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HR und der Fall Emig

Skurrile Inszenierung

Von Rainer Braun, 10.10.08, 17:05h

Die rund 110.000 Zuschauer des NDR-Medienmagazins „ZAPP“ am 8. Oktober wurden Zeuge eines skurrilen Schauspiels: Per Videobotschaft äußerte sich HR-Intendant Helmut Reitze zum Korruptions-Fall gegen Jürgen Emig, den in erster Instanz verurteilten Ex-Sportchef des Senders.

Jürgen Emig
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Jürgen Emig auf der Anklagebank. (Bild: ddp)
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Jürgen Emig auf der Anklagebank. (Bild: ddp)

Das weit verzweigte, stolze Reich der ARD gilt allgemein als schwerfällig, was freilich nur die halbe Wahrheit ist. Denn andererseits ist der Senderverbund immer wieder für Überraschungen gut. Am Mittwochabend konnten die NDR-Zuschauer wieder etwas besonders Makabres sehen.

Per Video-Botschaft meldete sich im Medienmagazin „ZAPP“ der Intendant des Hessischen Rundfunks, um seine Sicht auf den Prozess gegen seinen Ex-Sportchef Jürgen Emig darzulegen. Der wurde bekanntlich in erster Instanz wegen Untreue und Betrug verurteilt. Interview-Wünsche wie Nachfragen seiner NDR-Kollegen zu möglichen Versäumnissen im Sender beschied Helmut Reitze hingegen negativ.

Die technische Qualität der Stellungnahme des HR-Chefs lag deutlich über jenen Videobotschaften, die uns zuletzt aus dem Hindukusch erreichten. Formal und inhaltlich bot Reitze allerdings einen Auftritt, der an die Verlautbarungen aus einer höfischen Gesellschaft erinnerte. Hier dozierte einer, der ernsthaft der Ansicht ist, er könne mit seinen Erklärungen allgemeingültige Wahrheiten über die Affäre Emig in der Öffentlichkeit verbreiten.

Schwerer Fall von Realitätsverlust?

„ZAPP“ war so schlau, die Video-Erklärung und die e-mail-Korrespondenz mit Reitze auszustrahlen. So konnten sich die Zuschauer (immerhin 110.000, Marktanteil: 4,1 Prozent) ein Bild davon machen wie es denn das Führungspersonal in Teilen des ARD-Reiches hält mit den Geboten zu Offenheit und Transparenz. Denn offiziell war auch nach der Sendung keine Stellungnahme vom HR dazu zu erhalten, was den Intendanten zu dieser Form der Selbst-Inszenierung bewegte.

Spannend dürfte sein, wie die Gremien diesen Auftritt des HR-Intendanten und seine Rolle in der Affäre Emig im Nachgang bewerten. Dabei wird es auch um offensichtliche Realitätsverluste und fehlende Kontroll-Mechanismen im Haus gehen - oder glaubt man in Frankfurt / M. und Umgebung ernsthaft, dass hier niemand etwas von Emigs Machenschaften wusste, die anderswo in der ARD längst Anlass für hämische Bemerkungen und böse Witze boten. Interessant wird auch sein, wie der Sender denn seine Rückforderungen an Emig begründet. Schließlich behielt der ja einen Teil jener Gelder ein, mit denen er journalistische Beiträge im HR käuflich machte.



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