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Marathon

Ganz Köln auf den Beinen

Von Peter Berger, 02.10.08, 13:28h, aktualisiert 04.10.08, 13:48h

Skandinavientief Quinta meint es nicht gut mit den Läufern, die am Sonntag beim 12. Köln Marathon an den Start gehen: Das Wetter wird nass-kalt. Doch die 9 800 Marathonis und 11 500 Halbmarathonis werden sich die Laune nicht vermiesen lassen. Lesen Sie zur Einstimmung unser Marathon ABC.

Köln Marathon
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9 800 Marathonis, 11 500 Halbmarathonis, 1 800 Skater, 600 Walker, 240 Schul-, 60 Kulurstaffeln und 100 Handbiker: Sonntag ist Köln auf dem Laufenden. (Bild: Grönert)
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9 800 Marathonis, 11 500 Halbmarathonis, 1 800 Skater, 600 Walker, 240 Schul-, 60 Kulurstaffeln und 100 Handbiker: Sonntag ist Köln auf dem Laufenden. (Bild: Grönert)
Köln - Ausdauer-Forum: So etwas wie ein Wissenschaftssymposium zum Marathon. Ab zehn Uhr geht's am heutigen Samstag in den Rheinparkhallen der Köln-Messe um die Last mit der Lust an der Belastbarkeit, um Körperstatik von Kopf bis Fuß, um Ernährung und die Frage der richtigen Abfolge von Aktion und Regeneration beim Training. Das Ganze dauert drei Stunden - also Ausdauer mitbringen.

Blaue Linie: Zwölf Jahre hat es gedauert, bis Köln sich auch in Sachen Ideallinie mit den großen Marathonläufen in Deutschland, also mit Berlin und Hamburg, messen kann. Interessant aber nur für die Spitzenläufer, bei denen es auf die Sekunden ankommt. Schließlich soll 2008 endlich ein Streckenrekord her. Der aktuelle ist vier Jahre alt, steht bei 2:10:55 Stunden, aufgestellt von James Rotich aus Kenia. Bei den Frauen ist das noch länger her. Die 2:27:27 Stunden stehen seit der Premiere 1997. Damals gelaufen von Angela Kanana, natürlich auch aus Kenia. Von ihr stammt auch der legendäre Satz, als man ihr den Schlüssel für einen Ford Mondeo als Hauptpreis in die Hand drückte: „Was soll ich mit einem Auto, gebt mir lieber einen Traktor.“

Championchip: Ohne den kleinen gelben Plastikchip am Schuh, befestigt mit dem Schnürsenkel, gibt es keine Zeitmessung. Rote Matten an Start und Ziel und auf der Strecke bei zehn, 21 und 30 Kilometern registrieren jeden Läufer mit seiner individuellen Zeit. An mehreren Stellen, die vorher keiner kennt, werden Zusatzmatten gelegt. Damit keiner mogelt und zwischendurch ein Stück U-Bahn fährt. Ist alles schon vorgekommen. Wer dabei erwischt wird, hat in Köln keine Chance mehr und wird disqualifiziert.

ksta.tv: Marathon-Tipps vom Profi Thomas Eickmann

DuMont-Cup: Auszeichnung für den Nachwuchs. Zum zweiten Mal gibt's das Junioren-Rennen über 21 Kilometer. Die Besten werden um 12 Uhr geehrt: Auf der DuMont-Meile vor dem Verlagshaus an der Amsterdamer Straße 192.

Ehrenamtler: Ohne sie geht's nicht. 2300 sind am Start, auf zehn Läufer kommt ein Helfer. Sie geben die Startbeutel aus, verteilen Bananen, sichern die Strecke, sorgen für medizinische Betreuung und hängen Medaillen auf durchgeschwitzte Shirts. Und das alles für ein Lächeln, ein Dankeschön und eine Helfer-Party.

Finisher: So dürfen sich alle nennen, die es geschafft haben. Die Finisher-Quote ist übrigens sehr hoch: 2007 erreichten von 10 261 Startern immerhin 9778 das Ziel. Das sind 95,3 Prozent. Beim Halbmarathon lag die Quote sogar bei 99 Prozent. Was beweist: Marathonläufer gehen in aller Regel gut vorbereitet an den Start.

