Von Werner Röder, 23.10.08, 16:49h, aktualisiert 23.10.08, 16:51h
Ihr Referent ist Martin Fliegner von der Geoscopia Umweltbildung GbR, dem es immer wieder gelingt, mit Bildern diesen Widerspruch zwischen Faszination und Bedrohung durch den Klimawandel zu dokumentieren. Dazu hat er eine kleine Antenne vor dem Selbstlernzentrum installiert, mit dem er sämtliche Wettersatelliten im All „anzapfen kann“, wie er das nennt. Mit der Mixtur aus Archivbildern und den entsprechenden Live-Aufnahmen dokumentiert der Diplom-Geograph und Umweltpädagoge eindrucksvoll die Folgen des Klimawandels: schmelzende Gletscher, ausgetrocknete Seen in Afrika, der Anstieg der Meeresspiegel am Beispiel der Niederlande, oder die sich ausweitenden Dürregebiete. Und in dem Bewusstsein, dass es kein Regulativ für den Klimawandel gibt, wie beispielsweise der Staat die Finanzkrise mit unvorstellbaren Summen saniert, verweist er auf die Folgeerscheinungen für die Wirtschaft. „Hier kann ich über die Aktualität den Eindruck vermitteln, dass man etwas tun muss“, sagt Fliegner und verweist auch auf die Gratwanderung, die seine Referate beinhalten. „Ich darf dabei natürlich nicht die Katastrophengrundstimmung schüren“, sagt er, „aber an den Fakten kommen wir nun mal nicht vorbei."
22 / 10 / 2008, 08.00 Uhr: Fünf Minuten Pause. Einige Schüler verlassen sichtlich beeindruckt ihr Selbstlernzentrum, andere diskutieren den optischen dargebotenen Klimawandel. Und Fliegner hat ein wenig Zeit, über seinen Job zu philosophieren. Wichtig ist ihm, dass er das Thema Klimaschutz „vernetzt“. Deshalb offeriert er auch den angehenden Heizungs-Installateuren, Elektronischen Assistenten oder den Malern und Lackierern vor ihm, diese Thematik auf ihre späteren Berufe zu transponieren. Seit dem Start der gesamten Klimaexpeditions-Kampagne im September 2004 haben Fliegner und seine Kollegen 600 Projekttage durchgeführt, bei der „wir bisher cirka 40 000 Schülerinnen und Schüler erreicht haben“, so der Diplom-Geograph, der dabei immer wieder festgestellt haben will, dass durch die Schüler die „Vernetzung“ auch in der Familie funktioniert.
22 / 10 / 2007, 08.45 Uhr. Die Schüler wissen, dass sie dem Mann am Ende seines Referates Applaus schuldig sind. Denn Fliegner gelang es, diese seltenen Augenblicke, bei dem Schüler und Lehrer gleichzeitig staunen und lernen, mehrmals herzustellen. „Dieser Vortrag hat mich schon geschockt“, sagt Yvonne Schnier (24), „denn die Anschaulichkeit hat die Aktualität wieder gespiegelt“, so die Schülerin der Klasse 13b. „Ich habe aber auch gelernt, dass man nicht alles der Politik überlassen darf. Der Klimaschutz muss bei mir selbst beginnen“, so die angehende Maler- und Lackiererin. „Während das Thema in den Medien ja totgeredet wird, hat man hier deutlich gesehen, wie schlimm es wirklich ist“, sagt Christian Richter. Der 32-Jährige besucht ebenfalls die 13b und will „seinen Gesellen nachmachen.“ Auch er hat „gelernt, dass jeder Einzelne etwas tun muss.“ Thomas Poledniok (24) hat sich bisher über das „Klimaproblem keine sonderlichen Gedanken gemacht. Aber hier wurde das bildlich verdeutlich“, sagt der Schüler der 13b, der erstaunt war über den globalen Nord-Süd-Vergleich bezüglich des Energieverbrauchs.
Ende: 22 / 10 / 2008, 09.00 Uhr.
Die Germanwatch Klimaexpedition kann bundesweit für die Klassen 5 bis 13 gebucht werden. Germanwatch bietet zur Vor- und Nachbereitung der Klimaexpedition umfangreiches Informations- und Bildungsmaterial zum Klimawandel.
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