Von Ralf Johnen, 19.09.08, 16:27h, aktualisiert 19.09.08, 17:00h
Wie Deiß berichtet, hat er gemeinsam mit drei Kommilitonen aus Istanbul und Sankt Augustin in Köln recherchiert. Das Team hat mit Vertretern des Dachverbands Türkisch-Islamische Religion (Ditib) gesprochen, jener nicht unumstrittenen Organisation, die den seinerseits heftig umkämpften Moschee-Neubau in Köln-Ehrenfeld betreiben soll. Aber die Journalistikstudenten sind auch nicht davor zurückgeschreckt, mit Mitgliedern von Pro Köln zu reden, jener rechtspopulistischen Bewegung, die hinter der „Konferenz“ steht. Allein diesen Umstand hält Murad Bayraktar für respektabel, erfordert es doch einen gewissen Mut, das Gespräch mit den öffentlich kritisierten Parteien zu suchen. Der deutsch-türkische WDR-Journalist, der das Studententeam bei der Erstellung eines fernsehtauglichen Beitrags betreut hat, ist jedoch vom Ergebnis der Recherchen beeindruckt.
Wie Deiß darlegt, scheint die nach außen wenig transparente Ditib nämlich sogar ein gewisses Verständnis für jene Bewegung aufzubringen, die Ministerpräsident Jürgen Rüttgers vor einigen Tagen noch als „rechtsextrem“ bezeichnet hat: Die Demonstration wird in dem studentischen Fernsehbeitrag zu hören sein, stehe Pro Köln zu. Man werde das respektieren. Die Moschee-Gegner ihrerseits werden mit der Aussage zu Wort kommen, dass sie mittels der Demo die politische Stimmung umzudrehen hoffe - eine objektive Schilderung des Sachverhalts, „so wie es sein sollte“, meint eine Studentin.
Brisanz und Zweifel
Doch ist dieser journalistische Idealfall auch bei einer derart brisanten Angelegenheit angemessen? Murad Bayraktar weiß, dass Zweifel angebracht sind - werde doch in der deutschen Medienlandschaft zurecht mit eindeutigem Zungenschlag über Organisationen wie Pro Köln berichtet, wenn es denn überhaupt geschehe. Bewusst jedoch habe man sich bei dieser Übung für einen neutralen Beitrag entschieden.
Auch Professor Andreas Schümchen, der das Projekt seitens der Fachhochschule Bonn / Rhein-Sieg betreut, ist mit dem Ergebnis zufrieden. Türkische Studenten, erklärt er, lernen etwas über die deutsche Medienlandschaft. Und umgekehrt auch. Darüber hinaus entstünden nun schon im vierten Jahr in Folge persönliche Kontakte - das Ein und Alles in Sachen gegenseitigem Verständnis.
Nicht alle Filmteams übrigens hatten ein inhaltlich so schweres Thema wie Deiß und seine Kommilitonen. Aysem Üstüntanir aus Istanbul etwa hatte das Vergnügen, in Lünen bei Dortmund eine Brauerei zu besuchen. Dort wird - einmalig in der Welt - ein türkisches Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Das Resultat mit dem Namen „Bey“ kann sich ihrer Meinung nach sehen lassen: „Ich schmecke keinen Unterschied heraus.“
Das WDR-Studio in Dortmund hat eine Dokumentation über den Besuch der Studenten in der Brauerei gedreht, der heute in der Lokalzeit Dortmund (über Satellit) zu sehen ist. Ein Zusammenschnitt der Studentenfilme soll auch über den deutsch-türkischen Sender „Türkshow TV“ laufen.
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