Von Emmanuel van Stein, 17.10.08, 17:58h
Im Gespräch blickt Witschke zurück: In Polen geboren, kam er im Alter von sechs Jahren zusammen mit seiner protestantisch geprägten Familie (auch Vater und Bruder waren Pfarrer) nach Essen. Während im Elternhaus die Musik den künstlerischen Ton angab, interessierte sich der junge Mann für die Bildende Kunst, besuchte ein Jahr lang die Folkwangschule und entschloss sich nach dem Tod des Vaters, „etwas Richtiges zu tun“. Also studierte er „die kopflastigen Fächer“ Theologie und Philosophie in Wuppertal, Tübingen und Hamburg. „Nebenher habe ich aber immer auch Kunst gemacht und Zeichenkurse belegt.“ Später studierte Witschke in Köln Pädagogik und Psychologie: „Diese Kombination gibt es im theoretischen Kunstbereich ganz selten.“ Dann wurde der Ehemann und Vater dreier Kinder Gemeindepfarrer in Zollstock.
Seit 1970 erlebte der kunstsinnige Pfarrer das Aufblühen der Kölner Kunstszene mit, begeisterte sich insbesondere für Informel, Art brut und den Wiener Aktionismus, sammelte Papierarbeiten und befreundete sich mit Hermann Nitsch. Sein Interesse an der zeitgenössischen Kunst führte anfangs zu Konflikten mit der Ehefrau: „Das Geld, das wir für den Kauf einer Waschmaschine gespart hatten, investierte ich in ein Bild von Arnulf Rainer.“ Die Kunst sei damals für ihn wie eine „heimliche Geliebte“ gewesen, gesteht der Pfarrer, der Kunst und Religion immer streng voneinander trennte: „Das sind zwei verschiedene Systeme. Wenn ästhetisches und religiöses Erleben gleichgesetzt werden, überlagert das eine das andere.“
Meditation statt Malerei
Die Kunst sei innerhalb der Kirche viel zu sehr instrumentalisiert worden, beklagt Witschke, „bei uns noch schlimmer als bei den Katholiken“. Abstrakte Kunst werde als Projektionsfläche für Meditationen benutzt, aber niemand achte dabei auf die Malerei selbst. „Wenn ich höre, dass Farbe göttlich ist“, sagt Witschke streitbar, „werde ich richtig scharf.“
Rund 120 Ausstellungen organisierte der rührige Pfarrer in der Trinitatiskirche. Die seiner Ansicht nach wichtigsten habe er Michael Buthe (1995), Michelangelo Pistoletto (1996), Hermann Nitsch (1995) und Alighiero Boetti (1997) gewidmet. Überhaupt die Italiener: Witschke bemühte sich stets, Lücken im Kölner Ausstellungsprogramm zu füllen. Und konnte dabei nach Herzenslust schalten und walten: „Mir hat keiner reingeredet.“
Weil man in Köln bekanntlich niemals so ganz geht, wird sich auch Erich Witschke nicht völlig aufs Altenteil zurückziehen. Er plant ein Buch über Kunst und Philosophie zu schreiben. Die Ausstellungen in der Trinitatiskirche könnten sogar fortgesetzt werden: Jedenfalls stehe der Raum bei einer kompletten Fremdfinanzierung zur Verfügung. Sollten Galeristen also ihr Interesse an dem wundervollen Ort bekunden, will sich Erich Witschke kümmern - ehrenamtlich.
Trinitatiskirche, Filzengraben 4-7. Schatzmann-Ausstellung bis 29. 10. Di-Fr 16-18 Uhr, Sa 13-15 Uhr.
Danke Erich!
18.10.2008 | 09.53 Uhr | BWrzal
Leider haben wir uns in den letzten Jahren aus den Augen verloren, trotzdem mein Dank an dich Erich! Du warst verantwortlich für meine Ehe, du hast…
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