Von Barbara Scheuermann, 17.10.08, 21:40h
Man durfte also gespannt sein. Normalerweise werden die wichtigsten Abschlüsse bis zum Abend der Eröffnung der Messe abgeschlossen. Am Tag danach, dem Donnerstag, an dem das Publikum in langen Schlangen vor den Toren der Messe ausharrt, zeigen sich die meisten Galeristen im Gespräch schließlich aufgeräumt bis unverhohlen erleichtert. „Angesichts der Berichterstattung der letzten Wochen hatte ich niedrigste Erwartungen“, gibt Andreas Gegner von der Londoner Filiale der Galerie Sprüth / Magers zu, „und jetzt zeigt sich, dass diese Sorgen unbegründet waren.“
Die alteingesessene Kölner Galerie, die an diesem Samstag ihre neue Dependance in Berlin eröffnet, hat am ersten Tag gut verkauft und ihren Stand schon neu bestücken müssen. Ein wunderbares Gemälde des amerikanischen Konzeptkünstlers John Baldessari, „Prima Facie (Fifth
State) Beautiful in My Eyes“, 2006, hat für 450 000 Euro den Besitzer gewechselt, ebenso wie unter anderem das riesige, verführerische Polyurethan-Ei von Fischli & Weiss („Ohne Titel [Ei]“, 2008, 450 000 Euro), und eine Plastik von Sterling Ruby (Jahrgang 1972), „Monument Stalagmite / Wear it“, 2002, die 173 000 Pfund erlöste - und damit den Beweis erbringt, dass sich auch die noch nicht ganz und gar etablierten Künstler verkaufen lassen. „Wir haben eine festen Kundenstamm“, erläutert Gegner, „der zumindest jetzt noch nicht allzu sehr von der Finanzkrise betroffen zu sein scheint.“
„Kann sein, dass so etwas wie die »Boot« nicht mehr so gut läuft, weil weniger Jachten gekauft werden“, mutmaßt sein Kölner Kollege Daniel Buchholz. „Kunst jedenfalls findet noch Abnehmer.“ Auch er ist mit gemischten Gefühlen zur Messe angereist und nach dem ersten Tag offensichtlich angenehm überrascht worden. Mark Leckeys „Untitled (Display)“ fand für 16 000 Euro einen Käufer. Die Arbeit war in Leckeys diesjähriger Ausstellung im Kölnischen Kunstverein zu sehen, die wiederum die Jury des Turner Prize dazu bewog, den Briten für den prestigeträchtigen Preis zu nominieren; am 1. Dezember wird er verliehen. Zurzeit ist eine Ausstellung der Nominierten - neben Leckey Goshka Macuga, Runa Islam und Kathy Wilkes - in der Tate Britain zu sehen. Außer Leckeys Schaufenster konnte Buchholz schon Verkäufe einer Fotografie von Wolfgang Tillmans (50 000 Euro), einer großen Papierarbeit von Silke Otto-Knapp (5000 Euro) sowie einer kleinformatigen JuttaKoether-Arbeit (3000 Euro) verzeichnen. Ein Gemälde von Isa Genzken aus dem Jahr 1991 war am Donnerstagmittag bereits „fest reserviert“ (98 000 Euro).
Grund zur Freude hat ebenfalls Christian Nagel, der das Video „Projection“ der amerikanischen Performance-Künstlerin Andrea Fraser (Jahrgang 1965) für 35 000 Euro verkaufen konnte: an die Sammlung der Tate, die dieses Werk mit Hilfe des Outset / Frieze Art Fair Fund neben Werken unter anderem von Tris Vonna-Mitchell (bei Cabinet, London), Hurvin Anderson (Thomas Dane Gallery, London) und Lorna Simpson (Salon 94, New York) am ersten Messetag anschaffen konnte. In Nagels aus Wellpappen von Michael Beutler (Jahrgang 1976) gestalteten Stand ließen sich zudem Arbeiten von
Ob die Nebenmessen „Zoo Art Fair“ und „Scope“, die weniger etablierte und preiswertere Kunstware anbieten und sich damit an eine andere Kundschaft als die Frieze richten, glimpflich davonkommen? Oft ist in diesen Tagen zu hören, dass es womöglich nicht so schlimm wäre, wenn die eine oder andere solcher Nebenmessen, die es auch in Basel oder Miami gibt, in Zukunft wegfallen würde. Denn dann, hofft man nicht nur in der Kölner Galeristenszene, man sich vielleicht wieder mehr auf Qualität konzentrieren.
Frieze Art Fair, bis 19. Oktober.
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