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Kommentar - ICE-Unfall

Bahn unter schwerem Verdacht

Von Thomas Wüpper, 09.11.08, 17:08h, aktualisiert 09.11.08, 23:09h

Ein Gutachten wirft kein gutes Licht auf den einstigen Staatsbetrieb. Hat die Deutsche Bahn ihre Bilanz aufgepeppt, indem an teurer Wartung gespart wurde? Hätte der glimpflich verlaufene ICE-Unfall in Köln ein zweites Eschede werden können?

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Ein Gutachten wirft kein gutes Licht auf die Deutsche Bahn. (Bild: dpa)
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Ein Gutachten wirft kein gutes Licht auf die Deutsche Bahn. (Bild: dpa)
Spätestens seit dem ICE-Unglück in Köln gibt es einen schweren Verdacht. Hat die Deutsche Bahn, die um jeden Preis an die Börse will, ihre Bilanz aufgepeppt, indem an teurer Wartung gespart wurde? Ging Rendite vor Sicherheit? Bisher gibt es dafür keine belastbaren Beweise. Doch die Indizien, die inzwischen vorliegen, lassen das Misstrauen wachsen. Die Schadensanalyse zum Kölner ICE-Unglück belegt: Die Fahrgäste entgingen nur mit Glück einer Katastrophe. Die Achse brach schon auf der Fahrt nach Köln, wo der Zug bis zu Tempo 300 fährt. Nun wird klar, wieso die Bahn erst alle ICE 3 und danach auch die Schwesterzüge mit Neigetechnik zeitweise aus dem Verkehr ziehen musste, die bisher größten Rückrufaktionen überhaupt.

Noch läuft die letzte Klärung der Ursachen. Genau so wichtig aber ist: Seit wann wusste der Konzern von den ICE-Achsproblemen, auf die ein führender Experte zuvor mehrfach hingewiesen hatte? Hat man auf die Warnungen angemessen reagiert? Oder versuchte man die Probleme zu vertuschen, um den Börsengang, der parallel vorbereitet wurde, nicht zu gefährden?

Die Achsen aller ICE werden inzwischen zehn Mal so oft kontrolliert wie vor dem Kölner Unglück, allerdings erst nach massivem Druck der Bahnaufsicht. Allein das zeigt, für wie gefährlich die Probleme eingeschätzt werden. Noch bis Mitte nächsten Jahres wird der ICE-Verkehr wegen der häufigen Kontrollen gestört sein. Volle Züge, Stehplätze, längere Reisezeiten - die Fahrgäste müssen nun ausbaden, was Bahn und Zughersteller verbockt haben.

Was die Bahn und die Hersteller bisher abliefern, ist ein Trauerspiel. Was hat die Bahn wann gewusst? Wieso wurden Probleme mit einer weiteren ICE-Achse schon im August entdeckt, aber erst Mitte Oktober bekannt gegeben, als sich der Börsengang wegen der Finanzkrise vorerst erledigt hatte? Mit lauen Ausreden dürfen sich verantwortungsbewusste Politiker, Ermittler, Behörden und Aufsichtsräte nun nicht mehr abspeisen lassen.



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