Von Joachim Sprothen, 24.10.08, 16:55h
Das Verfahren dürfte allerdings wegen „erwiesener Unschuld“ eingestellt werden. Gemeinsam mit der Biologischen Station im Kreis Euskirchen zeichnet die Untere Landschaftsbehörde für die Aktion am Feuchtbiotop verantwortlich. Und dabei haben sie die volle Rückendeckung von Carl Friedrich Jacobs, der als Leiter der Zülpicher Ortsgruppe des Kreisverbandes Natur- und Umweltschutz außerhalb jeden Verdachts steht, ein Umweltsünder zu sein.
Springfrosch angesiedelt
Jacobs war bereits 1983 mit von der Partie, als das Feuchtbiotop zwischen Enzen und Dürscheven geschaffen wurde. Mit Erfolg: Unter anderem der vom Aussterben bedrohte Springfrosch, Molche und Libellenarten siedelten sich dort an. Jetzt war Jacobs der geistige Vater der Idee, in der Nähe der Tissenicher Mühle und an einem Anfang der 1990er Jahre am Zülpicher Silberberg angelegten Biotop mit dem Bagger anzurücken. Gemeinsam mit Achim Blindert, dem Leiter der Abteilung Umwelt und Planung im Kreishaus, und Arnold Gehlen von der Unteren Landschaftsbehörde klärte Jacobs den „Kölner Stadt-Anzeiger“ über die beiden Maßnahmen auf.
Die Misere an dem Biotop am Silberberg hatte demnach natürliche Gründe. Im Laufe der Jahre eroberte die Vegetation den Tümpel. Das Biotop war verlandet. Die ausführende Baufirma holte aus dem nur etwa 500 Quadratmeter großen Biotop rund 400 Kubikmeter Schlamm und Pflanzenteile heraus. „Dabei sind uns allenfalls zwei Erdkröten begegnet“, sagte Martin Küpper von der Baufirma. Ähnlich trostlos sah es an dem nur unwesentlich größeren Biotop in der Nähe der Tissenicher Mühle aus. Auch dort drohte der Teich zu verlanden, wovon rund 450 Kubikmeter Aushub zeugen. Aber die Hauptverursacher für die Vernichtung des ehedem ökologisch wertvollen Terrains waren Aquarianer und Gartenteichbesitzer, die trotz aufgestellter Warnschilder ihre überzähligen Goldfische in dem Gewässer ausgesetzt hatten.
Nach einer Elektrobefischung kamen laut Gehlen 45 Kilogramm betäubte Goldfische und Giebel, die als Urform der Zierfische gelten, an die Wasseroberfläche. Molch und Co. wurden nicht mehr gesichtet. Die nunmehr abgefischte, mehrere hundert Exemplare zählende Population hatte die seltenen Amphibien restlos weggefressen. Jacobs: „Bei den vielen Goldfischen hatte deren Laich keine Chance.“
80 Prozent der 25 000 Euro, die für die beiden Maßnahmen investiert werden, fließen aus Fördermitteln der EU, den Rest zahlt der Kreis. Die ausgebaggerten Biotope füllen sich langsam wieder mit Grundwasser. Bereits im kommenden Frühjahr, so die Prognose Jacobs', dürften sich dort wieder die ersten Amphibien ansiedeln: „Dann aber unter wesentlich besseren Bedingungen. Es sei denn, in die mit viel Liebe, Geld und Arbeit errichteten Biotope werden uns wieder Goldfische geworfen.“
Einen Gefallen haben die „Tierliebhaber“ ihren Schützlingen übrigens mit der Entlassung in die Freiheit nicht getan. Die meisten Goldfische wurden abgetötet und werden nun zu Tierfutter verarbeitet. Gehlen: „Für solche Massen konnten wir im Zoohandel keine Abnehmer finden.“
Zoofachhandel müsste in die Pflicht genommen werden!
25.10.2008 | 11.39 Uhr | klf
Diese Maßnahme war sicherlich unumgänglich und sinnvoll. Den schwarze Peter hier aber alleine den "Tierliebhaber" zuzuschieben, finde ich nicht…
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