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Berlin

Anschlag auf Schwulen-Mahnmal

Erstellt 17.08.08, 16:16h, aktualisiert 17.08.08, 17:54h

Unbekannte Täter haben am Wochenende das Ende Mai eingeweihte Mahnmal für die NS-Verfolgung von Homosexuellen zerstört. Die Politik ist entsetzt. Volker Beck fordert, die Betonstele künftig besser zu schützen. Für Irritation sorgte ein Hinweisschild, das euphemistisch von einem "technischen Defekt" sprach.

Homosexuellen-Mahnmal
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Offenbar homophobe Täter haben die Gedenk-Installation für verfolgte Schwule und Lesben in der NS-Zeit schwer beschädigt. (Bild: dpa)
Homosexuellen-Mahnmal
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Offenbar homophobe Täter haben die Gedenk-Installation für verfolgte Schwule und Lesben in der NS-Zeit schwer beschädigt. (Bild: dpa)
BERLIN - Das Berliner Mahnmal für die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ist am Wochenende von unbekannten Tätern schwer beschädigt worden. Unter anderem wurde das Sichtfenster, hinter dem ein Video in Endlosschleife zwei sich küssende Männer zeigt, eingeschlagen und ein Bauzaun umgeworfen. Ob die Tat einen politischen Hintergrund hat, wird nach Angaben der Polizei von Sonntag weiter geprüft.

Der laut Polizei erste Vorfall dieser Art löste Kritik und Entsetzen aus. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) nannte den Anschlag "eine Schande" und rief für Montag zu einer Protestkundgebung im Stadtteil Tiergarten auf. Die Protestkundgebung des LSVD soll am Montag um 17.00 vor dem beschädigten Mahnmal stattfinden. Die Zertrümmerung des Sichtfensters spreche für eine Tat aus "Hass gegen Homosexuelle".

Anschlag beweist Notwendigkeit des Mahnmals

Die Tat sei "widerlich und empörend", sagte LSVD-Verbandssprecher Günter Dworek am Sonntag in Berlin. Der Anschlag nur elf Wochen nach der Einweihung des Denkmals im Stadtteil Tiergarten mache drastisch deutlich, wie notwendig das Mahnmal ist. Homosexuellenfeindlichkeit sei immer noch virulent. Auch in einer demokratischen Gesellschaft gebe es Menschen, die es nicht ertragen könnten, wenn sich zwei Männer im öffentlichen Raum küssen, hieß es. "Die im Denkmal gezeigte Kuss-Szene trifft offenbar ins Schwarze."

Das Fenster sowie ein Bauzaun waren vom Samstagmorgen von unbekannten Tätern beschädigt worden. Ein Passant hatte die Zerstörungen in der Ebertstraße entdeckt und die Polizei informiert. Das Denkmal am südlichen Rand des Tiergartens war im Mai dieses Jahres eingeweiht worden.

Nazi-Gedankenwelt zu eigen gemacht

Der Grünen-Politiker Volker Beck verurteilte die Tat als "Ausdruck von Menschenverachtung". Wer das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus angreife, wolle das Wiederaufleben der kollektiven Menschenfeindlichkeit der Nazis wieder denkbar machen. Er forderte Gespräche darüber, wie das Denkmal besser geschützt und in die Topographie der Stadt eingebunden werden könne.

In dem Teil des Parks Tiergarten, in dem häufig Schwule auf Partnersuche sind, hatte es in den vergangenen Tage mehrere Übergriffe durch unbekannte Täter gegeben, bei dem zwei Männer schwer verletzt wurden. Das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo geht von einem schwulenfeindlichen Hintergrund der Taten aus. Auch der LSVD spricht von einer "Gewaltserie gegen schwule Männer". Es sei notwendig, die gesellschaftlichen Anstrengungen gegen Homosexuellenfeindlichkeit "deutlich zu verstärken".

Irritierend-verstörendes Hinweisschild: "Technischer Defekt"

Der Bundesvorsitzende der Vereinigung Lesben und Schwule in der Union (LSU), Reinhard Thole, kritisierte am Sonntag ein Hinweisschild, das die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas nach der Tat auf dem Mahnmal angebracht hatte. Darauf ist zu lesen: "Aufgrund eines technischen Defekts ist die Videosequenz nicht einsehbar. Wir bitten um Ihr Verständnis." Thole erklärte: "Diese verharmlosende Herunterspielung des gewalttätigen Anschlags auf ein technisches Problem ist empörend und inakzeptabel. Die Stiftung sollte unverzüglich Stellung beziehen und den Hinweis korrigieren."

Das Schild sei nach dem Protest am Sonntagnachmittag geändert worden, sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Uwe Neumärker, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nun werde auf eine "mutwillige Zerstörung" hingewiesen. Neumärker bezeichnete die Beschädigung als einen "empörenden Akt", der erschreckend und überraschend sei. Eine Reparatur des Sichtfensters und der Videotechnik am Wochenende sei nicht möglich gewesen, solle aber am Montag so rasch wie möglich erfolgen. Eine Plastikfolie, die das zerstörte Sichtfenster schützen sollte, sei immer wieder heruntergerissen worden. Daher habe am Sonntag zunächst ein Besucherbetreuer des Ortes der Information am Holocaust-Mahnmal das Mahnmal bewacht. Auch in der Nacht zu Montag sollte eine Sicherheitskraft an dem Denkmal stehen.

Erst Ende Mai eingeweiht

Das Mahnmal war Ende Mai von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) der Öffentlichkeit übergeben worden. Dabei handelt es sich um eine schlichte, aber mit 3,65 Metern Höhe und 4,70 Metern Länge wuchtige Betonstele. Das 600 000 Euro teure Denkmal wurde von dem in Berlin lebenden dänisch-norwegischen Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset entworfen.

Während der NS-Zeit wurden zwischen 10.000 und 15.000 Männer wegen ihrer Homosexualität in Konzentrationslager gesperrt. Tausende von ihnen kamen dort qualvoll um.

(ddp/dpa/epd/afp)



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