kinder zu kümmern. Trotz Babypause können sie weiterhin einen Teil zum Familieneinkommen beitragen.

Die einst als „Windelvolontariat“ geschmähten Papamonate will Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen jetzt sogar verlängern - wegen der großen Nachfrage. Fast 20 Prozent der Anträge stellten im zweiten Quartal 2008 Väter - das ist nahezu sechsmal mehr als beim früheren Erziehungsgeld. Vielerorts haben Männer dennoch Schwierigkeiten, Gleichgesinnte zu finden. Still-Cafés für Mütter finden sich selbst in Kleinstädten, Treffpunkte für Väter fehlen bisher weitgehend.

Die Räume des Berliner Zentrums wirken auf den ersten Blick wie eine herkömmliche Familienbildungsstätte, dann aber fallen doch einige Unterschiede auf. Kickertische und eine Carrera-Bahn stehen neben dem Wickeltisch. Auch das Plakat, das zum öffentlichen „Papa Viewing“ der Bundesliga einlädt - mit dem Nachwuchs selbstverständlich - dürfte anderswo fehlen. Kein Zufall, trugen die Familienbildungsstätten doch früher den Namen „Mütterschulen“.

Ein Vorreiter der neuen Idee ist der Verein „Väter e.V.“ in Hamburg-Altona, der Männer schon seit 2001 gezielt anspricht und sie bei der Vereinbarkeit von Job und Privatleben unterstützt. „Wir beraten Betriebe wie Airbus oder die Senatsverwaltung und werben dort gezielt für familienbewusste Arbeitszeitmodelle“, berichtet Geschäftsführer Volker Baisch.

Wegweisend war seine Idee eines Internet-Auftritts: vaeter.de präsentiert Material zu allen Facetten aktiver Vaterschaft. „Manche Männer scheuen das direkte Beratungsgespräch, sie suchen brauchbare Informationen lieber im Netz“, erklärt Baisch. Auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gibt es inzwischen Vätertipps online, die einen Überblick über regionale Angebote geben. Sozialarbeiter, Therapeuten, Berater, Wissenschaftler und Publizisten, die in der Väterarbeit professionell tätig sind, haben sich im „Väter-Experten-Netz Deutschland“ (VEND) zusammengeschlossen. Getragen wird es von lokalen Bündnissen wie dem „Männer-Väter-Forum“ in Köln oder der Initiative „Männer und Leben“ in Frankfurt.

Im Rhein-Main-Gebiet ist die Kooperation mit großen Konzernen wie Fraport oder der Commerzbank besonders weit gediehen. „Wr versuchen jedoch, auch kleinere Firmen für väterorientierte Personalkonzepte zu gewinnen“, sagt Forums-Gründer Harald Seehausen, der schon auf Erfolge zurückblicken kann. „Wir haben es zum Beispiel geschafft, eine Impulstagung zum Väterthema gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer zu veranstalten.“

Eigentlich haben die dort vertretenen Unternehmer und Personalchefs andere Sorgen: Sie kümmern sich um Handfestes wie ihre Bilanzen oder die Suche nach Fachkräften im Mittelstand. Diesmal aber, berichtet Seehausen, stand einer von ihnen im teuren Nadelstreifenanzug auf der Bühne und „traute sich, über ein Tabuthema unter Führungskräften, nämlich über persönliche Probleme im Spagat zwischen Beruf und Familie, öffentlich zu reden“.

Die Debatte um die Vaterrolle beschränkt sich bisher weitgehend auf die Phase unmittelbar nach der Geburt. Die Pioniere der Papamonate werden bald merken, dass Kindererziehung nicht ein paar Monate, sondern zwanzig Jahre dauert. Längere Babypausen für Väter sind eine gute Idee, entscheidender aber ist eine Unternehmenskultur, die weniger geprägt ist durch Anwesenheitszwang und beliebige Verfügbarkeit.

Zumindest einzelne Firmenbosse haben verstanden: Auch Männer suchen ein berufliches Umfeld, das Freiräume bietet für ihre privaten Interessen.



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