Von Markus Schwering, 28.09.08, 20:12h, aktualisiert 13.10.08, 08:13h
Das war womöglich eine kluge Entscheidung, aber von Zivilcourage zeugt sie nicht. Indes ernennen sich ja in diesen Tagen so viele selbst zu Zivilcouragierten, dass ich ob dieses inflationären Gebrauchs schon fast wieder salviert bin. Jüngst hat Köln mal wieder gezeigt, wie antifaschistisch es ist - obwohl es, bei Licht besehen, damit auch 1933 nicht so weit her war. Aber Mythenpflege tut ja immer gut - zumal dann, wenn sie so wohlfeil zu haben ist.
Anlässlich der Massenproteste gegen die rechtsradikale Anti-Islam-Konferenz war eben auch viel von „Zivilcourage“ die Rede. Nur: Wenn eine breite Gegenbewegung, deren Bogen sich vom christdemokratischen Oberbürgermeister bis zu den SED-Abkömmlingen im Rat spannt, ein erbärmliches Häuflein von Neonazis nach allen Regeln der Kunst fertigmacht - ist das Zivilcourage? Nicht so richtig, denke ich; vielmehr wird, was dieser Begriff meint, auf groteske Weise entwertet. Courage hätten, sorry, dann eher die Figuren von „Pro Köln“ samt Bundesgenossen für sich reklamieren können, die ein veritables Spießrutenlaufen zu absolvieren hatten.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Bei diesen Leuten handelt es sich um eine widerliche Truppe, der die Kölner freilich am besten dadurch begegnen, dass sie sie in der nächsten Kommunalwahl aus dem Rat kegeln. Statt dessen peinlich-triumphales Gutmenschentum zentnerweise, usurpiertes Widerstandsethos. „Sie kommen nicht durch“, konnte ich da auf einem Plakat lesen. Mit Verlaub, „No pasaran“ war die Parole der verzweifelten republikanischen Verteidiger Madrids gegen die Franco-Truppen im Spanischen Bürgerkrieg. Wie weit müssen eigentlich historische Ignoranz oder Selbstüberhebung oder ideologische Verblendung gediehen sein, dass man sich anmaßt, anlässlich eines bizarren Spinner-Meetings solche Parallelen zu ziehen?
Und es bleibt die Frage: Wie verhalten sich die Zivilcouragierten, wenn sie demnächst abends in der Straßenbahn eine unangenehme Situation zu bewältigen haben - allein, nicht im mutmachenden großen Haufen?
Gesammelte Kolumnen unter www.ksta.de/schwering
Nein - nichts falsch verstanden ....
03.10.2008 | 13.28 Uhr | milvij
... und und nun sinniere ich, Herr Schwering:
Wie arrogant darf sich ein Redakteur verhalten? Wie viele Beleidigungen sind erlaubt? Oder wird hier…
Hab' ich da was falsch verstanden?
03.10.2008 | 13.25 Uhr | milvij
Habe ich nicht gelernt aus der Berichterstattung im Vorfeld des Pro Köln Kongresses, aus dem Aufruf von Alfred Neven Dumont, aus der Rede von…
Abends in der Straßenbahn
01.10.2008 | 01.39 Uhr | t.rueger
Eine tabulose Kriminalitätsbekämpfung, also ein Weniger an Alltagssituationen, in denen der Linksbourgois eigentlich Zivilcourage zeigen müsste, das…
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