Von Karin Billanitsch, 21.08.08, 16:16h, aktualisiert 21.08.08, 22:11h
Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, die bereit sind, künftig wesentlich längere Wege zur Arbeit in Kauf zu nehmen, malten die Telekom-Manager Thomas Berlemann und Dietmar Welslau in „rosigen“ Farben: Rund 70 Millionen Euro sollen in den nächsten zwei Jahren in eine aufwendige Modernisierung gesteckt werden, sagten sie. Bei der Auswahl der 24 Standorte habe das Management sich „viele Gedanken um die Zumutbarkeit der Maßnahmen gemacht“, so Berlemann. So sei schließlich eine Fahrzeit von maximal 120 Minuten zum Arbeitsplatz als Zumutbarkeitsgrenze angesehen worden, hieß es. So soll es künftig für Mitarbeiter aus Köln, Koblenz, Aachen oder Trier zumutbar sein, künftig nach Bonn zu pendeln. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nach Angaben der Telekom nicht geben. „Wir bieten jedem Mitarbeiter einen Arbeitsplatz an“, heißt es. Eine Verlagerung ins Ausland sei nicht geplant.
Der Umbau betrifft aber nicht ausschließlich Callcenter. Die bislang bei der Festnetztochter T-Home verbliebenen Technikzentren sollen in die Deutsche Telekom Netzproduktion GmbH überführt werden. Hier gelten die Bedingungen, die schon 2007 mit dem Betriebsrat bei der Auslagerung der Service-Zentren vereinbart worden war. Unter anderem sollen diese Mitarbeiter künftig vier Stunden pro Woche länger arbeiten müssen. Das Gehalt wird gesenkt und „auf das Niveau der Servicegesellschaften gebracht“, wie Dietmar Welslau sagte.
Einsparungen in Höhe von 57 Millionen Euro
Auf der anderen Seite sollen durch die geplanten Streichungen bei den Callcentern allein 57 Millionen Euro gespart werden. Rechnet man die Überführung der Technikzentren, die bislang noch bei der Festnetztochter T-Home verblieben waren, in die Deutsche Netzproduktion GmbH ein, soll eine Summe „im niedrigen dreistelligen Millionenbereich“ eingespart werden.
Gegen die Pläne der Telekom zeichnet sich heftiger Widerstand ab. Man sei „erschüttert über die Unverfrorenheit, mit der die Telekom den Kahlschlag bei den Callcentern“ betreibe, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder in einer ersten Reaktion. „Wir werden alle Möglichkeiten nutzen, um das Konzept der Telekom zu Fall zu bringen und die Beschäftigten sowie ihre Arbeitsplätze zu schützen“, kündigte er an. Verdi-Gewerkschafter Ado Wilhelm sprach von einem Skandal und sagte: „Wir werden nun alle möglichen Maßnahmen prüfen, das kann auch ein neuer Arbeitskampf sein.“ Er erinnert damit an den Streik des vergangenen Jahres, mit dem die Telekom-Mitarbeiter die Verlagerung von 50 000 Beschäftigten nach T-Service zu verhindern versuchten. Auch wenn der Protest erfolglos blieb - das Unternehmen war für Wochen gelähmt.
Seit dem Streik herrscht eine Eiszeit zwischen den Arbeitnehmervertretern der Telekom und der Führung um Vorstandschef René Obermann. „Man setzt sich zwar an einen Tisch, allerdings ist das Vertrauen nachhaltig gestört“, sagt ein Vertreter der Arbeitnehmer. Das war nicht immer so: Lange Zeit fanden beide Fraktionen oft auf dem kurzen Dienstweg Kompromisse, um den Abbau von Arbeitsplätzen sozialverträglich zu stemmen. Das scheint heute nicht mehr möglich zu sein.
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