Von Georg Imdahl, 13.11.08, 21:05h
Die Initiative zu der Gründung wird im Rat weithin begrüßt, wie Oberbürgermeister Fritz Schramma in der Ratssitzung verlauten ließ. Allerdings bestehe aufseiten der Politik noch Klärungsbedarf. Dieser betreffe die Frage, ob die Stiftung - anders als in der Ratsvorlage vorgesehen - einen Beirat haben soll. Darüber soll nun in einer Dringlichkeitsentscheidung befunden werden. Dringlichkeit besteht insoweit, als der Polke-Stifter den Steuervorteil noch für dieses Jahr nutzen möchte. Eine weitere „bedeutende Zustiftung“ werde derzeit bereits „mit guten Erfolgsaussichten eingeworben“, heißt es aus dem Museum Ludwig.
SPD-Kultursprecher Hans-Georg Bögner stellt auf Anfrage fest, die Kunststiftung werde von der Politik grundsätzlich begrüßt. Es gehe allein darum, an einigen „handwerklichen“ Aspekten der Stiftung zu feilen. So spricht sich Bögner nachdrücklich für ein Kuratorium oder einen Stiftungsrat aus, wie dies bei anderen Stiftungen auch üblich sei. Dabei gehe es nicht darum, dass die darin vertretene Politik über die Annahme von Stiftungen mitentscheide - „das muss nicht sein“. Allerdings sei es wünschenswert, dass es ein Gremium gebe, dem Bericht erstattet werde. Im Prinzip hält Bögner die Stiftungsinitiative für eine „wunderbare Lösung“, die auch für weitere Museen der Stadt interessant sei. Als Stiftungsorgane sind in der Ratsvorlage bislang lediglich der Vorstand und der Geschäftsführer vorgesehen, womit der Direktor und der Verwaltungsleiter als geborene Funktionsträger gemeint sind.
Das minimale Gründungskapital von 50 000 Euro, mit welchem die „Kunststiftung im Museum Ludwig“ an den Start gehen will, entstammt dem Nachlass des Kölner Künstlerehepaars Bernard Schultze und Ursula Schultze-Bluhm.
Als „Vorreiter“ sieht der Jurist Felix Ganteführer Köln mit dem Plan der Kunststiftung, und auch der Düsseldorfer Steuerexperte empfiehlt das Modell für die anderen Kölner Museen. Häuser, die über eine solche Einrichtung verfügten, befänden sich „im Wettbewerbsvorteil“, so Ganteführer, der in der Landeshauptstadt auch die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und das Museum Kunst Palast berät. Zuletzt war dort die Gründung der von ihm betreuten „Zero“-Stiftung bekanntgegeben worden. Die Selbständigkeit einer Stiftung sei ein psychologischer Vorteil bei der Überzeugung von möglichen Stiftern: Sie schenkten Kunst lieber einem Museum als einer Kommune, ohne zusätzliche Verträge schließen zu müssen, so der Jurist.
Das Polke-Konvolut umfasst nach Angaben des Stifters etwa hundert Blätter und zudem weitere Plakate und Kataloge von Sigmar Polke. Kasper König, Direktor des Museums, plant in seiner 2010 endenden Amtszeit noch eine Retrospektive des bedeutenden Kölner Malers. Der Sammler wollte sich gestern auf Anfrage nicht näher zu seiner Schenkung äußern, bevor diese nicht unter Dach und Fach sei.
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