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Moscheen

Zündstoff Architektur

Von Günter Kowa, 26.09.08, 22:41h, aktualisiert 27.09.08, 17:18h

Der "Euro-Islam" im Spiegel seiner Moscheen. Paul Böhm, Architekt der Kölner Moschee, ist Teilnehmer einer Diskussionsrunde in Berlin.

Paul Böhm Moschee Islam
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Das Modell der Moschee in Köln-Ehrenfeld, entworfen von Paul Böhm. (Bild: dpa)
Paul Böhm Moschee Islam
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Das Modell der Moschee in Köln-Ehrenfeld, entworfen von Paul Böhm. (Bild: dpa)
Der Neubau von Moscheen auf europäischem Boden ist derzeit eines der heißesten Themen auf der gesellschaftspolitischen Tagesordnung. Doch was haben die Architekten der Bauprojekte zu der Debatte beizutragen? Kommt es in der gegenwärtigen Atmosphäre eines beiderseitigen Misstrauens überhaupt noch auf architektonische Formen an?

Dass diese Fragen überraschend relevant sind, stellte sich bei einer Diskussionsrunde heraus, zu der die angesehene Berliner Architektur-Galerie Aedes eingeladen hatte. Auf dem Podium saßen neben dem gestaltgebenden Urheber der umstrittenen Kölner Moschee in Ehrenfeld, Paul Böhm, auch mehrere Protagonisten aus den Niederlanden. Das lag zum einen daran, dass die niederländische Botschaft gerade eine Reihe von Foren zu verschiedenen Themen aktueller Baupolitik gemeinsam mit Aedes veranstaltet. Zum anderen findet sich das traditionell tolerante Land selber im Brennpunkt von Auseinandersetzungen über den rechten Umgang mit dem Islam.

Es ist daher fast symptomatisch, dass es ein Amsterdamer Verlag ist, bei dem soeben ein Buch mit dem Titel „Euro-Islam Architektur“ erschienen ist. Der Autor, der Berliner Architekturkritiker Christian Welzbacher, moderierte das Gespräch, flankiert von seiner Verlegerin, der Kunsthistorikerin Martien de Vletter. Dem Kölner Kollegen zur Seite saßen Wilfried van Winden, dessen Delfter Büro derzeit eine große Moschee in Rotterdam baut, sowie der türkisch-stämmige Professor für Entwerfen an der Technischen Universität Eindhoven, Hüsnü Yegenoglu. In seiner Einführung zu neuen und geplanten Moscheen in Europa wurde jedenfalls schlagartig deutlich, wie Form sehr wohl immer noch Haltung ausdrückt. Muslimische wie nicht-muslimische Architekten suchen offenbar intensiv nach zeitgemäßen Antworten auf die eherne Tradition des Moscheebaus, aber auch auf ihre Zeichensprache, die mit Kuppel und Minarett so symbolschwer besetzt ist.

Was da an neueren Beispielen Revue passierte, ließ die ganze Bandbreite erkennen. Die aus Jordanien stammende englische Star-Architektin Zaha Hadid hat für eine geplante Moschee in Straßburg einen ihrer schwungvoll fließenden Entwürfe vorgelegt, bei dem keines der Standard-Merkmale des Bautypus in Erscheinung tritt. Das bosnisch-stämmige Büro Jasarevic hat für eine Gemeinde in Penzberg bei München ein Gebäude errichtet, das schon im Namen - „Islamisches Zentrum“ - den Begriff Moschee vermeidet und ganz modernistisch als rechtwinklige Box daherkommt. Aus einer Ecke wächst zaghaft ein filigranes Minarett heraus, das zugleich als Abluftkamin dient. Wilfried van Windens Moschee für Rotterdam dagegen sah auf der Computersimulation geradezu wie der Idealtypus der klassischen Moschee in der Version des 19. Jahrhunderts aus: Bögen, Kuppeln und das hochaufragende Minarett-Paar ergeben ein bewusst historisierendes, sentimentales und traditionelles Bild.

Dagegen geht Paul Böhm in Ehrenfeld ebenso elegant wie progressiv mit dem Vokabular der Moschee um und will das auf seine Weise symbolhaft verstanden wissen: Die in Schalen sich auflösende Kuppel steht für die erklärte Offenheit der Gemeinde und ihrer Religion, und durch den weiten Vorplatz nebst „Basar“ soll sich jedermann eingeladen fühlen. Böhm war aber auch bemüht, sein Bekenntnis zu klassischem europäischen Städtebau zu unterstreichen. Ein prominentes Bauwerk müsse demnach die Stadt bereichern und in ihrem Inhalt erkennbar sein. Letzteres ist sichtlich kein Anliegen etwa von Zaha Hadid, aber - warf Welzbacher ein - das könnte auch auf eine radikale Interpretation der Bauaufgabe „Moschee“ deuten, für die es im Grunde kein Programm gibt: „Es ist nur ein Gebäude, das nach Mekka ausgerichtet ist.“

Keine radikalen Entwürfe

Doch wie frei ist der Architekt gegenüber seinen Auftraggebern? Die Verlegerin de Vletter merkte an, dass die muslimischen Gemeinden in der Regel keinen radikalen Entwurf wünschen. Und selbst die Penzberger Schachtel könnte mit den bosnischen Verknüpfungen von Architekt und Gemeinde zusammenhängen, wie ein Zuhörer meinte: In Bosnien sind viele Moscheen eckig. Selbst ein so traditioneller Bau wie der in Rotterdam geriet zeitweilig ins Stocken, als die überwiegend marokkanische Gemeinde Geld aus arabischen Quellen bekam, von wo Einwände gegen die Architektur laut wurden.

Jedenfalls hatte der Architekt über seinen Auftrag wenig mehr zu sagen, als dass er sich ganz an den Wünschen der Bauherren orientiere. Bei Böhm klang das schon eher nach aktiver Auseinandersetzung. „Wir wissen, dass wir einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten haben.“ Das sei der Gemeinde, überrascht von der großen Resonanz, erst allmählich bewusst geworden. Yegenoglu stufte auch den vorangegangenen Architekturwettbewerb als einen „ersten Schritt zur Offenheit“ ein. „Die Frage ist jetzt, wie geht es weiter?“ Die Moschee sei immer auch Teil eines sozialen Netzwerks. Genau da fängt es an, wirklich heikel zu werden. So erinnerte jemand aus dem Publikum an die Nachfrage Günter Wallraffs, ob die Bibliothek auch für islamkritische Literatur offen sei: Die Antwort steht noch aus.



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