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Beigeschmack beim Literatur-Nobelpreis

Von Martin Oehlen, 09.10.08, 13:30h, aktualisiert 09.10.08, 21:43h

Jean-Marie Gustav Le Clézio ist fraglos ein Autor, den man mit hohen und höchsten Ehren auszeichnen kann, darf, sollte. Und dennoch: Diesmal hat die Verleihung des Literaturnobelpreises einen schalen Beigeschmack.

Jean-Marie Gustave Le Clezio
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Jean-Marie Gustave Le Clezio (Bild: afp)
Jean-Marie Gustave Le Clezio
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Jean-Marie Gustave Le Clezio (Bild: afp)
Natürlich ist der Franzose Jean-Marie Gustave Le Clézio ein Autor, den man mit hohen und höchsten Ehren auszeichnen darf. Auch mit dem Literatur-Nobelpreis, wenn gerade kein anderer zur Hand ist. Auf diese Weise Aufmerksamkeit für respektable Autoren zu wecken, die nicht im Scheinwerferlicht stehen, ist allemal in Ordnung. Und dennoch: Diesmal hat die Verleihung einen schalen Beigeschmack. Denn das ist doch klar: Es musste ein Europäer gekürt werden - und keinesfalls ein Amerikaner. Einen us-amerikanischen Autor mit dem Literatur-Nobelpreis zu bedenken, das ist eine abstruse Vorstellung - wenn auch nur für Horace Engdahl, seines Zeichens ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie. Seiner Ansicht nach ist die europäische Literatur der amerikanischen überlegen, weil der amerikanische Kontinent irgendwie nur eine große Insel ist. Jedenfalls nähmen dessen Bewohner, so sie sich dem Dichten widmen, nicht wirklich teil am Dialog der Literaturen.

Der pure Aberwitz ist das, na klar. Aber auch eine triftige Erklärung dafür, dass es mal wieder nicht Philip Roth, Thomas Pynchon oder John Updike sind, die mit dem begehrtesten Lorbeer des Literaturzirkus ausgezeichnet werden. Vielleicht werden sie es verkraften, wenn sie sich vor Augen halten, dass die Riege der nicht mit dem Nobelpreis geehrten Autoren ebenso ruhmreich ist wie die der Ausgezeichneten selbst. Da nennen wir nur mal James Joyce und Marcel Proust für alle, die leer ausgingen.

Natürlich darf nun Le Clézio gefeiert werden. Die Schwedische Akademie aber hat dem Nobelpreis übel mitgespielt. Die Auszeichnung ist zwar weiterhin bestens dotiert - aber ihr Glanz wird matter, der Lorbeer welkt.



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