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Radio Bremen

Nicht tot, nicht lebendig

Von Jan-Philipp Hein, 06.10.08, 20:53h

Einmal war das Grüne Sofa das Zentrum des deutschen Humors. Doch die Zeiten sind lange vorbei. Radio Bremen steckt in einer strukturellen Dauerkrise. Der Stadtsender sucht Geld, Ideen und einen neuen Intendanten.

Das grüne Sofa
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Kantinenmobiliar in Bremen: Das grüne Sofa kommt noch einmal am 9. November zum Einsatz, wenn die ARD einen "Abend für Loriot" sendet. (Bild: ARD)
Das grüne Sofa
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Kantinenmobiliar in Bremen: Das grüne Sofa kommt noch einmal am 9. November zum Einsatz, wenn die ARD einen "Abend für Loriot" sendet. (Bild: ARD)
Das grüne Sofa war einmal Zentrum des deutschen Humors. In den 70ern saß Vico von Bülow alias Loriot darauf. Jetzt steht das Sofa in der Kantine des neuen Radio-Bremen-Gebäudes. Man kann sich darauf setzen und darüber witzeln, dass die kleinste ARD-Anstalt nach ihrem Umzug im Bremer Faulenquartier angekommen ist; dass ein Sender, der einmal als Experimentierfeld der ARD galt, heute kaum mehr Programm produziert.

Nur noch ein Prozent des gesamten ARD-TV-Programms liefert der Stadtsender zu: Beiträge zur Porträtreihe „Höchstpersönlich“, „Unter Deutschen Dächern“ oder „Legenden“. Die zwei „Tatorte“, die jährlich den RB-Stempel bekommen, werden im Wesentlichen mit finanzieller Unterstützung von außen realisiert. Mal zahlt der WDR und mal die ARD-Spielfilmtochter Degeto.

Neue teure Hülle

Früher war alles besser: Radio Bremen galt als einer der Innovativsten im ARD-Verbund. Loriot, Rudi Carrell, Hape Kerkeling gehörten zu den Aushängeschildern. Heute regiert die Malaise: Vor neun Jahren renovierten die Länderchefs den ARD-Finanzausgleich. Radio Bremen brach ein Drittel seiner Einnahmen weg. 2002 gab es einen einmaligen Geldregen. 64,4 Millionen Euro Strukturhilfe der ARD. Für ein neues Funkhaus, das modernste in Europa, wie es hieß - Gesamtkosten 80 Millionen Euro.

Und was kommt da raus? Ein Zwei-Stunden-Programmfenster auf einem TV-Kanal, der den sperrigen Titel „NDR-Fernsehen in Zusammenarbeit mit Radio Bremen“ trägt. Davon werden 30 Minuten auch noch vom NDR zugeliefert. Wirklich bremisch ist Talk-Klassiker „Drei nach 9“ und das Regionalmagazin „Buten un Binnen“. Der RB-Hörfunk produziert täglich 18 Stunden Programm für drei Wellen - inklusive der Musik.

Braucht es dazu einen Sender? Die Frage wird seit Jahrzehnten von der Politik mit „ja“ beantwortet. Wat mut, dat mut. Dabei wird auch das wesentlich größere Bundesland Niedersachsen von knapp 500 Mitarbeitern des Landesfunkhauses Hannover bedient. Beim Stadtsender in Bremen sind es ähnlich viele. 260 fest angestellte Mitarbeiter, 60 davon in der Verwaltung. Weitere 160 Mitarbeiter arbeiten frei. Dazu kommen noch zwei Tochterfirmen mit rund 150 Mitarbeitern. Dabei hat sich Radio Bremen schon kleiner gesetzt: Rund 700 Mitarbeiter waren es zur Jahrtausendwende.

Der Neubau fällt in die Amtszeit von Intendant Heinz Glässgen, der 1999 das Ruder übernahm. Rundfunkratsvorsitzende Eva-Maria Lemke-Schulte bilanziert: „Glässgen war sehr erfolgreich“ - aber er ist unbeliebt. Das sagt sie freilich nicht. Die ehemalige SPD-Senatorin ist um Ruhe bemüht. Bekanntlich ist das Verhältnis des Stadtstaates zum RB-Intendanten gestört. Der Katholik aus Baden-Württemberg ist weder bei der Belegschaft noch bei den Bremern beliebt, was nicht wundert, immerhin musste Glässgen den Sender schrumpfen. Glässgens (64) zweite Amtszeit läuft nächstes Jahr aus. Ob er noch mal antritt, dazu hat er sich nicht geäußert. Seine Wiederwahlchancen stehen eher schlecht. Offene Kritik kommt aus der zweiten Reihe. Martin Günthner, stellvertretender Chef der SPD-Bürgerschaftsfraktion und stellvertretender Rundfunkrat: „Er hat sich auf die Umstrukturierung konzentriert und dabei offenbar keine Zeit für Inhalte gefunden.“ Radio Bremen als ARD-Experimentierfeld sei unter Glässgen völlig abhanden gekommen. Das könne nicht nur am Geld liegen.

Geld, Geld, Geld

Am 13. November will der Rundfunkrat eine Findungskommission einsetzen. Namen möglicher Nachfolger werden noch keine genannt. Personalrats-Vorsitzender Bernd Graul weiß aber schon, was der neue Intendant zu tun hat: „Der muss sich dann mit den Mitarbeitern den zentralen Problemen stellen.“ Die da wären? Geld, Geld, Geld. „Es bedarf einer Änderung des Finanzausgleichs, sonst werden wir ein jährliches Loch von zwei Millionen Euro haben.“ Das Loch könnte auch größer werden.

Loriots altes Sofa wird indes für ein paar Monate ausgeliehen. Anlässlich des 85. Geburtstags des Meisters wandert es in die „Deutsche Kinemathek“ nach Berlin - als Ausstellungsstück für ein Programm, das Geschichte ist.



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