Von Thomas Wüpper, 09.11.08, 17:08h, aktualisiert 09.11.08, 23:09h
Noch läuft die letzte Klärung der Ursachen. Genau so wichtig aber ist: Seit wann wusste der Konzern von den ICE-Achsproblemen, auf die ein führender Experte zuvor mehrfach hingewiesen hatte? Hat man auf die Warnungen angemessen reagiert? Oder versuchte man die Probleme zu vertuschen, um den Börsengang, der parallel vorbereitet wurde, nicht zu gefährden?
Die Achsen aller ICE werden inzwischen zehn Mal so oft kontrolliert wie vor dem Kölner Unglück, allerdings erst nach massivem Druck der Bahnaufsicht. Allein das zeigt, für wie gefährlich die Probleme eingeschätzt werden. Noch bis Mitte nächsten Jahres wird der ICE-Verkehr wegen der häufigen Kontrollen gestört sein. Volle Züge, Stehplätze, längere Reisezeiten - die Fahrgäste müssen nun ausbaden, was Bahn und Zughersteller verbockt haben.
Was die Bahn und die Hersteller bisher abliefern, ist ein Trauerspiel. Was hat die Bahn wann gewusst? Wieso wurden Probleme mit einer weiteren ICE-Achse schon im August entdeckt, aber erst Mitte Oktober bekannt gegeben, als sich der Börsengang wegen der Finanzkrise vorerst erledigt hatte? Mit lauen Ausreden dürfen sich verantwortungsbewusste Politiker, Ermittler, Behörden und Aufsichtsräte nun nicht mehr abspeisen lassen.
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