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Rotten verlassen den Wald

Wildschweine machen Wohngebiete unsicher

Von F.A. Heinen, 13.10.08, 18:37h

Seit sich im Nationalpark - wie in ganz Deutschland - die Wildsauen rasant vermehrt haben, verlassen die Rotten den Wald, um ihren Nahrungsbedarf zu decken.In Heimbach sind auch bewohnte Gebiete betroffen. Nach Meinung der SPD muss die Stadt Abhilfe schaffen, Bürgermeister Züll sieht aber keine rechtliche Handhabe.

Heimbach - Die Nationalparkstadt Heimbach hat ein ziemlich „schweinisches“ Problem. Seit sich im benachbarten Nationalpark - wie in ganz Deutschland - die Wildsauen rasant vermehrt haben, verlassen die Rotten den Wald, um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Dabei haben die Schwarzkittel mittlerweile auch bewohnte Gebiete als kulinarisches Schlaraffenland entdeckt. Insbesondere die Wohngebiete im Heimbachtal sehen sich zunehmend durch Wildschweine belästigt. Zudem hinterlassen die Tiere bisweilen erhebliche Schäden.

Das Thema war bereits Anfang des Monats im Stadtrat kontrovers diskutiert worden. Im Nachgang veröffentlichte die örtliche SPD ein Thesenpapier, in dem es unter anderem hieß: „Die Wildschweine verwüsten Wiesen und Gärten. Sie laufen über Ortsstraßen.“ Die SPD sieht darin eine Gefahr für die Bürger und geht davon aus, dass die Stadt verpflichtet sei, dies zu unterbinden.

Elektrozäune?

Eine Möglichkeit sei, den Nationalpark und die angrenzenden Jagdpächter zu verpflichten, die Wildschweine mit Elektrozäunen im Wald zu halten. Wenn Jagdpächter und Nationalpark der Aufforderung nicht nachkämen, sollte die Stadt dies auf dem Wege der Ersatzvornahme selbst in die Hand nehmen. Für die SPD-Fraktion ist es nach Angaben ihres Vorsitzenden Dr. Harro Höger „absolut unverständlich“, dass die Untere Jagdbehörde des Kreises Düren die Jäger nicht verpflichtet, den Schwarzwildbestand massiv zu verringern.

In seiner Antwort bestätigte Bürgermeister Bert Züll die Wildschäden im Heimbachtal. Weiter schreibt er: „Grundsätzlich gilt für Wildschweine wie für viele andere Wildtiere, dass sie sich manchmal auch in der Stadt aufhalten, aber dem Menschen normalerweise ausweichen.“ Wenn eine Bache ihre Frischlinge bedroht sehe, könne sie allerdings auch Menschen angreifen. In solchen Fällen weiß Züll guten Rat: „Wenn man auf ein Wildschwein treffen sollte, das nicht flüchtet, sollte man sich vorsichtshalber ruhig und ohne Panik in eine andere Richtung zurückziehen.“

Das Ordnungsamt sei nur bei konkreter Gefahr zuständig. Wenn sich ein Fußgänger durch Wildschweine bedroht sehe, werde das Ordnungsamt gegebenenfalls mit dem Jagdpächter einschreiten. Die Stadt habe aber keine rechtliche Handhabe, die Jagdbezirke mit Elektrozäunen sichern zu lassen. Eine Ersatzvornahme, wie von der SPD gefordert, sei daher nicht möglich. Selbst wenn einem Bürger ein gesundheitlicher Schaden entstehe, sei Schadensersatz gegen die Stadt nicht einzuklagen. Es könne keinem Mitarbeiter ein Verschulden angelastet werden, wenn ein Stück Wild in freier Natur - dazu gehörten auch öffentliche Straßen - einem Menschen Schaden zufüge. Beifall bekam die SPD vom Bürgermeister aber in einem Punkt: Züll kann auch nicht verstehen, warum der Kreis die Jäger nicht zu erhöhtem Abschuss verpflichtet.



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