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Gegen-Demo

Eltern-Kritik am Polizei-Einsatz

Von Simon Müller und Matthias Pesch, 22.09.08, 22:15h, aktualisiert 22.09.08, 22:22h

Linksautonome greifen Unbeteiligte an. 404 Personen wurden in Gewahrsam genommen, darunter 72 Jugendliche und drei Kinder. Die kritisieren, dass die Beamten nicht immer zwischen Krawallmachern und friedlichen Demonstranten unterschieden hätten.

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Demonstration auf dem Roncalliplatz. Die Kölner Polizei hat jetzt mit der Aufarbeitung des Großeinsatzes begonnen. (Bild: Worring)
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Demonstration auf dem Roncalliplatz. Die Kölner Polizei hat jetzt mit der Aufarbeitung des Großeinsatzes begonnen. (Bild: Worring)

Die Kölner Polizei hat mit der Aufarbeitung des Großeinsatzes beim sogenannten Anti-Islamisierungskongress der rechtsextremen Organisation „Pro Köln“ begonnen. 404 Personen seien stundenlang in der Gefangenen-Sammelstelle Brühl in Gewahrsam genommen worden, darunter auch 72 Jugendliche und drei Kinder.

Von Polizei eingekesselt

Genau das hat am Montag zu teilweise heftiger Kritik der Betroffenen geführt. Die Beamten, so der Vorwurf, hätten nicht immer zwischen Krawallmachern und friedlichen Demonstranten unterschieden.

Viele Eltern wussten offenbar lange nichts von dem Verbleib ihrer Kinder. Andere warteten in der Nacht zum Sonntag mehrere Stunden vor der Gefangenen-Sammelstelle auf die Freilassung der Minderjährigen.

Erst nach Mitternacht sei ihre 15-jährige Tochter entlassen worden, berichtet eine Mutter aus Köln. Die Tochter war mit drei Freundinnen und anderen Demonstranten gegen 14.30 Uhr in der Rheingasse von der Polizei eingekesselt worden, weil die Gruppe ohne Genehmigung weitergezogen war und jemand Steine auf die Polizisten geworfen hatte. Das Mädchen, das wie ihre Freundinnen beteuert, ausschließlich friedlich demonstriert zu haben, rief gegen 16.30 Uhr seine Mutter an, die sofort in die Altstadt eilte. Die Tochter werde wegen Landfriedensbruch festgehalten und würde nun zur erkennungsdienstlichen Erfassung nach Brühl gebracht, habe ihr ein Polizist lediglich mitgeteilt. Dort, so die Mutter weiter, habe die Tochter bis kurz nach 23 Uhr in einem kalten Bus warten müssen und sei einer Leibesvisitation unterzogen worden. Ihre Bitte, mit den Eltern telefonieren zu dürfen, habe die Polizei „überhört“. Bis zu 24 Stunden könne sie festgehalten werden, habe man ihr gesagt. Kurz nach Mitternacht wurde sie 15-Jährige dann doch freigelassen. Ihre Eltern hatten seit Stunden am Schrankenhäuschen vor der Gefangenensammelstelle gewartet. Mehr als 30 Müttern und Vätern sei es ähnlich ergangen, berichtete ein anderer Betroffener.

Die Haftrichterin, der die in Gewahrsam genommenen Personen vorgeführt werden sollten, verließ gegen 22.15 Uhr die Gefangenen-Sammelstelle, weil sie offenbar nicht mehr gebraucht wurde. „Einer aufgegriffenen Person darf nur sechs bis sieben Stunden die Freiheit entzogen werden. Wenn sie bis dahin nicht einem Haftrichter vorgeführt wurde, muss sie freigelassen werden. Gegen 22 Uhr war die zulässige Zeit abgelaufen. Der Richterin wurde niemand vorgeführt“, sagte Jürgen Mannebeck, Pressesprecher des Kölner Amtsgerichts.

„Wir arbeiten zurzeit mit Hochdruck an der Aufarbeitung der gegen die Polizei erhobenen Vorwürfe“, sagte Polizeipräsident Klaus Steffenhagen. Von den in Gewahrsam genommenen Jugendlichen stammten nur zehn aus Köln. Der überwiegende Teil der jugendlichen Demonstranten aus Köln habe sich nicht in die sogenannte Gewaltfalle locken lassen, heißt es in einem Polizeibericht.

Attacke durch Linke

Von Erfahrungen mit der Gewaltbereitschaft der Linksautonomen und mit dem Polizeieinsatz berichtet auch Günter A. Menne, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Ein Freund und dessen Bruder, mit denen er sich zum Friedensgebet in St. Maria im Kapitol treffen wollte, seien in der Altstadt von Linksautonomen attackiert worden. In einem Bericht, der auf der Internetseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“ dokumentiert ist, schildert er den Vorgang aus Sicht der beiden Opfer, die zuvor noch ihr Büro am Buttermarkt aufsuchen wollten. Ohne ersichtlichen Grund wird der Freund aufs Kopfsteinpflaster geschleudert, sein Bruder bekommt einen Faustschlag auf die Brust. „Wir rappeln uns auf und trollen uns wie zwei getretene Hunde“, so der Bericht.

Die Polizisten, denen die beiden von dem Vorfall berichteten, hätten lediglich geantwortet: „Na, dann können Sie heute mal eben nicht in Ihr Büro.“ Auf die Feststellung, dass die Ordnungskräfte also offenbar die Staatsgewalt an ein paar Autonome abgetreten hätten, habe ein Polizist erwidert: „Ach, denken Sie doch, was Sie wollen.“ Menne selbst betont, die jungen Polizisten treffe keine Schuld an der Eskalation. „Ganz im Gegenteil: Auch sie haben einstecken müssen, und das nicht zu knapp.“



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