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Daniel Craig

Zu viel Sex hätte nicht gepasst

Erstellt 11.11.08, 19:40h, aktualisiert 12.11.08, 11:10h

Nach dem sensationellen Einstand mit „Casino Royale“ setzt der Engländer sein Engagement als James Bond mit „Ein Quantum Trost“ fort. Daniel Craig über den neuen, den alten - und einen ungewohnt enthaltsamen Bond.

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Anstrengender als die Dreharbeiten: Daniel Craig auf Werbetour für 007 - hier in Berlin. (Bild: dpa)
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Anstrengender als die Dreharbeiten: Daniel Craig auf Werbetour für 007 - hier in Berlin. (Bild: dpa)
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Mr. Craig, vor „Casino Royale“ kursierten eine Menge Vorbehalte gegen Sie. Jetzt sind Sie für viele schon der beste Bond-Darsteller überhaupt.

DANIEL CRAIG: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Es ist sehr nett, wenn Leute das sagen, weil es wirklich ein schmeichelhaftes Kompliment ist. Aber ich freue mich genauso, wenn eines Tages jemand die Rolle von mir übernimmt und dann einen noch besseren Job abliefert. So jedenfalls sollte es weitergehen.

Wieweit sind Sie Opfer der eigenen Popularität geworden?

CRAIG: London ist derzeit tapeziert mit Bildern von mir. Für mich gibt es da nur eine Ausflucht: Nicht vor die Tür gehen.

Haben Sie nicht damit gerechnet, als Sie sich auf Bond einließen?

CRAIG: Nein, denn selbst wenn man alles einkalkuliert, ist man trotzdem nie auf alles vorbereitet. Ich habe mich mit Leidenschaft auf die Sache eingelassen und bereue nichts davon. Mir war klar, dass Bond mein Leben verändern würde. Genau genommen war das ja einer der Gründe, dass ich mich auf die Rolle eingelassen habe. Aber dass sich das alles derart explosiv entwickeln würde, war nicht abzusehen und ist auch immer noch nicht zur Gänze zu erfassen für mich.

Wie britisch ist der aktuelle Bond eigentlich noch?

CRAIG: Ich hoffe doch, dass er so britisch rüberkommt, wie es nur eben geht. Ich bin jedenfalls Brite und statte ihn mit allen möglichen Kleinigkeiten aus, die sich mir sofort als britische Eigenart erschließen. Ich gebe aber zu, dass der Bond der frühen Filme, die ja noch in den Nachkriegsjahren entstanden, sich sehr von dem heutigen Bond unterscheidet.

Sind Sie Anhänger des Königshauses?

CRAIG: Nein, ich bin kein Royalist. Aber Bond ist einer - zwar kein Royal, aber loyal.

War der zweite Auftritt als 007 leichter für Sie?

CRAIG: Doch, schon. Klar hatten wir mit hohem Erwartungsdruck zu tun, aber es waren gute Erwartungen, weil der erste Film erfolgreich war. Wäre „Casino Royale“ eine Niete gewesen, dann hätte es richtig hart werden können, um sich nach oben zu kämpfen. Aber so denke ich, dass wir den Schub von „Casino Royale“ genutzt haben und jetzt ein weiterer guter Bond-Film vorliegt.

Das ist der kürzeste Bond-Film von allen. War das beabsichtigt?

CRAIG: Nein, ganz sicher nicht. Wir haben sehr viel Material gedreht, das für den Film dann wieder verworfen wurde. Marc Forster hat im Schneideraum das beste verwendet, das ihm zur Verfügung stand. Man muss aber auch dazusagen, dass die Zeit zwischen Drehschluss und Veröffentlichung ganz schön knapp war. Es mussten also einige sehr schnelle, sehr harte Entscheidungen getroffen werden. Aber genau deshalb hat der Film auch eine Unmittelbarkeit und Spannkraft, die bei mehr Spielzeit verloren gegangen wäre.

In der Kritik wird „Ein Quantum Trost“ eher als Actionthriller begriffen und nicht als Bond-Film.