Glückshormone: Auch Endorphine genannt. Sie sollen angeblich ausgestoßen werden, wenn der „Mann mit dem Hammer“ kommt, was bei vielen Hobbyläufern um Kilometer 30 der Fall ist. Weil dann sind die gespeicherten Kohlenhydrate aufgebraucht sind und der Körper damit beginnt, sich die Energie über die Verbrennung von gespeicherten Fettzellen zu holen. Glückserlebnisse sind dabei aber selten. Weil alle Läufer grundsätzlich einen erhöhten Endorphin-Spiegel haben, sagen Wissenschaftler. Sie halten die Theorie vom Glückshormon-Ausstoß für Mumpitz. Wenn es sie glücklich macht.

Halb lang: Das sagen sich immer mehr Läufer, seit vor drei Jahren der Halbmarathon eingeführt wurde. 11 500 muten sich am Sonntag „nur“ die kleine Runde zu, müssen dafür früher raus. Der Start ist schon um halb neun. Die volle Dröhnung, also jeden der 42 195 Meter, werden 9700 Aktive in Angriff nehmen.

Inliner: Fühlen sich in Köln zu immer etwas stiefmütterlich behandelt, was aber höchstens an der Strecke liegen kann. Sie ist für Skater relativ eng, hat viele Kurven und Stolperfallen wie Straßenbahnschienen. Das Skater-Eldorado ist Berlin. Vor einer Woche starteten beim Berlin-Marathon knapp 8000 bei einer eigenen Abendveranstaltung vor 200 000 Zuschauern. In Köln sind es wesentlich weniger: Rund 1800 haben sich angemeldet.

Jubilée-Club: Vereinigung der Wiederholungstäter. Wer zehn Mal in Köln beim Marathon ins Ziel gekommen ist, darf beitreten. Auf freiwilliger Basis. Immerhin haben sich mehr als 300 Läufer und rund 70 Skater für die Kreis der Auserwählten qualifiziert. Die Jubilare können sich treffen, wenn sie es wollen: am Samstag, 4. Oktober, 12 Uhr, erste Etage der Marathon-Messe.

Kultur-Staffeln: Neu im Programm, aber im Grunde nichts anderes als die Karnevals-Staffeln beim elften Rennen im vergangenen Jahr. Sechs Aktive teilen sich die Strecke, das macht's leichter. Schwierig wird's dagegen, sich ein möglichst originelles Motto auszudenken, das nach außen deutlich zu erkennen ist. 66 Staffeln trauen sich das zu. Je bunter, desto besser, ist die einzige Vorgabe des Veranstalters.

Lumpensammler: Rollt am Ende des Feldes und sammelt die Verletzten, Fußlahmen und Enttäuschten ein. Danach kommt nur noch die Kehrmännchen-Kolonne. Der Lumpensammler bleibt meistens leer, weil die wenigen, die nicht mehr weiter konnten, lieber so nach Hause gehen.

Mockenhaupt, Sabrina: Die Lokalmatadorin des „Kölner Verein für Marathon“ gewann vergangenes Jahr bei ihrer Marathon-Premiere in Köln mit 2:29:33 Stunden auf Anhieb das Rennen und schaffte die Olympianorm für Peking. Dort startete die 27-Jährige über 10 000 Meter und lief im „Vogelnest“ mit 31:14:21 Minuten persönliche Bestzeit. Für sie fällt der Köln-Marathon 2008 flach, weil „Mocki“ sich drei Wochen später in Frankfurt für die deutsche Mannschaft für die Leichtathletik-WM 2009 in Berlin qualifizieren will. Deshalb ist sie in Köln nur beim Halbmarathon am Start.

Nahrungsaufnahme: Während des Laufens gar nicht so einfach. Verpflegungsstände gibt's im Schnitt alle drei Kilometer. Anfangs nur mit Wasser, später mit Bananen, Power-Riegeln, Cola und isotonischen Getränken. Wer will, kann seine eigenen Mixturen zu den Ständen bringen lassen. Aber das tun die wenigsten, höchstens ein paar der Spitzenläufer und die Argwöhnischen, die dem Fremdfutter nicht trauen.

Orden. Gibt's natürlich nicht. Die heißen auch in Köln Medaillen und werden jedem, der das Ziel erreicht, um den Hals gehängt. Nach der Panne im vergangenen Jahr, wo es für die Letzten keine mehr gab, sollen sie diesmal in ausreichender Zahl vorhanden sein. Und Urkunden gibt es auch wieder, nachdem sie aus Spargründen abgeschafft waren. Die werden später zugeschickt. Im Internet kann sich jeder auch noch mal seinen eigenen Zieleinlauf ansehen.

Pasta: Sollen für Marathonläufer angeblich unverzichtbar sein. Wegen der Kohlenhydrate. Deshalb gibt's am Tag vor dem Rennen auch eine Art kollektives Nudelessen in den Rheinparkhallen: am Samstag von 13.30 bis 18 Uhr.

