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Forschung

Flanieren durchs römische Köln

Von Matthias Pesch, 10.10.08, 17:13h, aktualisiert 03.12.10, 11:01h

Wie hat Köln vor 2 000 Jahren ausgesehen? Ein einzigartiges Forschungsprojekt liefert hierzu überraschende Erkenntnisse. Zum ersten Mal ist es möglich, eine historische Stadt virtuell begehbar zu machen.

3-D-Rekonstruktion Köln
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Schrägaufsicht des römischen Köln des 2. Jahrhunderts nach Christus. (Bild: Forschungsprojekt)
3-D-Rekonstruktion Köln
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Schrägaufsicht des römischen Köln des 2. Jahrhunderts nach Christus. (Bild: Forschungsprojekt)
Innenstadt - Bericht vom 11.10.2008

Wuchtig erhebt sich der Kapitolstempel hinter der Stadtmauer. Eine imposante Fassade, vor der der Altar auf den Tempelstufen geradezu winzig wirkt. „Der war nicht größer als zwei Schreibtische“, sagt Hansgerd Hellenkemper, Direktor des Römisch-Germanischen Museums (RGM). Das war eine der überraschenden Erkenntnisse, die die Wissenschaftler bei der Erstellung eines dreidimensionalen Modells vom römischen Köln machten: „Wir hatten einen sehr viel größeren Altar erwartet“, so Professor Henner von Hesberg vom Archäologischen Institut der Universität zu Köln.

Für ein breites Publikum

Es ist ein bislang einzigartiges Forschungsprojekt: Zum ersten Mal sei es gelungen, mit dem römischen Köln eine historische Stadt „virtuell sichtbar und begehbar“ zu machen, so die Verantwortlichen. Die Universität, die Köln International School of Design (KISD) der Fachhochschule, das RGM und das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam haben in dreijähriger gemeinschaftlicher Arbeit ein 3-D-Modell der Colonia Claudia Ara Agrippinensium erarbeitet. „Die Erkenntnisse aus Archäologie und Bauforschung sollen einem breiten Publikum verständlich nahe gebracht werden“, benennt Michael Eichhorn vom KISD ein Ziel des interdisziplinären Projektes.

Am Freitag luden die Beteiligten zum ersten virtuellen Spaziergang durchs antike Köln: vom Kapitolstempel, wo heute die Kirche St. Maria im Kapitol steht, vorbei am Rundtempel (unter der heutigen Pipinstraße), zur Ara Ubiorum, dem Zentrum des Kaiserkultes in der Provinz Germanien, und weiter über das Forum mit der halbrunden Säulenhalle und das Praetorium zur Dionysos-Villa und zu den Gräberstraßen außerhalb der Stadt. Alles detailgenau rekonstruiert anhand aktuellen historischen Wissens, umgesetzt mit dem Know-how der Designer und Informatiker und vielen hundert Millionen eingegebener Daten.

Das Rheinpanorama Kölns im zweiten Jahrhundert nach Christus war geprägt durch eine selbstbewusste, imposante Architektur. Und das nicht ohne Grund, wie Museums-Direktor Hellenkemper erläutert. Die beeindruckende „Propaganda-Fassade“ zu den Barbaren im freien Germanien hin habe eine klare politische Botschaft und „eine ungeheure psychologische Bedeutung“ gehabt.

Wer sich zum virtuellen Bummel durch das rund einen Quadratkilometer große antike Köln aufmachen will, muss sich allerdings noch gedulden. Die Internetseite des Forschungsprojektes erlaubt derzeit lediglich erste Eindrücke von den aufwändigen dreidimensionalen Rekonstruktionen; ob und wann die Computernutzer sich selbst in der Stadt bewegen können, ist noch offen. Dies hänge ebenso von der weiteren Finanzierung ab wie die mögliche Herstellung einer DVD, so Eichhorn. Die bisherigen Projektkosten von rund 250 000 Euro hat zum größten Teil die Rhein-Energie-Stiftung Jugend / Beruf / Wissenschaft übernommen.

Tempel durchs Fernrohr

Es würde sich nach den Worten des Forscher-Teams auf jeden Fall anbieten, das Modell im Römisch-Germanischen Museum zu installieren. Michael Eichhorn vom KISD kann sich noch einen anderen Einsatzort vorstellen: Auf dem künftigen Deutzer Rheinboulevard könnten Fernrohre aufgestellt werden, durch die der Betrachter beim Blick ins Linksrheinische nicht das aktuelle Rheinpanorama, sondern die römische Silhouette der Stadt sieht.

Mit dem 3-D-Modell des antiken Köln sehen die Projekt-Beteiligten ihre Arbeit aber keineswegs beendet. „In einem weiteren Schritt wollen die beteiligten Institutionen dafür sorgen, dass das Stadtmodell von heute mit dem vor 2000 Jahren visualisiert und damit auch verglichen werden kann“, sagt Jürgen Döllner vom Hasso-Plattner-Institut.



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