CRAIG: Damit kann ich nun allerdings gar nichts anfangen. Denn wir haben uns richtig Mühe gegeben, einen waschechten Bond-Film zu erstellen. Dafür haben Marc Forster und ich uns etwa überlegt, welche Filme aus der Serie wir besonders mögen und wir kamen überein, dass das die Filme aus den frühen 60er Jahren sind - „James Bond jagt Dr. No“ und „Liebesgrüße aus Moskau“. Den Stil und den Look dieser Filme haben wir uns zum Vorbild genommen und mit den modernsten Mitteln für unsere Zeit umgesetzt. Das gilt besonders für die Ausstattung und die Kamera. Für mich hat „Ein Quantum Trost“ mehr Bond-Feeling als „Casino Royale“ je hatte. Denn er kreiert eine eigene Welt.

In der diesmal sexuelle Enthaltsamkeit vorherrscht.

CRAIG: Hm, wir knüpfen ja direkt an „Casino Royale“ an. Wir legen fest, dass er verliebt war und dass sein Herz gebrochen wurde. Dieser Aspekt war uns so wichtig, dass wir angesetzt haben, um die Geschichte zu Ende zu erzählen. Bond mit zehn Frauen ins Bett zu schicken, das hätte hier nicht gepasst. Aber wir haben ja noch viel Zeit vor uns, um das alles nachzuholen.

Damit es wieder mehr Bond wird?

CRAIG: Das haben Sie gesagt. Aber in diesem Film wäre es falsch gewesen. Wir haben eine Richtung eingeschlagen, die bestimmte andere, etablierte Bond-Elemente nicht zugelassen hat. Was aber auch in Ordnung ist, denn es gibt da draußen eine ganze Generation von Kinogängern, die noch nie einen Bond-Film gesehen haben. Also müssen wir die an das Konzept Bond heranführen. Und dafür müssen auch manche der lieb gewordenen alten Standards neu eingeführt werden, damit sie auch für ein heutiges Publikum von Bedeutung sind und damit auch weiterhin bestehen bleiben können. Und ich werde mich dafür sehr einsetzen, denn mir bedeuten Elemente wie die Martinis oder Q oder Miss Moneypenny sehr viel.

Muss Bond wirklich immer wieder neu etabliert werden? Er ist doch längst ein Kino-Mythos wie Tarzan.

CRAIG: Das glauben Sie! Aber dem ist nicht so. Man darf sich bei einer erfolgreichen Kampagne niemals ausruhen und auf den Lorbeer von gestern verlassen. Man muss sich immer hinterfragen und letztlich neu erfinden mit dem, was man hat.

Welche Entwicklungen hat denn das Drehbuch genommen?

CRAIG: Es gab einige drastische Änderungen von der ersten Fassung bis zum fertigen Film. Marc Forster und ich waren uns schon früh einig, dass wir eine Art Fortsetzung vor Augen hatten. Und daraus ergab sich, dass Bond sehr rastlos auftritt. Das Konzept „Trost“ beinhaltet hier vor allem das Gegenteil in dem Sinne: Bond ist ohne Frieden, weil er die Frau, die er liebte, verloren hat. Im Gegenzug aber geht es auch darum, wer seine Freunde und Verbündeten sind und wem er vertrauen kann. Und weil Bond am Ende weiß, dass es Leute gibt, auf die er sich verlassen kann, ist der Weg für einen neuen Bond-Film bereitet.

Es heißt, Sie hätten gewisse schwule Untertöne für den nächsten Bond-Film ins Gespräch gebracht.

CRAIG: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen, dass ich das gesagt habe. Tatsache ist aber, dass mich diese Internet-Ente seitdem verfolgt. Ich werde ständig danach gefragt. Um das mal richtig zu stellen: Ich kann mir durchaus vorstellen, jemand Schwules in einem Film zu spielen. Aber ich habe mich niemals für einen schwulen James Bond ausgesprochen und werde es auch nicht.

Sie pausieren bis Jahresende. War es so anstrengend?

CRAIG: Nein. Die PR-Kampagne für den Film mit den Galapremieren und Interviewterminen rund um den Erdball ist noch viel anstrengender. Das gehört dazu, aber ich bin jetzt für rund ein Jahr nur mit diesem einen Film beschäftigt. Das ist schon harte Arbeit. Dazu die Sache mit der Schulter. Ich bin im Moment einfach ein Problemfall für die Versicherungen. Also nutze ich die Zeit für eine Pause.

Wie geht es denn Ihrer Schulter?

CRAIG: Danke, besser. Noch etwas schwach, aber sie heilt. Die intensive physiotherapeutische Behandlung beginnt sich also auszuzahlen. Die Zeichen stehen damit gut für einen weiteren Bond-Film. Aber hoffentlich nicht allzu bald.

Das Gespräch führte Uwe Mies



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