Quälerei: Sollte ein Marathon eigentlich nicht werden, wenn man zuvor ausreichend trainiert hat. Kommt aber schon mal vor, dass auf den letzten Kilometern die Muskeln schmerzen und verkrampfen. Da helfen dann durchaus ein paar aufmunternde Sprüche, aber bitte nicht das bei Ausdauersportlern äußerst unbeliebte „Hopp, hopp, hopp.“ Ein Marathon ist schließlich kein Pferderennen.

Redensart: Läufer leben zwar nicht länger, aber sie sterben gesünder. Wird oft zitiert, aber keiner weiß, wer den Satz erfunden hat.

Schulmarathon. Findet statt, auch mitten in den Herbstferien. Bereits zum zehnten Mal. Jede der rund 240 Staffeln besteht aus sechs Kindern plus einem Reserveläufer, macht fast 1800 Aktive. 130 Schulen aus NRW sind beteiligt, einige schicken bis zu sechs Staffeln ins Rennen. Die Läufer sind gut zu erkennen. Sie tragen ein Tasuki, das ist ein gelbes Band, das in den Wechselzonen von Läufer zu Läufer weitergereicht werden muss. Diese Idee stammt aus Japan.

Tomzig, Erich: Vater des Köln-Marathon, im August 2002 mit 61 Jahren gestorben. Die Kölner Lauf-Legende hat rund 300 Marathonrennen absolviert, es dabei auf mehr als 164 000 Kilometer gebracht. Der Panoramalauf über drei oder sechs Kilometer am Marathon-Samstag ist nach ihm benannt. Start ist um 11.30 Uhr am Tanzbrunnen an der Köln-Messe. Mitmachen kann jeder kostenlos. Spende für den Diabetes-Walk erwünscht.

Unentwegte: Das sind diejenigen, die von einem Wettbewerb nicht genug kriegen können. Vier Starter „gönnen“ sich gleich 105 Kilometer Köln, laufen erst den Halbmarathon, schnallen sich dann die Skates unter, um nach 42 Kilometern auf Rollen das gleiche nochmal zu Fuß zu bewältigen. Knapp 90 Starter muten sich erst den halben und dann den ganzen Marathon zu.

Vorbereitung: Das Training für den Marathon ist gesünder als der Lauf selbst. 42 Kilometer Asphalt sind trotz aller möglichen technisch fein ausgeklügelten Dämpfungssystem in den Schuhen wahrlich kein Festtag für den Bewegungsapparat. Deshalb kursiert unter Orthopäden auch der Spruch: Am besten beim letzten Lauf vor dem Wettkampf umknicken, das sei am Gesündesten.

Weltrekord: Wird es in Köln mit Sicherheit nicht geben. Steht seit vergangenen Sonntag bei 2:03:59 Stunden, gelaufen in Berlin von der Lauflegende Haile Gebrselassie (35). Der Äthiopier unterbot seine Bestmarke aus dem Jahr 2007 noch einmal um 27 Sekunden und will noch mehr. Im Interview nach dem Berliner Rennen verriet er den Journalisten, dass sein größter Gegner das Alter sei. Bei den Frauen wird die Bestmarke auch nicht geknackt. Sie steht seit April 2003 bei 2:15:25 Stunden, damals gelaufen von der Britin Paula Radcliffe in London.

X-Beine: Laufen auch mit - hundertfach. Wie überhaupt der Köln-Marathon eine wunderbare Gelegenheit bietet, vom Straßenrand aus die verschiedensten Laufstile zu begutachten. Nur im Rückwärtslauf hat sich keiner versucht. Wäre bei der Entfernung auch kaum zu schaffen. Das Ziel schließt spätestens nach sechs Stunden.

Y. Fällt einem in Köln nichts zu ein. Außer der Tatsache, dass es beim Ruhr-Marathon im Frühjahr vor der Schalke-Arena in Gelsenkirchen aus der Luft zu sehen ist. Weil genau dort die beiden Strecken mit den Startpunkten in Oberhausen und Dortmund wie ein Y zusammen kommen. Allerdings in diesem Jahr nur mit ganz wenigen Teilnehmern.

Ziel: Auf der Schäl Sick in Deutz. Und das jetzt schon seit fünf Jahren. Davor war Kilometer 42 direkt am Dom. Dem trauern viele Starter immer noch hinterher. Aber bei der Masse der Läufer, die alle versorgt und verpflegt werden wollen, geht das nicht mehr. Die Rheinparkhallen der Köln-Messe sind da wesentlich komfortabler.

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