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Doping-Kommentar

„Glaubwürdigkeit ist im Keller”

Von Linus Gerdemann, 07.10.08, 18:43h, aktualisiert 08.10.08, 12:01h

"Wie skrupellos in diesem Fall vorgegangen wurde, das übertrifft meine Erwartungen." - Radprofi Linus Gerdemann kommentiert exklusiv im Kölner Stadt-Anzeiger den Doping-Fall Stefan Schumacher.

Linus Gerdemann
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Linus Gerdemann im Gelben Trikot des Führenden der diesjährigen Deutschland-Tour. Der Columbia-Profi gewann die Rundfahrt. (Bild: ddp)
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Linus Gerdemann im Gelben Trikot des Führenden der diesjährigen Deutschland-Tour. Der Columbia-Profi gewann die Rundfahrt. (Bild: ddp)
Ich war am Montagnachmittag in einer sehr entspannten Stimmung, mir ging es richtig gut. Doch dann erreichte mich via Internet die Nachricht, dass Stefan Schumacher positiv getestet wurde. Mich hat der Schlag getroffen. So eine Hiobsbotschaft kann unser Sport nicht gebrauchen. Vielleicht war das am Ende die eine schlechte Nachricht zu viel. Und auch jetzt, 24 Stunden später, bin ich noch fassungslos.

Dann habe ich versucht, die Geschichte der Person Stefan Schumacher etwas zu beleuchten. Es ist ja nicht das erste Mal, dass hinter ihm ein großes Fragezeichen existiert - auch das macht mich betroffen. Immer vorausgesetzt, dass auch seine B-Probe positiv ist: Dann muss ich also annehmen, dass er keine Lehren aus seiner Vorgeschichte gezogen hat. Das ist enttäuschend. Ich habe mit Stefan Schumacher nur oberflächlichen Kontakt gehabt, ich hatte den Eindruck, dass da eine große geistige Präsenz vorhanden ist. Das ist jetzt in Frage gestellt. Wie skrupellos in diesem Fall vorgegangen wurde, das übertrifft meine Erwartungen.

Ja, ich bin auch Teil der Radsport-Welt. Ja, ich bin auch ein erfolgreicher Profi. Und ja, ich schwimme jetzt in derselben Suppe wie die Fahrer, die positiv getestet werden. Entsprechend schwer fällt es mir ja auch, Außenstehenden klarzumachen, dass ich nicht dope. Ich kann nur sagen, dass ich mich für alle Tests dieser Welt bedenkenlos zur Verfügung stelle. Ich rede viel mit Jugendlichen und plädiere da vehement für einen neuen, sauberen Radsport. Diese ganze Arbeit hat Schumacher jetzt mit dem Hintern eingerissen.

Gravierende Folgen

Die Auswirkungen sind gravierend. Mir wird die Plattform für meinen Beruf entzogen. Das Fernsehen überlegt seinen Ausstieg, Sponsoren auch, unsere Glaubwürdigkeit ist im Keller. Am meisten tun mir die Jugendlichen leid, denen die Basis für ihren Sport entzogen wird. Es gibt doch jetzt kein Lottogeschäft mehr, das bedenkenlos für ein Kinderrennen spendet. Das ist furchtbar.

Und trotzdem würde ich sagen, dass es Hoffnung gibt, auch wenn sie immer mehr schwindet. Es gibt zum Glück noch viele Rennfahrer, bei denen ich fest davon überzeugt bin, dass sie sauber fahren und auch dazu stehen. Und wir sehen jetzt, wie sehr und intensiv intelligente Kontrollen greifen. Die französische Anti-Doping-Agentur leistet tolle Arbeit.

Aber es darf nicht sein, dass die Konsequenz aus dieser Arbeit eine Bestrafung ist. Zum Beispiel für die Tour de France, die als Ereignis in Frage gestellt wird. Oder auch für die Fernsehsportart Radsport. Die Betrüger werden ausgesiebt! Auch das ist eine Botschaft des Falls Schumacher.



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