Von Susanne Rohlfing, 01.10.08, 22:18h
Oberflächlich betrachtet. Tatsächlich geht es um viel mehr. Für den Schwaben Krasniqi (37) dürfte das Duell mit dem elf Jahre jüngeren Ukrainer Dimitrenko die letzte Chance sein, noch einmal in die Nähe eines WM-Kampfes zu kommen. Den einen, den er bislang hatte, hat er im September 2005 in einem grandiosen Gefecht mit Lamon Brewster verloren. Eine frühere Chance hatte Krasniqi im Juli 2002 verspielt, als er gegen Przemyslaw Saleta in Führung liegend aufgab. Und in seinem letzten Kampf im Juni 2007 ließ er sich von Tony Thompson verhauen und überließ damit diesem die Aufgabe, Weltmeister Wladimir Klitschko herauszufordern (und gegen ihn zu verlieren). „Das war eine Arbeitsverweigerung“, sagt Krasniqi heute über diesen letzten Kampf. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal verprügeln lassen würde.“ Und: „So kann ich nicht aufhören.“
Für Alexander Dimitrenko wiederum muss es langsam losgehen. Der Hüne mit dem kindlichen Gesicht ist seit 2001 Profi. Er kam als Junioren-Weltmeister mit großen Zukunftsaussichten zu Universum, doch in seinen letzten Kämpfen war er nicht so überzeugend, wie sein Promoter es sich gewünscht hätte. Jetzt muss er gegen Krasniqi antreten, damit ist die Zeit des Welpenschutzes für ihn wohl vorbei. So kann man es sehen. Krasniqi sieht es anders. Er sagt: „Ich freue mich sehr über diese Chance, aber ich weiß natürlich, wie es in der Branche läuft.“ Da werden die Alten schon mal für die Jungen geopfert. Und ein großer Sieg gegen den in Deutschland weitaus bekannteren Krasniqi könnte den jungen Dimitrenko sportlich und medial weit nach vorn bringen.
Für den Jurastudenten gibt es keinen Zweifel, dass er den Ring als Sieger verlassen wird. „Ich will nicht angeberisch sein“, sagt Dimitrenko. Er überlegt einen Moment. Findet nicht die richtigen Worte. Und fügt an: „Sie werden alles im Ring sehen.“ Er hatte den bereits für März geplanten Kampf damals platzen lassen, weil er mehr Geld wollte. Jetzt bekommt er mehr, also macht er sich auch keine Gedanken, ob er Verständnis dafür hat, dass Krasniqi nach dem Thompson-Desaster zurückkommen möchte. „Wenn er das unbedingt haben will“, sagt Dimitrenko, „von mir aus“.
Verwirrende Trainerfrage
Krasniqi will. Und er wird sich mit seinem ehemaligen Amateur-Trainer Walentin Silaghi vorbereiten. „Damit schließt sich der Kreis“, erklärt Krasniqi. Universums Top-Trainer Michael Timm sagt allerdings, Krasniqi habe darum gebeten, von ihm betreut zu werden. Doch er habe abgelehnt, weil er das „vom Herzen her“ nicht mehr könne. Timm war Krasniqis Trainer, als dieser gegen Saleta aufgab, und entschied sich später dafür, Sinan Samil Sam auf dessen Stall-Duell mit Krasniqi im Februar 2004 vorzubereiten. „Seitdem sind wir geschiedene Leute“, betont Krasniqi und dementiert, Michael Timm erneut als Trainer gewollt zu haben.
Die Höhen und Tiefen des Luan Krasniqi sind manchmal ein wenig undurchschaubar. So sei sein Charakter, sagt der gebürtige Kosovo-Albaner. „Ich verstehe es auch nicht, aber ich brauche die Tiefen, um zu Höhen zu gelangen.“
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